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Fontänen und Pissoirs

Miko Hucko am Donnerstag den 11. Februar 2016

Dada-Jubiläum wird ja kräftig gefeiert dieses Jahr, weil, hey, weltbedeutende Kunst, die auch ein bisschen aus der Schweiz stammt gibt’s ja nicht alle Tage. Alle Tage passiert es hingegen, dass Kunstwerke falsch zugeschrieben werden oder sofort einen höheren Wert und andere Einschätzung erhalten, wenn der Künstler (sic) sich zu erkennen gibt: als Mann, als Europäer, undsoweitersiekönnenessichdenken.

So ist es nicht weiter erstaunlich, dass ein Urwerk des Dada, Marcel Duchamps Pissoir, wahrscheinlich eher von einer Frau stammt. Auf einmal hat das vermeintlich Dadaistische dann doch eine Bedeutung, wenn eine Frau ein Pissoir als Readymade hinstellt und mit R. Mutt, einem männlichen Pseudonym, unterschreibt. Item.

Elsa von Freytag-Loringhoven heisst die Dame. Nur damit Sie sie nicht wieder vergessen in all der Feierei und dem Lobgehudele. Und für den Bernbezug: Haben Sie sich nicht auch schon immer gefragt, warum es eigentlich an der Zytglogge, Berns Wahrzeichen ein Pissoir hat? Könnte Dada sein. Oder Kritik am Tourismus und am Weltkulturerbe, dem sandsteingeschützten Denkmal, äh.

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2 Kommentare zu “Fontänen und Pissoirs”

  1. Fischer sagt:

    man darf streiten:

    I must admit, I would love this story to be true. Elsa von Freytag-Loringhoven is one of the most captivating personas in 20th century art. Perhaps more than any one, she made her own life into an artwork–she became the living spirit of dada. She also spoke frankly about sex, and openly subverted the demure gender roles that remained from Prussian and Victorian times. She was a pioneer of performance and provocation (there’s a great book on this theme by Amelia Jones). Still, I don’t think she can be credited with Fountain.

    http://www.artbouillon.com/2014/11/pilfered-pissoire-response-to.html

  2. Fischer sagt:

    auf jeden fall sehr richtig:

    But all of that counts for nothing in a culture that assumes risk, success and the avant-garde to be a male preserve. That assumes only a man can throw off the shackles of social expectation to present something unsavoury as a piece of art. That allows men to slide into the limelight while the women work away in the shadows.

    http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/nov/07/duchamp-elsa-freytag-loringhoven-urinal-sexual-politics-art