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Ein Abfallkübel sein

Roland Fischer am Donnerstag den 27. Oktober 2011

Gestern bei Storm und Störmer im Kairo gabs reihenweise seltsame Tipps und Anweisungen zum guten Leben – schlechte Sachbücher waren auf dem Programm, und da sind die Skurrilitäten selbstverständlich Legion. Ein Beispiel nur aus der Fiat-Lux-Fibel «Der Weg», einem Buch voller Maximen für ein gottfürchtiges Leben: «Lebe demütig und sei dir immer bewusst: Du bist ein Abfallkübel.» (frei zitiert, aber der Abfallkübel stimmt).

Dann weiter in den Dachstock, wo der Spoken-Word-Hohepriester Saul Williams seine ganz eigene musikalische Predigt zum Besten gab. Zum Abfallkübel hatte Williams auch was zu sagen: «And I feel bad, I feel bad, I feel conquered, I feel sad» sang er (aus «Triumph» vom neuen Album «Volcanic Sunlight»), aber nicht in Büsserpose, sondern als regelrechte Party-Hookline, als Mitsingrefrain, dass es eine Freude war.

Überhaupt, es war ein Bastard von einem Konzert, da wurde immer wieder in Seelengründen gewühlt, um im nächsten Moment die Oberflächlichkeit des Pop glitzern zu lassen. Auch die Band war launig zusammengestellt, eine gute alte Schlagzeuger-Saiten-Flanke und auf der anderen Seite zwei Männer an allerlei elektronischen Gerätschaften, die locker ein weites Soundspektrum von brachialem Industrial bis lustigem Disco-Funk abzudecken vermochten.

Im besten Fall entwickelte das eine ungeheure perkussive Wucht, die von Williams Sprechgesang nur noch mehr angetrieben wurde. Manchmal aber war es auch ein wenig allzu breitgetretener Lärm – von Bombast bis Morast war da alles vertreten. Getragen wurde alles von Williams vielgestaltiger Stimme, die die letzte Zugabe dann noch solo gab, mit einer rhythmisch-eindringlichen Geschichte, die wieder beides in einem war, Feier und Anklage, Tiefschlag und Hochgefühl.

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