Logo

Mit Kevin auf Augenhöhe

Urs Rihs am Donnerstag den 17. November 2016

Am Dienstag war Marathonstart, im BadBonn in Düdingen, mit Kevin Morby und seiner Band. Sonst Bassist bei den Woods, früher Frontmann der Babies, seit 2013 unter eigenem Namen unterwegs. Folk, Roots, Americana, soviel zum Setting. Wir waren da und es war wunderschön.

Wir meint Martin, den Ragnar und ich. Und ja Ragnar, so wie der Wikinger, er verdient den Namen, glaubt mir und zu einer Folk-Rock Show macht sich das natürlich gut. Der Duktus ist an diesem kalten Dienstagabend sowieso sehr skandinavisch. Bärte, Wolle, Leder, alles sehr fransig und kuschelig. So sind die Leute auch drauf – anschmiegsam – es scheint als müsste was an Seelenwärme kompensiert werden. Kein Wunder nach den letzten Wochen.
Eröffnet wird der Abend im BadBonn von Meg Baird, so elfenhafter Wald-Folk-Gesang. Harter Tobak für uns drei Jungs, die auf der Hinfahrt von Bern im Fiat die strengen Sachen verhandelt hatten. Die schwarzen Teufel halt; Depression, Trennung, den Herbstblues und naja, eben, wir stiegen schon etwas gebeutelt aus der Kiste. Die gute Baird, nichts für ungut, ist uns da einfach ein bisschen zu Haight-Ashbury-hippiemässig…
Martin erzählt, dass er Meg letztes Jahr nach einem Morby Konzert im Wallis kennengelernt habe. Angesprochen hatte er sie, weil ihm ihr Geruch aufgefallen war. Oregano und Majoran oder so – ich versteh nur Bahnhof – er aber voll im Ernst weiter: «Es gibt da so ein mexikanisches Ritual. Temezcal – dabei reibt sich geneigter Geist mit ätherischen Kräuterölen ein und schwitz dann das Zeug in einer Dampfhütte wieder raus, wirkt kathartisch.»

Nun denn, jedem Tierchen sein Pläsierchen, aber genug vom Kräutertalk jetzt und ab in die erste Reihe. Schliesslich wollen wir was mitbekommen, das Haus ist mittlerweile proppenvoll.
Die Band kommt auf die Bühne; Morby ganz auf Western getrimmt, mit Bolotie um den Jeansjackenkragen, der Rest der Truppe in ausgebeultem Secondhand Outfit. Die Grenze zwischen Band und Publikum hebt sich somit modisch quasi auf. Im ohnehin intimen Raum, mit seiner tiefen und kleinen Bühne, erzeugt dies von Anfang eine sehr vertrauliche Atmosphäre. Auf Tuchfühlung mit der Truppe wird dann auch schnell klar, hier geht es ums Echte. Keine Show, sondern authentische Gefühle, kein doppelter Boden, sondern Ehrlichkeit. Wenn Morby seine Lieder singt, dann ist er auf gleicher Ebene wie seine Zuhörer – vor allem im BadBonn – mit Kevin ist man auf Augenhöhe.
Zwischen zwei Nummern ruft Martin der Band zu: «It’s so good to have you!» Morby zurück: «It’s so good to be here!»
Hinter mir raucht der Ragnar selbstgedrehte Zigaretten und füllt den Raum mit der Idee von Prärie. Das passt und ich bin froh, wir sind froh. Das Konzert dauert eine gute Stunde und genausolang bleibt auch der Blues vor der Tür, hat höchstens ein, zwei Cameo-Auftritte auf der Bühne – da wo er hingehört.

Auf der Rückfahrt verhandeln wir dann die schönen Sachen, sprechen über Musik und die Wirkung von Konzerten. Im Fiat scheppern die Boxen und wir sind uns schnell einig; solche Ausflüge sind Seelenklempnerei à la D.I.Y.

img_1926

Unterwegs ist Kevin Morby und seine Band mit ihrem dritten Album «Singing Saw», 2016 erschienen auf  dem Label «Dead Oceans».

 

« Zur Übersicht

3 Kommentare zu “Mit Kevin auf Augenhöhe”

  1. Dienstbier sagt:

    Sehr schön formuliert! Ich danke Ihnen und komme gerne nochmals mit.

  2. Florian Keller sagt:

    “Im Fiat scheppern die Boxen […]”

    Nach einer Liveshow im Auto noch Musik zu hören ist doch wie nach dem Sex noch Pornos reinzuziehen.

  3. der Urs sagt:

    Kommen Sie lieber mal wieder ins Restaurant unter der Brücke. Mit ihrer Jassrunde Herr Keller – die fehlt da nämlich seit geraumer Zeit – Sie alter Puristenschnöder Sie…