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Was ist denn das für 1 Talkshow?

Roland Fischer am Freitag den 7. Oktober 2016

«Ich bin das Chaos» soll die nächste Soloplatte von Judith Holofernes heissen, verriet die Ex-Heldin gestern abend aus Anlass der Gegenaufklärung. Worauf Jürg Halter erwiderte, dass das doch eigentlich sein Favorit gewesen wäre und er sich also nun nach einem anderen Titel umsehen müsse, denn er sei, nun ja, eben auch das Chaos.

Wohl wahr. Es war ein Chaos auf der Kubus-Bühne, aber leider ein allzu kalkuliertes. Wenn man das ganze als Anti-Talkshow anpreist und der Gastgeber dann jede sich gerade bietende Möglichkeit nutzt, um ein wenig Sand in das (mit zwei altgedienten Bühnenprofis als Gäste doch eigentlich bestens geschmierte) Getriebe zu streuen, dann beginnt man sich rasch ein wenig zu langweilen ob der Durchsichtigkeit des Vorhabens. Es kommt ein wenig Intimität auf, als sich Stephan Eicher ans Klavier setzt? Für ein paar Momente zulassen und dann aber bald mal Störgeräusche senden. Ein Gespräch bahnt sich an, in dem sogar Persönliches zur Sprache kommt? Rasch eine Langweil-Frage gestellt, im sehr Gelangweilt-Gestus. Es wird charmant, amüsant sogar? Rasch hineingegrätscht. Soll ja niemand sagen, dass man hier schöne Momente einfach gewähren lässt.

gegenaufklärung

Und es ist seltsam, je unbeholfener dieser Showhost agiert, desto mehr scheint ihm sein Publikum zu folgen, je öfter es in Verlegenheit kommt (lachen, mitklatschen, stillschweigen, singen?), desto bereitwilliger macht es das Spiel mit. Man könnte es den Trump-Effekt nennen: je weniger das nach Politik aussieht, desto besser kommt es bei den Wählern an. Gleiches gilt offenbar für das Bühnenmysterium Halter: je schlechter er moderiert, desto mehr nimmt ihm das Publikum den Moderator ab. Das wäre ja an sich nicht uninteressant. Dass ein solches Anti-Konzept am Ende dann aber doch ganz widerspruchsfrei zur lockeren Donnerstagabend-Unterhaltung taugt: Das ist eigentlich das Schlimmste was ihm passieren kann.

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2 Kommentare zu “Was ist denn das für 1 Talkshow?”

  1. Rita sagt:

    Bravo, Herr Fischer! Endlich sagt’s mal einer! Jetzt reicht es! Herr Halter ist eine Gefahr für Berner Kulturfrieden!

  2. Tomskybeat sagt:

    Eins ist sicher, von Jürg Halter mag mann/frau halten, was mann/frau will. Stefan Eicher jedoch vermag zu berühren. Gerade die im Berner Dialekt verfassten Lieder versprühen derart Nähe und Intimität, dass ich mir einen ganzenAbend davon herbei sehne. Dieser Abend hingegen, mag mich insgesamt nicht zu erreichen, hinterlässt den Wunsch in mir, mich niemals mehr Jürg Halter und seinen Ideen bzw. Umsetzung mehr auszusetzen – sollte selbst Stefan Eicher dabei zugegen sein.