Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Italienischer Gaskessel

Benedikt Sartorius am Montag den 27. Januar 2014

Eben wurde ich via Facebook endlich mal wieder auf eine tolle Seite gelotst: Auf «Memories on a Dancefloor…» sind tote und verfallende italienische Discos abgebildet und mit Worten gewürdigt. Ein Bau erschien überaus familiär, weist doch das Lokal Le Cupole

cupole

… grosse Ähnlichkeiten mit dem hiesigen Gaskessel auf:
eBund Kultur Kulturlokal

Jedenfalls hoffe ich, dass in der Stadt Bern die Liste der toten Nachtlokale nicht noch mit dem Gaskessel verlängert wird.

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Auch auf Facebook: Die Seite «Der Gaskessel bleibt wo er ist».

La vraie Tour de Lorraine

Miko Hucko am Samstag den 18. Januar 2014

Jawohl, eine geführte Tour, über einenhalb Stunden, manchmal etwas leise gesprochen, in der Kälte. Hat sich trotzdem sehr gelohnt, ich erfuhr von Initiativen der Quartierbewohnenden, Grundbesitzern und eigentümlichen Bauplänen der Stadtverwaltung. Und zum Schluss die Krönung am Centralweg: die Wohnbox.

 2014-01-17 19.40.11

Hier baut wirklich das Quartier – hingehen, mitlaufen, mitreden, mitdenken und sich vielleicht zum mitmachen animieren lassen. Tour de Lorraine heute ganztags, diese ganz eigene Führung ab 18:00 beim Lorrainepark.

Kurznotiz: Gaskessel-Klick-Protest

Christian Zellweger am Montag den 14. Oktober 2013

Jugendzentrum Gaskessel

Progonosen sind schwierig. Es darf aber angesichts der aktuellen Diskussion zumindest leise angezweifelt werden, dass der Gaskessel nochmals 40 Jahre erleben wird.
Nachdem es in Sachen Klick-Protest lange ruhig blieb, hat sich letzte Woche nun doch die lang erwartete Facebook-Gruppe formiert. Aktueller Stand: Knapp 2400 Likes. Da ist noch Luft nach oben.

Freiraum für alle

Roland Fischer am Samstag den 24. August 2013

Gestern war wieder mal ein ziemliches Durcheinander vor der Reitschule, aber für einmal war es ein so geplantes und für die Ordnungskräfte kaum bedenkliches. Fünf Berner Kulturkollektive hatten sich auf dem Vorplatz breitgemacht zu einem Rendez-Vous der etwas anderen Art. Es sollte ein Statement ebenso sein wie eine Chance zur Vernetzung und überhaupt einfach des Sichzeigens. Und so war es ein kunterbuntes, ziemlich promuiskes Techtelmechtel, mit Konzertbühne, mit einer Schulecke, mit Videospielen und Raclette.

vorplatz

Und der Vorplatz der Reitschule könnte nicht passender sein für ein solches Rendez-Vous. Der grösste Berner Freiraum wird ja schon lange ganz zwanglos okkupiert, und dass das gar nicht immer explizit politisch gemeint ist von den Anwesenden, ist wohl nicht nur verkehrt. Freiheiten muss man sich nehmen, die geschenkten sind für nichts.

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Auf der Suche nach Gotten und Göttis

Christian Zellweger am Dienstag den 13. August 2013

Wer an einem geruhsamen Abend zum letzten Gin Tonic den Kreissaal ansteuert, kreuzte früher die Räumlichkeiten Apps-With-Love-Macher. Die Codezeilen-Tüftler sind schon länger in die Lorraine weitergezogen, in ihrem ehemaligen Domizil an der Grabenpromenade macht sich aber, offenbar mit Beteiligung der alten Hausherren, langsam wieder Leben breit.

«Der Hauptsitz» nennt sich das Projekt, das sich aktuell noch etwas kryptisch gibt. Auf Facebook und Twitter ist aber schon rege Aktivität auszumachen.

Gesucht sind 100 Göttis und Gotten, welchen den Hauptsitz-Betrieb finanzieren. Als Gegenleistung erhalten sie einen Raum zur Nutzung in dem man, neben «arbeiten, warten, lesen, treffen, reden», sein Natel aufladen, Gameboy oder Lego spielen kann.

Losgehen soll es am 20. August. Am 5. September wird die Eröffnung gefeiert, mit dem ersten «Kultur Blind Date», das fortan immer am ersten Donnerstag im Monat stattfinden soll. Ein Anlass, der geheim hält, was auf die Bühne kommt, aber Platz bieten soll für «Kultur, die sonst wenig Platz bekommt im Berner Kulturprogramm.»
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Update: Wie das genau funktioniert und was es kostet, hier auf Facebook

Was gegossen wird, wächst

Miko Hucko am Freitag den 9. August 2013

Das Buskers Bern begleitet mich nun schon seit zehn Jahren auf meinem Lebensweg, ich bin gewachsen vom grölenden Teenager mit Dosenbier zur pöbelnden Mittzwanzigerin mit Flaschenbier. Das Strassenmusikfestival hingegen hat sich vom chaotisch-charmanten Kleinanlass in ein regelrechtes Volksfest verwandelt. Hut ab und rein mit dem Geld!

Geld ausgeben lässt es sich mittlerweile ganz gut auch abseits der Kollekte und des hübschen Bändelis (dieses Jahr in JubiläumsSchwarzGold), nicht nur an den zahlreichen Verpflegungsständen, sondern auch auf dem Bizaar. Am liebsten werfe ich da meine Münzen in die Drama-Jukebox von Projekt 210: Für zwei Fränkli wird einem eine Szene aus einem wählbaren Drama gespielt, gegen einen kleinen Aufpreis (unbedingt machen!) darf eine Improvisation dazu gewünscht werden. Erkennen Sie die Szene auf dem Bild? Kleiner Tipp, die Langeweile ist Programm bei diesem Stück.

Der Regen hat natürlich die hart gesottenen Bernerinnen und Berner nicht wirklich davon abhalten können, das Buskers zu besuchen. Aber wenigstens hat er die Reihen so ausgedünnt, dass ich zum ersten Mal seit Jahren auch mal was sehen konnte, statt nur zu hören! Und was es da zu sehen gab, hat mich schlicht umgehauen. Residual Gurus heissen die vier Mannen, die im Anzug Faxen machen, auf Müllinstrumenten Rhythmen spielen und obendrein was theäterlen, die können sogar eine Wiese entstehen lassen in den Pflastersteinen! Und so sieht das in etwa aus:

Natürlich gibt es noch viel mehr Lautes, Buntes und Spektakuläres zu sehen, wie jedes Jahr, diesmal sogar mit einer Geburtstagstorte. Und natürlich wird ganz Bern hingehen und versuchen, einen Blick zu erhaschen auf die Strassenkünstlerinnen aus aller Welt. Das Buskers hat sich in den wenigen Jahren seit seiner Geburt zu einer Berner Insitution gemausert, die sich nicht mehr vom Sommer wegdenken lässt. Und tritt jetzt in das Teenageralter ein: Wenn das mal kein Spass wird.

Wien schwitzt

Roland Fischer am Mittwoch den 7. August 2013

Es ist heiss in Wien, so heiss dass die Stadt beinahe ein wenig lahmgelegt ist. Die Wiener (und die Stippvisiteure) helfen sich auf ihre Weise: Sie setzen sich in die mit Ventilatoren ausstaffierten Kaffeehäuser und lesen Zeitung. Und da fällt dann folgendes Bild ins Auge, in der New York Times:

Der Zytglogge-Zifferblatt als Symbol der Tag- und Nacht-Zeitläufte! Bern als visueller Nabel der Welt! Wenn das mal keine passende Einstimmung aufs morgen beginnende Buskers ist.

Im Text zum Bild geht es übrigens um Mondphasen und wie sie auf den Schlaf wirken. Ein Zusammenhang ist nun wissenschaftlich erwiesen, und zwar von Basler Forschern. Ob sie wohl das Schweizer Zifferblatt mitgeliefert haben in der Pressemitteilung?

Vor exakt hundert Jahren übrigens mussten es ähnliche, wenn auch nicht ganz so heisse Tage gewesen sein hier: «Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.»
Es sind die ersten Sätze aus Musils Mann ohne Eigenschaften.

Ein Festivalgelände mitten im Quartier

Roland Fischer am Samstag den 20. Juli 2013

Täuscht das oder wird es auch immer grösser, das Gartenfestival? Viele Leute bei den Konzerten hinter dem Haus, noch mehr Leute vorne auf der Strasse, zu viele Leute später unten im Keller – ein Gewühl und ein Gewusel. Zum Glück haben sich die Organisatoren dieses Jahr zum ersten Mal die Mühe gemacht, einen Plan zu zeichnen, damit man sich zurechtzufindet im unüberschaubaren Festivalgelände.

Keinen Plan hatte der KSB-Berichterstatter – und darum hat er dann auch elegant das erste Konzert des Abends verpasst. Ein Jammer, fand die pflichtbewusstere Frau Feuz, Nick Porsche & Band hätten bestens als zweiter Act funktioniert – ein filmmusikalisch wunderbares Set hätten die abgeliefert (erinnere ich mich richtig an die Worte? – es folgten dann noch einige alkoholische Getränke). Zusammen gesehen wurden dann die Concrete Knives aus Frankreich, und die spielten ihren schön aufgerauhten Pop vielleicht ein wenig zu gut. Ein paar Tauchgänge in grössere Seelentiefen hätten da nicht geschadet – und dass das Gartenpublikum keine Mitmach- und Singspiele mag, hätten die charmante Truppe dann auch mal merken können. Aber egal, die gute Laune verdarb das keineswegs. Sehr schön wieder mal, diese lau(t)e Festivalnacht im Quartier – auf ein zweites, heute abend!

Festwirtschaften allenthalben?

Roland Fischer am Donnerstag den 11. Juli 2013

Man darf sich freuen auf die Eröffnung der Serini-Bar heute abend, gestern gab’s schon mal einen Augenschein für die Nachbarschaft. Allerdings: Es ist ein weiteres unrühmliches Kapitel im Berner Ruhe und Ordnungsstreit, die vorübergehende Bewirtschaftung der Ex-Garage in der Lorraine. Seit Monaten haben die Betreiber Konzepte erwogen und nach Rücksprache mit den Behörden wieder verworfen, und als die Bewilligung vor ein paar Tagen dann doch noch eintrudelte lag sie erst einmal ein wenig im Briefkasten rum, so wenig wurde sie da noch erwartet. Kein Restaurantbetrieb, keine Konzerte (die Jazzwerkstatt hätte hier einen Raum zum Werken finden sollen), keinesfalls Betrieb draussen nach 22 Uhr. Eine Festwirtschaftsbewilligung, das ist alles was die Stadt derzeit an unkonventioneller Problemlösung in Sachen Freiräume und Zwischennutzungen anzubieten hat. Dreimonatige Festwirtschaften allenthalben? So meinten wir das eigentlich nicht.

Will das diese Stadt, dass so gut wie keine spontanen Initiativen möglich sind, Belebungen toter Ecken? Auf offizielle Weise lässt sich solches derzeit nämlich fast nicht bewerkstelligen, dafür ist der Gang durch den Paragrafendschungel viel zu mühsam – und teuer. Machen lässt sich das höchstens – wenn man als Gesuchssteller gute Nerven und einen Sinn für Schildbürgereien hat – für drei kurze Monate. Und dann ist aber Schluss! Auch wenn die Liegenschaft danach womöglich noch lange leersteht.

Ein Sommerabend in der Lorraine

Roland Fischer am Sonntag den 7. Juli 2013

Der grosse Trubel, das war vor zwei Wochen. Aber auch gestern abend liess sich bestens von Bar zu Bar durch die Lorraine streunen – und dabei allerlei Neues entdecken.

Angefangen am Talweg, wo die Soon-Jungs endlich wieder mal die Bar auftun durften, anlässlich der aktuellen Ausstellungseröffnung. Das Treiben fand dann vor allem vor statt in der Galerie statt, aber das ist auch ein sehr schönes Plätzchen, wenn die Sonne über dem Bahnviadukt untergeht.

Weiter ging’s zur Pneu-Bar, dem Lokal mit der am weitesten offen stehenden Tür der Stadt. Drinks und Kunst auch hier. Eine sehr schöne Bar haben die HKB-Ypsilonerin Yeboaa Ofosu und der Galerist Michael Krethlow da innert Kürze in den Garagenraum gezaubert – leider nur für drei Monate, vorerst.

Ausklingen liess man den Abend dann gleich um die Ecke, auf dem eigentlichen Serini-Gelände. Dort wird schon mal zwischen-zwischengenutzt, bevor eine weitere Bar eröffnet wird – demnächst, wie man hört und ebenfalls auf Zeit, weil das ganze Areal bald abgerissen werden soll. Gestern hat die Tanzcompagnie DeRothfils zur Filmpremiere von White Elefant geladen, nachdem die hintersinnige weil ebenso manierliche wie dreiste Performance schon den ganzen Nachmittag durch die Berner Innenstadt gezogen war.