Beiträge mit dem Schlagwort ‘Reverend Beat-Man’

«Dinge, die das Herz erfreuen»

Gisela Feuz am Samstag den 17. März 2018

Und wenn man denkt, analog geht nichts mehr, kommt von irgendwo der Beat-Man her. Beziehungsweise Gregor Samsa aus Hamburg. Oder beide zusammen. Lassen Sie mich erklären. Kürzlich fand sich folgenden Nachricht in Frau Feuz’ elektronischem Briefkasten:

Hi,
ich veröffentliche am 11. Mai 2018 ein neues Album (in der Band: Mario Batkovic, Julian Sartorius, Resli Burri und Nicole Izobel Garcia), zur Zeit habe ich sieben Videos in Arbeit, wovon eines ein analoges Vinyl-Video ist ist. Kein Witz! Ich habe das Glück, eines von vier Versuchskaninchen zu sein. Ein anderes ist Motörhead.
Beat-Man

Dass der Berner Blues-Trash-König Beat-Man ein neues Band-Projekt am Start hat, verwundert wenig. Der Mann ist mit einem Tatendrang gesegnet, der jeden Hyperaktiven vor Neid erblassen lässt. Das neue muskalische Unterfangen nennt sich «Reverend Beat-Man and the New Wave» und eine erste Kostprobe offenbart: Der Meister der unheiligen Schreipredigten schreit nicht mehr, sondern singt. Was hingegen definitiv erstaunt in obiger Nachricht ist: «Vinyl-Video» und «Motörhead». Da kommt nun Gregor Samsa ins Spiel, der Chef von Sounds of Subterrania, ein Label, das in Hamburg beheimatet ist und heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Eigentlich sei das Vinly-Video schon vor 15 Jahren in Österreich von einem Künstler und einem Physiker entwickelt worden, erzählt Samsa. Mittlerweile sei das Vefahren nun aber so weit verfeinert worden, dass es allen Leuten zugänglich gemacht werden könne. Bei einem Vinyl-Video sind sowohl Bild- als auch Ton-Signal auf einer Single gespeichert. Dieses Signal wird von der Plattennadel abgenommen, in einem Vorverstärker umgewandelt und so wird Video und Song an jedem beliebigen TV-Gerät oder Bildschirm seh- und hörbar. Alles was man braucht, ist ein normaler Plattenspieler, ein Bildschirm und den Konverter. Mit 8 Bildern/Sek. entstehen dabei hübsche Schwarz-Weiss-Videos, die in ihrer Ästhetik an Filme aus den 20er- oder 30er-Jahren erinnern.

Gregor Samsa ist in der Szene bekannt für seine aufwändigen Special-Editionen, welche er für Künstler*innen auf seinem Label fertig. So hat er für Beat-Man etwa den Sarg entworfen oder für die Monsters ein ganzes Bühnensetting in Lego herausgegeben. Wenn Samsa was an die Hand nimmt, dann steckt er viel Liebe und Arbeit in die Sache und das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Deswegen habe auch das Management von Motörhead Interesse an seinem Vinyl-Video bekundigt. «Die wissen, dass es mir nicht einfach darum geht, Lemmys Erbe auszuschlachten, sondern die Idee von Rock’n’Roll, welche ja auch Motörhead verkörpert hat, weiterzutragen», sagt Samsa. «Wer eine Vinyl-Single kauft, wird die nicht alleine anhören und anschauen, sondern die Freude daran teilen wollen. Ich fertige keine Massenware, sondern Dinge, die das Herz erfreuen.»

Samsas Nischenprodukte erreichen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und sind finanziell nicht lukrativ, zumal Preise so tief als möglich gehalten werden. (Bei der Monsters-Lego-Box geht der Löwenanteil an Lego, der Vinyl-Single-Adapter kostet 178 Euro, womit nur ein Bruchteil der 15-jährigen Forschungsarbeit vergütet werden kann.) Von den vier Künstler*innen, welche als erstes eine Vinyl-Single herausgeben, sind drei einer breiten Masse unbekannt. Er hoffe, dass durch das Interesse an Motörhead auch das Interesse für The Courettes, Frankie Stubbs von Leatherface und Beat-Man gesteigert werde, sagt Samsa. Warum die Wahl dabei ausgerechnet auf den Berner Beat-Man gefallen ist, soll der Mann aus Hamburg gleich selber erklären. Selten hat die Rock’n’Roll-Welt eine schönere Liebeserklärung gehört.

 

Am Dienstag 27. März zeigt Beat-Man im Dachstock der Reitschule fünf Videos zu seinen beiden kommenden Alben, mit dabei wird auch das Vinyl-Video sein. Das Label Sounds of Subterrania feiert vom 26. – 31. März das 20-jährige Bestehen mit diversen Konzerten im Hamburger Hafenklang.

Postkarte aus Jerusalem

Gisela Feuz am Samstag den 11. November 2017

Ganz bestimmt wird eine Stimme «JETZT REICHT’S!» aus den Wolken schmettern, dann wird ein Blitz niederfahren, der unser Reisegrüppchen zu Staub pulverisiert, sobald wir die Tore der heiligen Stadt passieren. So die Annahme, als wir vorgestern mit der Eselkarre von Tel Aviv Richtung Jerusalem galoppierten. Ich mein: Reverend Beat-Man, der wohl unheiligste Prediger überhaupt in der heiligen Stadt des gelobten Landes. Oh la la. Dass besagter Reverend fährt wie ein Berserker und damit Angst und Schrecken auf den Strassen Israels verbreitet, ist das eine. Dass er dann in seinen Blues-Trash-Predigten innerfamiliären Sex besingt mit Bruder, Tante, Urgrossvater und wer da sonst noch alles in der Genealogie rumdümpelt, zum Jesus Christ Twist bittet und den Gehörnten höchstpersönlich durch sich sprechen lässt, liess einem durchaus die Instant-Strafe Gottes fürchten.

Der Allmächtige hat aber offenbar eine Schwäche für das schwärzeste all seiner Schäfchen. So erwartete einem nicht das Fegefeuer, sondern die fantastisch schöne Kulturfabrik HaMifall mit trash-affinem Publikum jeglicher Altersklasse, das wild tat, als würde es keinen Morgen geben und sich auch vom wenig gottesfürchtigen Hallemotherf******luja-Segen des Reverends nicht aus der Fassung bringen liess. Heilandzack Jerusalem, wer hätte das gedacht. Und wer hätte gedacht, dass das Tote Meer dann auch noch extra für die Berner Pilgerschaft die schönsten Pastellfarben auspackt?!

Erleuchtet grüsst,
Ihre Frau Feuz