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Blocher erschlug Hildebrand mit der Moralkeule

Hugo Stamm am Dienstag den 17. Januar 2012
Christoph Blocher

Dirigiert den Chor der Moralapostel: Christoph Blocher im Januar 2012. (Bild: Keystone)

Der Moralbegriff unterliegt immer wieder Zeittrends. Religiöse Kreise reklamieren für sich gern die Deutungshoheit für Moral und Ethik. Deshalb haftet der Moralvorstellung oft ein schaler Beigeschmack an. Die Hüter der Moral werden häufig als prüde Moralisten gesehen, die mit ihren moralinsauren Ansprüchen eine Doppelmoral kreieren.

Intellektuelle Kreise haben im Zug der Aufklärung und Säkularisierung ein Gegengewicht zur Zeigefinger-Fraktion geschaffen. Doch das Pendel schlägt wieder zurück, was unter anderem mit den fundamentalistischen Tendenzen in verschiedenen Lebensbereichen zu tun hat. Dies lässt sich am Beispiel des Falls Hildebrand exemplarisch aufzeigen. Die verbissen geführte Diskussion, die kampagnenartige Hetzjagd und die einseitige Fokussierung auf moralische Argumente machen deutlich, dass Moral als politisches Kampfmittel eine Renaissance feiert.

Es ist keine Frage, dass Philipp Hildebrand mit den Devisenkäufen – auch wenn sie von seiner Frau getätigt worden sind – unsensibel gehandelt und Fehler begangen hat. Es ist aber weitgehend erstellt, dass er kein Reglement verletzt und kein Gesetz übertreten hat. Die moralische Empörung der SVP darüber hat alle andern Parteien und Politiker derart unter Druck gesetzt, dass sie sich gezwungen sahen, in den Chor der Moralapostel einzustimmen und Hildebrand fallen zu lassen. So hat die Moral jedes politische Kalkül totgeschlagen – zum Schaden der Nationalbank, zum Schaden der Schweiz.

Ich bin kein Finanzexperte, doch selbst die «Feinde» Hildebrands billigen ihm zu, dass er ein hervorragender Nationalbanker war. Er hat bei der Diskussion um die «Too big to fail»-Debatte ein gutes Konzept ausgearbeitet, selbst gegen den Willen der Grossbanken. Ausserdem hat er den Angriff auf den Schweizer Franken erfolgreich abgewehrt. Sein Beziehungsnetz ist ausgezeichnet, Hildebrand war bei seinen Kollegen im Ausland beliebt, sein Einfluss war gross. Er spielte auch eine wichtige Rolle beim Bankenstreit. In moralischer Blindheit hat man den Mann geopfert, der sich in den letzten Jahren grosse Verdienste zum Wohl der Schweiz erworben hat. Das ist selbstzerstörerisch.

Hildebrand hat mit dem Dollarkauf 75’000 Franken Gewinn gemacht. Für einen mehrfachen Millionär ist das vergleichsweise wenig Geld. Von gewinnsüchtiger Spekulation zu sprechen, ist vermessen. Hildebrand hat den Fehler auch erkannt und den Gewinn gespendet. Deshalb wiegt sein moralisches Verschulden nicht allzu schwer.

Besonders störend am Fall ist, dass vor allem jene Politiker und Medien die Moralkeule schwingen, denen selbst der Ruch der Doppelmoral anhaftet. Christoph Blocher wollte die Nationalbank seit seiner Abwahl als Bundesrat – teilweise auch schon früher – an die Kandare nehmen, er attackierte Hildebrand auf hanebüchene Weise. Da seine Taktik durchschaut wurde, machte er sich lächerlich. Deshalb schlugen er und die SVP umso heftiger mit der Moralkeule zurück, als ihnen die Kontoauszüge Hildebrands zugespielt wurden.

Doch wie agieren die Moralapostel ihrerseits in ihrer politischen Arbeit? Wie halten sie es mit dem moralischen Anspruch, den sie Hildebrand angelegt haben?

Christoph Blocher ist nach wie vor der starke Mann in der SVP. Er gibt in jeder Beziehung den Ton an und verlangt von seinen Parteifunktionären und Politikern eine klare Unterordnung unter seine Doktrin und einen grossen Einsatz für die Partei. Wer Kritik wagt oder die Parteivorgaben nicht erfüllt, wird gemassregelt oder zurückgestuft. Alle internen Versuche – zum Beispiel der starken Berner Kantonalpartei -, die fast diktatorische Zürcher Parteitaktik aufzuweichen, wurden abgewürgt. Diese Politik ist hinlänglich bekannt.

Diese Parteiraison ist moralisch bedenklich. Viele SVP-Politiker sind gezwungen, an Parteitagen oder bei Abstimmungen in den Parlamenten nach der Doktrin von Blocher zu stimmen – teilweise gegen ihre Überzeugung. Wagen sie es trotzdem, gefährden sie ihre politische Karriere. Dagegen ist der Fehltritt von Hildebrand aus moralischer Sicht harmlos.

Wie es Blocher selbst mit der Moral hält, hat sich beim Deal mit der «Basler Zeitung» gezeigt. Er war der Strippenzieher im Hintergrund und der Geldgeber, was er lange abstritt. Es spricht vieles dafür, dass er die Öffentlichkeit angelogen hat. Dass er nun seine Tochter vorschiebt, um sich reinzuwaschen, zeigt nur wieder seine Doppelmoral. Seine Absicht ist klar: Er will die Meinung der Öffentlichkeit direkt über angeblich unabhängige Medien beeinflussen. Ein Vorgang, der an diktatorische Regimes – oder an Berlusconi – erinnert. Dass sich ausgerechnet Blocher als Moralhüter aufspielt, ist geradezu verwegen.

Helfershelfer von Blocher und der SVP ist «Weltwoche», die im Fall Hildebrand den moralischen Zweihänder ausgepackt hat. Doch wie hält es das Wochenblatt selbst mit der Moral? In einer pluralistischen Demokratie kann man davon ausgehen, dass die Besitzverhältnisse von Medien, die die öffentliche Meinung prägen, offengelegt werden. Roger Köppel, Besitzer, Verleger und Chefredaktor, weigert sich aber. Was hat er zu verbergen?

Sicher ist, dass Köppel selber nicht genug Geld hatte, um die «Weltwoche» zu kaufen. Irgendjemand hat sie ihm weitgehend geschenkt. Das kann nur eine Person sein, die eine Absicht verfolgt. Wenn man sieht, dass die «Weltwoche» oft wie ein Sprachrohr der SVP funktioniert, und wenn man sieht, wie Blocher die «Basler Zeitung» gekauft hat, bestehen kaum mehr Zweifel, wer zu den Geldgebern gehört.

Apropos Moral: Die SVP hat jahrelang das unmoralische Bankgeheimnis bei Steuerhinterziehung verteidigt, als hienge die Existenz der Schweiz davon ab. (Heute schweigt sie vornehm dazu.) Blocher und die SVP haben vehement die Überbringer der Bankdaten an die deutschen Steuerfahnder verurteilt – und nun selbst mit gestohlenen Bankdaten operiert. Und SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger hat ein Strafverfahren am Hals, weil er angeblich 250’000 Franken veruntreut hat. Eine Verfehlung, die weit schwerer wiegt als das Devisengeschäft der Hildebrands. Doch Zuppiger ist immer noch im Amt. Das nur zur Frage der Doppelmoral der SVP. Bedenklich ist dabei, dass alle Parteien und die meisten Politiker unter dem Trommelfeuer von Blocher eingeknickt sind.

Kurz: Die Mächtigen bestimmen den Moralkodex und nutzen ihn, um fragwürdige Ziele zu erreichen. Waren dies früher in erster Linie die Kirchen, verwenden heute zunehmend Politiker dieses Instrument, um ihre Machtansprüche durchzusetzen.

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1.322 Kommentare zu “Blocher erschlug Hildebrand mit der Moralkeule”

  1. Allegra sagt:

    @Anna

    Es war nicht meine Absicht, sie weiter zu verärgern. Leider würde jeder Versuch dieses Missverständnis zu klären, alles wie üblich noch viel schlimmer machen. Ich lasse es deshalb bleiben.

  2. news sagt:

    @ anna

    Zumal moria eine freidenkende Atheistin ist die eigentlich Allegra’s Ansichten nicht teilen dürfte. Islam ist nunmal eine Religion, die in den Alltag der Gläubigen übergreift, wie das Christentum in seiner schrecklichsten Zeit es war. Der Islam blickt auf eine schreckliche blutige Vergangenheit zurück und die bekannten Terrorakte zeugen davon, dass sich da nicht eben viel geändert hat. Schaffen wir alle Religionen ab, ehe wir sowas wie dem Islam viel zu liberal begegnen. Da liegt schon ein kleiner Unterschied. Mit Moria kann man sich mal “zoffen”, allegra ist dazu schon gar nicht fähig, sie wiederholt sich wie eine Grammophonplatte mit einem Sprung.

  3. news sagt:

    @ edi brugger

    Mit Ihnen würde ich die Zustimmung zum Bau der Moschee in Bern-West als völlig falsch erachten. Frau Keller-Messahli ist eine aufgeschlossene moderne Frau. Die Salafisten hingegen gehören zu den rückständigsten Rückständler des Islam und sie sind es, die da bauen wollen. Die Frauen jener Quartiere haben bestimmt längst ausreichend genug unschöne Bekanntschaft mit Islam und können daraug sehr gut verzichten. Wobei Bekanntschaft mit Muslimen im wirklichen Sinne ja gar nicht möglich ist, da sie uns sehr konkret – und für mich sehr primitiv – verachten.
    Wie gut, hat um musad nochmal darauf hingewiesen, nein, ich bin zu 100% gegen so ein projekt.

    Hier noch ein vielsagender link:

    http://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=the%20third%20jihad%3A%20radical%20…%22&source=web&cd=4&ved=0CEsQtwIwAw&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3Dj3BGwQr8xg4&ei=H-40T7S2GIP0-gaJiYWXAg&usg=AFQjCNGmm3ChkXTVwIYgSXX5EXi6hhpTvg&cad=rja

  4. Anna sagt:

    @ Allegra

    Sie haben mir wenige Tage nach den Morden in Norwegen geschrieben, Sie wollten nicht mehr mit mir zu tun haben und ich solle alle Ihre Mails löschen und Sie aus meinem Adressbuch entfernen, weil ich “rechtes Mainstream Gedankengut vertrete” und “offensichtlich in diesen Kreisen verkehre”.

    Ich bin immer davon ausgegangen, dass ein Missverständnis vorliegt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie mich wirklich für rechts-irgendwas halten – (was auch immer Sie damit meinen – es muss etwas sehr Schlimmes, wenn Sie deshalb Angst haben, in meinem Addressbuch vorzukommen).

    Es ist in der Tat schwer, Missverständnisse zu klären. Selbst als Sei noch direkt mit mir “sprachen”, habe ich nie verstanden, was Sie an meinem Vorschlag, Sie könnten mit einer anderen Bloggerin einen Kaffee trinken, so verärgert hat.

    Mir ist es wurscht, ob Sie mich für rechts-extrem/radikal/populistisch oder was auch immer halten. Das Leben ist zu kurz für so komplizierte “Beziehungen”.

    Also lassen wir die Missverständnis (falls es wirklich welche sind) unaufgeklärt.

    Was nicht angeht ist, dass Sie – im Blog und ausserhalb – solche Verdächtigungen und Beschuldigungen verbreiten und mich damit in die Nähe von Breivik rücken. Vielleicht ist Ihnen das nicht bewusst, aber das ist ein sehr schwerer Vorwurf, gerade in der heutigen Zeit.

    Deshalb noch einmal: Lassen Sie in Zukunft die Beschuldigungen und Verdächtigungen weg.

  5. Anna sagt:

    @ news

    Sind Sie wirklich Lisa?

  6. Haddy sagt:

    Wenn wir endlich verstehen das es eine einheit gibt von materie und bewusstsein,wenn wir endlich unsere platz in diesem gebilde verstehen,verstehen wir was wir uns gegenseitig eigentlich antun und warum unser verhalten so absurd ist.. Wir verstehen das das alles ein bumerangeffekt hervorruft und wieder bei uns zurückkommt . Es gibt sehr viele instanzen die dieses wissen probieren in diskredit zu bringen.

    Ich verstehe der trieb die atheisten antreibt um die einheitsgedanke zu zerstören. Die zerstörung der einheitsgedanke dient nur dazu die ungeschriebene gesetze die aus dieser einheit resultieren umgehen zu können. Für eigener materialistischer profit.

  7. news sagt:

    @ anna

    Natürlich nicht. Es ist bloss Allegra die das hier so überzeugt verkündet. Ich bin nicht Lisa.

  8. @ Lisa sagt:

    Nein, Sie sind Erna.
    😉

  9. news sagt:

    @ anna

    Allegra funktioniert wie aysha. Es dürfen alle eine freie Meinung äussern wenn dieselbe derjenigen Ayshens und Allegrens vollumfänglich entspricht.

    @ @ Lisa

    Warum glauben Sie das? Sind Sie ein Hacker?

  10. aysha sagt:

    @news

    kunststück! ich bin eben allegra!

    und sie? wer sind sie auch noch?

    aysha

  11. Allegra sagt:

    @Aysha

    Genau! Und unser Gedönse schmeckt alleweil besser als Haferschleimsuppe!

  12. Allegra sagt:

    @news

    Was ärgerns sie so über uns Asyhas, sie haben doch kürzlich diese wunderschöne Einladung von Zoe bekommen

    news

    irgendwie fehlen mir die worte ihnen gegenüber, aber ich denke sie “ticken” ein bisschen wie ich. mit ihnen würde ich gerne mal an einen runden tisch sitzen und einfach losreden. sie wissen viel, danke.

    Gehen sie auf dieses einmalige Angebot ein und geniessen sie einen Aysha/Allegra freien Abend. Einen ganzen Abend lang endlich wieder mal frei über Muslime sprechen können!

  13. news sagt:

    @ allegra

    Mitnichten ärgere ich mich, ich mokiere mich über Sie, ich mache mich – wie man so sagt – über Sie lustig. Sind Ihnen die Unterschiede nicht geläufig?

  14. aysha sagt:

    @news

    achh, das freut uns allegraysha so sehr! wie schön, dass wirch sie glücklich machen und sie es so richtig lustig haben. es spielt doch gar keine rolle, ob wirch unterschiede machen können oder nicht. hauptsache, sie haben ihren spass!

    allegraysha

  15. news sagt:

    Nachfolgend ein paar Buchempfehlungenn zum Thema:

    „Islamisches Recht“ von Rüdiger Lohlker, Facultas Verlags- und Buchhandels AG, 2012-02-
    „ Das Islamische Recht – Geschichte und Gegenwart“, Mathisa rohe, C.H. Beck-Verlag, 3. Auflage 2011
    „Die Kultur der Ambigzuität – Eine andere Geschichte des Islams“, Thomas Bauer, Verlag der Welt Religionen, 2011
    „Zivilisation oder Barbarei – Der Islam im historischen Kontext“ Alexander Flores, Verlag der Welt Religionen, 2011

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