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(_)park – ein Nachtrag

Miko Hucko am Donnerstag den 6. August 2015

Schon des Öfteren habe ich Diskussionen mit Kollege F. darüber geführt, ob jetzt die Sprache eine Macht an sich hat. Für mich hat sie eine, und für das Worms Kollektiv wahrscheinlich auch – sonst hätten sie nicht dafür entschieden, den ganzen Juli lang einen Park zu entnennen, um sich dann mit dessen Grenzen, Geschichte und Zukunft auseinanderzusetzen. Und natürlich der Macht, die darin innewohnt.

Dass ich jetzt, nachdem die ganze Chose vorbei ist, darüber schreibe, hat vor allem damit zu tun, dass ich nicht dort war. Und mich erst jetzt damit beschäftige – was sehr schade ist, und gerade auch den Knackpunkt des ambitionierten Projektes ausstellt:

Im Laufe des Performanceprojekts entsteht ein kollektiver Text, der sich mittels Skulptur,
(Sprach)Performances, öffentlichen Gesprächen und Printmedien (Plakate, Flyer, Infoblätter)
ausformuliert.(…)Der kollektive Text schreibt sich über 5 Wochen fort und in die Geschichte der Stadt Bern ein.

worms gemütlich im Kocherpark

worms gemütlich im Kocherpark

Bloss: Wie schreibt mensch sich in die Geschichte einer Stadt ein, wenn die Stadt nichts davon weiss, weil ihr Schwarmhirn auf Sommerloch eingestellt ist? Also habe ich beschlossen, dieses Einschreiben vorzunehmen und in einen Kontext zu setzen, der zugleich die Problematik aufnimmt.

Es scheint hier in Bern viele Menschen zu geben, ob Künstlerinnen oder Aktivisten, die sich einem linken Gedankengut verpflichtet fühlen in dem Sinne, dass sie immer wieder versuchen, eine Kritik an den herrschenden Verhältnissen auszuüben. Das geschieht natürlich auf verschiedene Arten – als zweitägiges Festival auf der Schützenmatte, als einmonatiges Festival in der grossen Halle, als Strassenaktion, als alternative Wohngemeinschaft, als Party, als Blog, Ausstellung, Theaterstück, oder eben als künstlerische Besetzung des Kocherparks.

Und diese Vielfalt, die ist super. Die führt dazu, dass ich mich trotz Provinzialität fast täglich zwischen mehreren tollen Veranstaltungen entscheiden muss / darf. Führt diese Vielfalt denn automatisch in einen Konkurrenzkampf um Publikum? Gibt es eine Berührungsangst zwischen den Künstler_innen und den Aktivist_innen, oder gar eine geheime Feindschaft?

Ich habe leider nur Fragen, keine Antworten. Aber kann auch sagen: Der 1. August wurde im Kocherpark so beworben:

Der Nationalfeiertag ist für uns ein willkommener Anlass einen anti-rassistischen Tag einzulegen und im _park eine Zeitreise zu unternehmen – in die andere Berner Vergangenheit und eine Zukunft ohne Nationalstaat.

Kommt mir irgendwie bekannt vor. Wäre doch schön, wenn über Szenegrenzen hinaus Synergien gebildet würden. Nicht nur in, sondern für diese Zukunft.

 

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Ein Kommentar zu “(_)park – ein Nachtrag”

  1. Wir schreiben uns weiter ein. In die Bibliotheken und Archive der Stadt Bern, in die Strassen, Wälder, Plätze, Parks sowie die sprachlichen, medialen und ökonomischen Vernetzungen darüber hinaus und natürlich ins Netz (u.a. auf unserer Seite http://www.wormsartistcollective.com). Bis ganz bald, herzliche Grüsse und vielen Dank an alle, die “mitgeschrieben” haben. KünstlerInnengruppe WORMS