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Die Sucht nach der Sehnsucht

Hugo Stamm am Samstag den 8. August 2015
epa03994811 (01/15) US James Joseph, a Catholic pilgrim originally from Detroit, Michigan, touches the picture of Jesus at the Church of the Holy Sepulcher at the Old City of Jerusalem, 07 May 2013. Joseph calls himself Jacob but is better known by many as ‘the Jesus guy’, mainly because of his appearance resembling Jesus Christ. He has visited about 20 countries in the world, spreading his message, and over recent years he has been visiting Israel, becoming a well-known figure in the old city of Jerusalem, where he explores the life and path of Jesus Christ.  EPA/ABIR SULTAN PLEASE REFER TO ADVISORY NOTICE  (epa03994810) FOR FULL FEATURE TEXT

Sehnsucht nach Jesus: Ein Jerusalem-Pilger. (Keystone/Abir Sultan)

Die Sehnsucht ist eine zentrale Lebenskraft, die uns besonders in schwierigen Zeiten hoffen und träumen lässt. Sinn macht sie auch in guten Zeiten: Wir können uns die Zukunft in den schönsten Farben vorstellen und in tollen Erwartungen schwelgen. Wenn wir etwas vermissen, sehnen wir es mit aller Kraft herbei: ein neues Auto, die Erlösung von einer schweren Krankheit oder einen Partner, eine Partnerin.

Die Sehnsucht hat aber auch eine Kehrseite: Wenn ein Wunsch unrealistisch oder gar unerfüllbar ist, treibt sie mitunter seltsame Blüten. Sie besetzt grosse Teile unseres Bewusstseins, beschäftigt uns permanent. Und: Je unsicherer die Umsetzung oder Erfüllung ist, desto obsessiver wird sie. Sie hält uns gefangen und macht uns zu ihrer Sklavin. Liebesdramen und Beziehungsdelikte zeugen von der destruktiven Kraft, die auch in der Sehnsucht steckt.

Im Extremfall führt sie zu krankhaften psychischen Reaktionen. Dann bleibt von der Sehnsucht vor allem die Sucht zurück. Sehnen ist schön, doch schon der Ausdruck enthält die problematische Seite des Phänomens.

Eine unerschöpfliche Quelle von Sehnsüchten sind religiöse und spirituelle Hoffnungen und Erwartungen. Das liegt in der Natur der Sache: Übersinnliche Phänomene entziehen sich der Überprüfbarkeit, wir können sie nicht nachweisen, wir müssen an sie glauben. Somit eignen sie sich ausgezeichnet als Projektionsfläche und fördern die Einbildungskraft. Wir finden, was wir suchen, weil es keine gesicherten Fakten gibt. Jeder fühlt, was er gern fühlen möchte. Oder sieht, was er sehen will.

Wenn die religiöse Sehnsucht zur Sucht wird, kann es gefährlich werden. Ein paar Beispiele: Manche Esoteriker verehren ihren Guru als Inkarnation des Göttlichen und neigen zur Selbstaufgabe. Zeugen Jehovas sehnen sich nach der Endzeit, flüchten in eine Parallelwelt und entfremden sich von der realen Welt. Der Pilger in Jerusalem, der sich plötzlich als Jesus wahrnimmt und in eine Psychose abrutscht, verliert die Kontrolle über sich und kann zur Gewalt neigen. Bei kollektiven Sektendramen begingen die Gläubigen aus Sehnsucht nach der Erlösung Suizid und brachten teilweise ihre eigenen Kinder um, wie die Anhänger von Jim Jones oder die Davidianer.

Es gibt aber auch aktuelle Beispiele, die demonstrieren, wie destruktiv die Sehnsucht im religiösen Milieu sein kann. Bei der Rekrutierung junger Europäer setzten die Missionare des IS, des Islamischen Staates, vor allem auf das Mittel der Sehnsucht. Den Umworbenen wird das idealisierte Bild einer heilen muslimischen Welt gezeichnet, die Hoffnung auf Lebenssinn, Geborgenheit, Abenteuer und Heldentum verdichten sich zu einer diffusen Sehnsucht, die das vermeintliche Paradies in den Köpfen entstehen lässt. Und wenn es schiefgehen sollte, warten im Jenseits 72 Jungfrauen.

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282 Kommentare zu “Die Sucht nach der Sehnsucht”

  1. Max sagt:

    Moria

    Ist der 11.8. Ihr Geburtstag? Ich dachte immer, dass Sie am 6.6. um 6 Uhr morgens geboren wurden.

  2. Rabbi Jussuf sagt:

    Ueli
    “Ich denke, dass die Hauptursache von Verwirrung, Psychosen, Extremismus die Moderne selber ist. Dies ist freilich für viele Menschen ein geradezu ketzerischer Gedanke, da sie sich daran gewöhnt haben die Moderne vor allem als Aufklärungs- Friedens- und Freiheitsprojekt zu begreifen.”

    Wie wenn es vor der Moderne anders gewesen wäre. Ihr “ketzerischer” Gedanke ist allerhöchstens engstirnig.

    Allerdings geht es allen Menschen – auch jenen in Kriegsgebieten – besser denn je.
    Wenn die Moderne schon keine Kriege verhindern konnte, dann konnte sie wenigstens den Lebensstandard ganz allgemein wesentlich anheben.

  3. Michael Bamberger sagt:

    @ Rabbi Jussuf

    Dabei sollte hervorgehoben werden, dass früher notorisch kriegerische Staaten wie Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Russland, etc. seit 1945 untereinander keine Kriege (geschweige den Weltkriege) mehr angezettelt haben Also hat die Moderne zu einer noch nie dagewesene Zeitspanne von 70 Jahren als die längste Friedensperiode seiner Geschichte in Europa geführt.

  4. Pizpot sagt:

    @Michael Bamberger, 12. August 2015 um 14:41

    Dabei sollte hervorgehoben werden, dass früher notorisch kriegerische Staaten wie Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Russland, etc. seit 1945 untereinander keine Kriege (geschweige den Weltkriege) mehr angezettelt haben

    Der boesen EG/EU sei an dieser Stelle gedankt.

    Also hat die Moderne zu einer noch nie dagewesene Zeitspanne von 70 Jahren als die längste Friedensperiode seiner Geschichte in Europa geführt.

    Wenn fuer Sie Europa ab knapp 450km von der CH-Grenze aufhoert und nicht mehr zum europaeischen Kontinent gehoert…

    Das war ja wirklich keine Heldentat der europaeischen Staaten (inkl. CH), dass sich da erst die USA als Saubermann betaetigen mussten (natuerlich nicht in uneigennuetziger Manier (die sind ja nicht bloed)), denn ihr entsprechender ‘Marshall-Plan’ hat die Infrastruktur des nationalen ITU-Ablegers ‘gesponsert’ (zumindest in Montenegro), womit sie nun aus der Ferne verfolgen koennen, dass sich da nie mehr wieder was ‘Systemkritisches’ empormausert…

    Aber Sie haben recht: immerhin ziehen sich die Franzosen, Briten, Deutschen und Italiener nur noch im Sport oder entfernt verbal eins ueber die Ruebe.

  5. Michael Bamberger sagt:

    @ Pizpot

    Ich schrieb ausdrücklich “untereinander”.

    Ihren Kommentar hätten Sie sich somit ersparen können.

  6. Michael Bamberger sagt:

    @ Pizpot

    Übrigens, Ihr immer wieder zur Schau gestellter Kulturpessimismus ist symptomatisch für jene Figuren, deren apokalyptische Wunschträume in Wortfetzen wie “ein Leben in christlichen Werten…” ausarten. Drei Mal dürfen Sie raten von, wem diese Wortfetzen stammen…

  7. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    USA – “The Catholic Diocese of Kansas City-St. Joseph has apologized to victims of priest sexual abuse and invited them to a series of prayer services, but some say the move is inadequate and does little to prevent abuse. The diocese sent letters last week from Archbishop Joseph F. Naumann and placed local ads to let those “directly or indirectly affected by any form of sexual abuse” know about the services, which begin Wednesday. Naumann, of the Archdiocese of Kansas City in Kansas, has been the Kansas City-St. Joseph Diocese’s apostolic administrator since the resignation of Bishop Robert Finn. Finn also issued a public apology in 2008 to abuse victims as part of a $10 million settlement. But last year, when victims asked for a similar apology to be part of a $9.95 million settlement in another case, the diocese refused.” (12.8.15)

    http://www.kmbc.com/news/kansas-city-diocese-apologizes-to-victims-of-priest-abuse/34672230

  8. Pizpot sagt:

    @Bambi

    Wie meinen? Sie belieben zu scherzen?

    Wenn jemand von ‘christlichen Werten’ spricht, dann verstehen Sie und Ihrerart ganz genau, was damit zu gemeint haben sein soll: ‘apokalyptische Wunschtraeume’. Entspannen Sie sich bitte (selbst wikipedia meint: “…Darüber hinaus unterliegen auch die Werte der Kirchen selbst dem Wertewandel. Ein allgemein akzeptiertes, in heutiger Terminologie genau konkretisiertes Verzeichnis christlicher Werte ist daher kaum realisierbar”).
    Also bitte lassen Sie den Menschen die Freiheit sich locker auszudruecken und versuchen Sie nicht die ganze Zeit, Leute festzunageln, wo’s nix zu nageln gibt. Danke.

    Darf man hier die Frage nach der Forderung aufstellen, die ‘Kirche auch mal im Dorf zu belassen’ oder muesste man explizit darauf hinweisen, dass man eine ‘Neune auch mal gerade stehen lassen koenne’, um ja nicht als religioeser Fanatiker (soll im Uebrigen auch ein ‘heissbluetiger Esoteriker’ sein)…..
    CHILL, Bambi, chilll….

  9. Pizpot sagt:

    Alltägliches:

    Now Everyone Can Have Their Own NSA Spyware. The NSA Playset: Espionage tools for the rest of us.

    http://www.matthewaid.com/post/126509072971/now-everyone-can-have-their-own-nsa-spyware

  10. Michael Bamberger sagt:

    @ Pizpot

    Hier – zur Förderung Ihrer Allgemeinbildung – ein paar wenige der christlichen Werte im Originalton des Wanderpredigers:

    “Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können. Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.“ (Lk 12,4-5)

    „Die aber, für die das Reich bestimmt war (die Juden), werden hinausgeworfen in die äusserste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“ (Mt 8,12)

    “Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.” (Lk 14,26-27)

    „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ (Mt 10,34-39)

    „Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine grosse Not wird über das Land hereinbrechen: Der Zorn (Gottes) wird über dieses Volk kommen. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen.“ (Lk 21,23-24)

    „Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ (Mt 25,41)

    „Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde – bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!“ (Lk 19,27)

    „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“ (Mt 18,6)

    „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.“ (Joh 3,18)

    „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm. (Joh 3,36)

    „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Mk 16,16)

    Und so weiter und so fort…

  11. Pizpot sagt:

    @Michael Bamberger, 12. August 2015 um 17:57

    Mein Gott, Herr Bamberger – relax! Ein Bekenntnis zu den 10 Geboten genuegt vollauf. Hoeren Sie doch bitte auf. so rumzutrampeln (im Stile “…zur Schau gestellter Kulturpessimismus ist symptomatisch für jene Figuren…”). Das ist ja peinlich.

    Wie lange hat der BR auf die Bibel geschworen? Also bitte, lehnen Sie sich zurueck und geniessen Sie das Spektakel.

  12. Ueli sagt:

    @bamberger@jussuf
    Geradezu rührend ihre Verteidigung der Moderne. Nun, ich habe auch nichts gegen “70 Jahre Frieden” (aber war der Kalte Krieg und alle kleinen Scharmützel vor und nachher nicht auch ein Krieg?). – Desweiteren gehört auch der 1. und der 2. Weltkrieg zur Moderne und der Kalte Krieg wäre ein paar mal fast “heiss” geworden. Dass die Weltenlenker dann doch nicht den Atomkrieg bis jetzt gestartet haben, sollte aber nicht unbedingt auf ihre unbändige Menschenfreundlichkeit zurückzuführen sein – es würden ja auch ein paar Sachwerte draufgehen und das Projekt des “Fortschritts” wäre wohl für eine ziemlich lange Zeit “auf Eis gelegt”.

  13. andersen sagt:

    Ein sorgfältige Auslegung von der Bibel ist wichtig.
    Es steht auch grusige Sachen in der Bibel, aber das wurde vor 2000 Jahren geschrieben.
    Aber, der Christentum wurde schon lange reformiert.

    Solche Auszüge aus Bibel, wie Bamberger uns in dieser Blog vorführt, ist unverantwortlich.
    Darum braucht es Menschen, die religiös gebildet sind.

    Damit es keine demagogische Einflüsse mehr gibt.

    Bamberger ist kein Pfarrer.

  14. Fürchtegott Hablützel sagt:

    Herr Bamberger; danke für die nützliche Liste der widerlichen Aussagen des Wanderpredigers. Werde sie nutzen! Dieselbe Liste haben wir für die Aussagen/Forderungen des 600 Jahre später tätigen Predigers, der allerdings kriminell handelte und heute rund 1.5 Milliarden Anhänger hat. Frau Pasionaria mag diese Meinungsäusserung nicht, ich weiss.

  15. Michael Bamberger sagt:

    @ Pizpot

    “Ein Bekenntnis zu den 10 Geboten genuegt vollauf.”

    Ah ja, der Wanderprediger genügt Ihnen also nicht?

    Die 10 Gebote in Ex 20,2–17:

    Ein eifersüchtiger, rächender und sippenhaftender Gott:

    “Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation.”

    Ein Sklavenhalternder Gott:

    “An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.”

    Ein sklavenhaltender Gott, der zu allem Ungemach noch die Frauen auf die gleiche Stufe wie Rinder und Esel stellt:

    “Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.”

    Wen oder was haben Sie sich biblisch begründet als Sklaven verdingt, Ihr eigenes Denken?

  16. andersen sagt:

    Evolutionären Humanismus geschrieben von MSS.

    Angebote….

    4. Du sollst nicht Lügen, betrügen, stehlen, töten,- es sein denn, es gibt im Notfall keine andere Möglichkeiten die Ideale der Humanität durchzusetzen.

    MSS, wenn Du an der Macht kommt, bitte verschont mich.

  17. Michael Bamberger sagt:

    @ Klara Brunner – zum Dritten

    “Es gibt auch eine Organisation die “sagt nein zu Drogen” propagiert die NICHT zu Scientology gehört. Da bin ich nämlich Mitglied.”

    Bei welcher Anti-Drogen Organisation sind Sie Mitglied? Wie heisst die Organisation?

  18. Pizpot sagt:

    Mea culpa: mir genuegen
    1)
    „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“
    2)
    Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
    3)
    Du sollst nicht morden.
    4)
    (Du sollst nicht die Ehe brechen.)
    5)
    Du sollst nicht stehlen.
    6)
    Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
    7)
    Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

    Sieben Gebote reichen vollauf – Sie haben recht. Bin halt nicht so bibelfest…

    Mein Gott, RELAX!!! Sie sind ja hysterischer als……

  19. Bernhard Schlegel sagt:

    Michael Bamberger

    Ich bat den guten, alten Vitus mich zu exkommunizieren. Nach einer Email-Beichte.

    Keine Antwort…

    Haben Sie schon Antwort vom kleinen, grossen Kirchenfürsten?

    Wohl kaum. Schweigen ist Gold und das trägt er ja um den Hals.

  20. Marcel Mertz sagt:

    andersen 12. August 2015 um 19:41

    “4. Du sollst nicht Lügen, betrügen, stehlen, töten,- es sein denn, es gibt im Notfall keine andere Möglichkeiten die Ideale der Humanität durchzusetzen.”

    Andersen, auch das hatten wir doch schon x-mal … damit sind so Dinge wie Notwehr gemeint, das klassische Beispiel mit dem Belügen des SS-Offiziers (“Nein, hier versteckt sich kein Jude!”, obwohl man weiss, dass sich einer versteckt), evtl. auch der Tyrannenmord, nicht mehr. Damit ist NICHT gemeint, man solle durch Lügen, Betrügen, Stehlen, Töten … den evolutionären Humanismus durchsetzen (das Wort “Humanität” ist nicht dasselbe Wort wie “Humanismus”, bezieht sich hier also auch auf etwas anderes).

    Ist das so schwer zu verstehen für Sie, ähnlich wie gewisse andere Sachen, oder machen Sie das absichtlich, mit dem immer wieder zu kommen (ähnlich wie gewisse andere Sachen)? Geben SIe mal eine ehrliche Antwort dazu! (Ich verurteile Sie nicht, wenn Sie sagen, Sie verstehen es wirklich nicht. Nur sollten Sie dann vielleicht mal versuchen, zu artikulieren, was genau Sie eigentlich nicht verstehen, und auf Klärungsversuche eingehen).

  21. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot
    12. August 2015 um 20:05
    Mea culpa: mir genuegen
    1)
    „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

    Mein Gott!!! Wo blicken Sie dann noch hin, Pizpot? Augen gerade in die Bibel? Ist ein Delfin in Ihren Augen ein Gräuel? Bilder der Galaxie? Pizpot? Was ist los mit Ihnen?

  22. Pizpot sagt:

    @Michael Bamberger, 12. August 2015 um 18:58

    Ein Sklavenhalternder Gott:
    “An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.”

    Ein sklavenhaltender Gott, der zu allem Ungemach noch die Frauen auf die gleiche Stufe wie Rinder und Esel stellt:
    Aber wenn Bambi sagt, dass Europa seit 70 Jahren keine Kriege mehr erlebt hat, darf man das natuerlich nicht so eng sehen:
    “…die Moderne zu einer noch nie dagewesene Zeitspanne von 70 Jahren als die längste Friedensperiode seiner Geschichte in Europa geführt.”

    Mein Gott, Bambi!

  23. Pizpot sagt:

    @Bernhard Schlegel, 12. August 2015 um 20:11

    „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

    Mein Gott!!! Wo blicken Sie dann noch hin, Pizpot? Augen gerade in die Bibel? Ist ein Delfin in Ihren Augen ein Gräuel? Bilder der Galaxie? Pizpot? Was ist los mit Ihnen?

    Jaja, der Bernie hat jetzt gerade noch gefehlt: Haben Sie sich die Aussage “Du sollst Dir kein Gottesbild machen….” ueberhaupt jemals ueberlegt? Das ist kein Befehl – das kann ganz einfach bedeuten, dass wenn Du das machst, Du Deine eigene Faehigkeiten ueberschaetzst. Kannst Du Dir ein Bild dessen machen, was Geringer als das Kleinste oder weiter als das groesstmoeglich Vorstellbare ist?

    Haette nie gedacht, mich selbst BS zu antworten gemuessigt saehe….aber gelohnt hat es sich kaum….

  24. Marcel Mertz sagt:

    Ich halte die zehn Regeln, die Bernard Gert in seiner “Common morality”-Theorie formuliert (Bernard Gert [2004] Common Morality: Deciding What to Do. Oxford University Press), für viel einschlägiger als die zehn Gebote, von denen sich mehrere gar nicht auf das Verhältnis zwischen Menschen untereinander, sondern auf das Verhältnis zwischen Menschen und Gott beziehen:

    1. Do not kill
    2. Do not cause pain
    3. Do not disable
    4. Do not deprive of freedom
    5. Do not deprive of pleasure
    6. Do not deceive
    7. Keep your promises
    8. Do not cheat
    9. Obey the law
    10. Do your duty

    Die Regeln beruhen auf der Annahme von fünf grundlegend möglichen Schädigungen (harms): Tod, Schmerz, Behinderung, Freiheitsverlust und Lustverlust (loss of pleasure). Dadurch wird der Kern der “common morality” erfasst. Die ersten fünf Regeln verbieten es, Personen diese fünf Schädigungen direkt zuzufügen, die zweiten fünf Regeln verbieten es, diese fünf Schädigungen Personen indirekt zuzufügen.

    Sie gelten nicht absolut in dem Sinne, dass jeder Verstoss automatisch moralisch falsch ist; gibt es adäquate, öffentlich verteidigbare Begründungen für Ausnahmen, so sind diese nicht moralisch falsch, auch wenn sie gegen eine Regel verstossen (man denke an Notwehr-Beispiele, aber natürlich auch andere weniger drastische Fälle: wenn ich mein Versprechen, jemandem vom Flughafen abzuholen, nicht einhalte, weil ich auf dem Weg dorthin einem Autounfall begegne und dort erste Hilfe leiste, dann habe ich nicht moralisch falsch gehandelt, selbst wenn ich gegen Regel 7 verstossen habe, weil das Leisten erster Hilfe in dieser Situation eine adäquate Begründung für eine Ausnahme der Regel 7 ist).

    (Natürlich ist zu jeder Regel mehr zu sagen, was sie bedeutet, was sie mitabdeckt und was nicht, und weshalb sie nötig ist – was Gert freilich in seinen Texten auch tut. – Aber dieser kurze Hinweis auf Gerts Ansatz nur als Einwurf zum Thema “10 Gebote”).

  25. Pasionaria sagt:

    Fuerchtegott Habluetzel
    “Frau Pasionaria mag diese Meinungsäusserung nicht, ich weiss…”
    Darauf kann ich – frei nach Hegel – nur sagen: das Meinen ist das Mittelding zwischen Unwissenheit und Wissenschaft, Ihre jeweilig persoenliche Auslegung eine Vermischung von vermeintlichen Tatsachen und Verklaerung.

    Reminder: wieso antworteten Sie nicht vollstaendig die berechtigten und fundierten Fragen Ihres und unser allen geschaetzten Marcel Mertz?
    Wieso lassen Sie Ihre Wettschulden nicht einer wohltaetigen (nicht missionarischen….) Organisation zugute kommen?
    Fragen ueber Fragen, die Sie den Blog durch begleiten werden.

    .

    andersen
    langsam beginne ich doch noch, vor Ihnen die Zipfelmuetze zu ziehen! Sie sind ja, gemaess Ihren Bosdings, dermassen belesen.
    Ueber Mohammed haben Sie saemtliche Werke gelesen, aber auch die vollen 700 Seiten > der Gotteswahn von Richard Dawkins, selbstverstaendlich saemtliche Werke von Michael Schmidt-Salomon. Wie schaffen Sie es nur, obendrauf noch und als Hauptlektuere den Top-Literaten/Witzbold Hape Kerkeling zu verdauen?
    Ueberfordern Sie sich damit nicht selbst? Es macht ganz den Eindruck.

  26. Pasionaria sagt:

    Fuerchtegott Habluetzel
    …. es sollte heissen: wieso beantworten Sie nicht vollstaendig die berechtigten und fundierten Fragen Ihres und unser allen geschaetzten Marcel Mertz?…..

  27. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot: “Jaja, der Bernie hat jetzt gerade noch gefehlt: Haben Sie sich die Aussage “Du sollst Dir kein Gottesbild machen….” ueberhaupt jemals ueberlegt? Das ist kein Befehl – das kann ganz einfach bedeuten, dass wenn Du das machst, Du Deine eigene Faehigkeiten ueberschaetzst. Kannst Du Dir ein Bild dessen machen, was Geringer als das Kleinste oder weiter als das groesstmoeglich Vorstellbare ist?”

    Wenn “ich” es nicht versuche, dann nicht. Man kann sich der Wahrheit nur annäheren. Du jedoch und Dein Gott wollen auf dem Pott sitzenbleiben mit dem Gefühl, die Wahrheit gepachtet zu haben. Schade eigentlich. Du wärst wahrscheinlich zu mehr fähig

  28. Pizpot sagt:

    @ Bernhard Schlegel, 12. August 2015 um 21:13

    auf dem Pott sitzenbleiben mit dem Gefühl, die Wahrheit gepachtet zu haben.

    Schuechterne Frage: woher haben Sie denn diese Gewissheit wieder herausgekitzelt?

  29. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot
    12. August 2015 um 20:05
    Mea culpa: mir genuegen
    Etc. Etc.

  30. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot
    12. August 2015 um 20:05
    Mea culpa: mir genuegen
    1)
    „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

    Das heisst im Grunde nur: Mensch, bleib dumm, sonst Gnade dir Gott!

  31. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot

    Hassen Sie die NASA? Das Hubble-Teleskop? Mikroskope? Ihr Gott verbietet das. Aber ihr Gott hat in diesen Dingen nichts zu vermelden. Tja.

  32. Pizpot sagt:

    @Bernhard Schlegel, 12. August 2015 um 21:47

    Pizpot
    „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“
    Das heisst im Grunde nur: Mensch, bleib dumm, sonst Gnade dir Gott!

    Aber nein, wo denken Sie denn hin? Wie Sie schoen schreiben: “Wenn “ich” es nicht versuche, dann nicht. Man kann sich der Wahrheit nur annäheren.”
    Das alles heisst freilich natuerlich noch lange nicht, dass man nicht belegte Annahmen als DIE absolute Wahrheit hinstellen kann. Das zeugte von Ueberheblichkeit. Wenn in erster Linie 7 der 10 Gebote, die v.a. das Befolgen sozialer Regeln beteffen (und von M.Mertz mit den 10 Regeln von Bernard Gert ‘untermauert’, bzw. erweitert wurden) als genuegend hinstellt, kann man daraus nicht automatisch schlussfolgern, dass man Delfine oder den Kosmos miss- oder gar nieder trachtet.

    Wo Sie aber recht haben: eine Anmassung, nicht Wahrnehmbares als eine gesicherte Wahrheit anzunehmen und auf unsere Wahrnehmungsfaehigkeit ‘herabzustufen’, scheint vermessen, solange dieses ‘nicht Wahrnehmbare’ nicht erwiesen ist. Da lobe ich mir als Agnostiker 2.-5. Grades die ‘Demut’, es bei einem Fragezeichen zu belassen und diese Unwissenheit in mein taegliches Handeln miteinbzubeziehen. Wie gesagt: die eigenen Grenzen weiter hinaus zu schieben ist auf alle Faelle eine Erfordernis – aus der Unwissenheit heraus jedoch eine Gewissheit zu postulieren, erscheint doch – gelinde gesagt – etwas vermessen, denn der Glaube(!), dass wir die Kroeunung der Schoepfung seien, scheint in Anbetracht all der Vielfalt und Unermesslichkeit all des Vorhandenen doch etwas verwegen (und falls dies doch zutreffen sollte, so waere es dieser Krone angemessen, Demut vor dem walten zu lassen, das diese hervorgebracht hat – nennen Sie es Natur, Universum (All-Maechtigkeit) oder wie es Ihnen auch immer beliebt). Nicht nur ‘Ihre Gewissheit’, man haette demzufolge nur Augen und Sinne fuer das geschriebene Wort der Bibel, spricht aus psychologischer Sicht allerdings schon Baende….
    Resistenzen sind sicher wertvoll – ein Fokussieren auf Nebensaechlichkeiten verwirrt allerdings hoechstens und verhindert die Konzentration aufs Wesentliche, meinen Sie nicht auch?

  33. Pizpot sagt:

    @Bernhard Schlegel, 12. August 2015 um 21:52

    Hassen Sie die NASA? Das Hubble-Teleskop? Mikroskope? Ihr Gott verbietet das. Aber ihr Gott hat in diesen Dingen nichts zu vermelden. Tja.>/blockquote>
    Aber Herr Schlegel, wollen Sie partout nichts ueberlegen, bevor Sie die Return-Taste druecken?

  34. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot
    Ihre Widersprüche gehören Ihnen. Ich kann sie Ihnen nicht nehmen. Klären Sie sie selbst oder bitten Sie mich um Hilfe. Einfach so löse ich diese Monsteraufgabe nicht für Sie.

  35. Pizpot sagt:

    @Bernhard Schlegel, 12. August 2015 um 22:48

    Pizpot
    Ihre Widersprüche gehören Ihnen. Ich kann sie Ihnen nicht nehmen. Klären Sie sie selbst oder bitten Sie mich um Hilfe. Einfach so löse ich diese Monsteraufgabe nicht für Sie.

    Ja bitte, klaeren Sie mich auf. Werde morgen wieder vorbeischauen und mit Neugierde in Erfahrung bringen wollen, was Sie mir da wieder an ‘Widerspruechlichkeiten’ an den Kopf werfen werden. Aber besten Dank fuer Ihre Bemuehungen. Bis morgen also….

  36. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot

    Okay

    Ich stelle Ihnen einige Fragen, damit ich verstehen kann, wo Ihre Psyche angesiedelt ist. Bitte antworten Sie ehrlich, sonst ist alles für nichts.

    1.

    Sind Sie ein Trockennasenaffe Ja/Nein

    2.

    Sie sind ein Mann. Warum haben Sie Brustwarzen?

    3.

    Gibt es Gott Ja/Nein/Ich weiss nicht

    4.

    Sündigen praktizierende Homosexuelle wider die Natur Ja/Nein

    5.

    Ist die Bibel Gottes Wort Ja/Nein

    6.

    Denken Sie, etwas über dieses Leben im Allgemeinen verstanden zu haben, etwas grundlegendes?

    7.

    Was denken Sie, wenn der Begriff “Ausländer” fällt spontan?

    8.

    Was bedeutet ihnen der Tod?

    Pizpot, ich freue mich ehrlich auf ehrliche Antworten. Auch von anderen Bloggerinnen.

  37. Ueli sagt:

    @Marcel Mertz
    Irgendwie brauch ich weder eine Regel dafür, dass ich niemanden umbringen soll, noch brauche ich eine Regel die mir vorschreibt, dass ich niemandem die Freiheit rauben, ihn zum Krüppel schlagen und seine Frau vergewaltigen soll. Und wissen Sie wieso? Einfach deswegen weil ich nun mal kein vollkommenes Arschloch bin, dass einen absoluten Scheiss darauf gibt wie man mit seinen Mitmenschen umgeht.
    Desweiteren halte ich die Gesetze nr. 9 und 10 – “obey the law” und “do your duty” für höchst fragwürdig, da z.B. sich auch Mitglieder der SS “an die Gesetze hielten” und desweiteren Stolz darauf waren ihre “Pflicht zu tun”.

  38. Ueli sagt:

    @Marcel Mertz
    Desweiteren ist unsere Wirtschaftsordnung aka Kapitalismus nicht kompatibel miit “do not cheat” – oder glauben Sie tatsächlich ans Märchen des “american dream”?

  39. Bernhard Schlegel sagt:

    Ueli

    Yes

    We can

  40. Marcel Mertz sagt:

    Ueli 12. August 2015 um 23:38

    Oh Mann, Ueli, denken Sie ein bisschen nach: Glauben Sie ernsthaft, Moralphilosophen würden meinen, man bräuchte dafür explizite Regeln? Denken Sie, Philosophen sind so Empirie-blind, dass sie nicht sehen, dass der grössere Teil der Menschheit solche Dinge nicht tut, oder (die geringeren Verstösse) mehr aus Fahrlässigkeit oder Gedankenlosigkeit tut denn aus totaler Unwissenheit oder gar aus klarer Immoralität begeht?

    Moralphilosophie hat in ihrer rekonstruktiven (!) Aufgabe das Ziel, unsere alltäglichen, vielleicht sogar transkulturell und epochenübergreifenden allgemeinsten moralischen Regeln zu explizieren. Gerade Common Morality-Ansätze verfolgen genau dieses Ziel: Rekonstruieren, was unsere Moral beinhaltet.

    Wenn Sie jetzt so selbstverständlich sagen, “Ich tue derlei nicht, weil ich kein vollkommenes Arschloch bin”, dann bestätigen Sie nur, was ein Common Morality-Ansatz gerade aufzeigen will: Was offenbar unsere impliziten moralischen Regeln etc. sind.

    Kennen Sie evtl. das Prinzip der Nachsichtigkeit, engl principle of charity (D. Davidson, wenn ich mich nicht täusche)? Es ist ein hermeneutisches Prinzip das u.a. besagt, dass wenn etwas absurd erscheint oder inkonsistent, man zuerst prüfen sollte, ob es vielleicht eine vernünftigere Auslegung geben könnte (oder anders gesagt: Man prüft zuerst die Vernünftigkeit seiner eigenen Interpretation auf Basis der vorhandenen Informationen, bevor man dem anderen Fehler oder gar Irrationalität unterstellt). Überlegen Sie nochmals bezüglich Regeln 9 und 10 sowie dem Hinweis, dass die Regeln nicht absolut gelten, was das wohl bezüglich Ihrer Beispiele (SS) bedeuten könnte. Und dann stellen sich die Pflichten eines Arztes oder einer anderen viel Verantwortung tragenden Profession vor und überlegen Sie sich nochmals, warum (nach Gert) wohl Regel 10 Teil unserer Moral ist.

    (Der Hinweis könnte vielleicht auch helfen, dass ich explizit geschrieben habe, dass Gert natürlich ausführt, was die Regeln bedeuten und warum sie Teil der Common Morality sind. D.h., es wäre vielleicht die angemessenere Reaktion gewesen, zuerst zu fragen, warum Gert meint, es brauche die Regeln 9 und 10, oder was er genau darunter versteht, bevor man gleich mit der Nazi-Keule kommt oder gewissermassen unterstellt, der gute Mann hätte nicht nachgedacht, es gäbe ja offensichtlich Beispiele, wo solche Regeln in unmoralische Handlungen gemündet haben etc. etc.).

  41. Marcel Mertz sagt:

    Ueli 12. August 2015 um 23:55

    “Desweiteren ist unsere Wirtschaftsordnung aka Kapitalismus nicht kompatibel miit “do not cheat” – oder glauben Sie tatsächlich ans Märchen des “american dream”?”

    Und wieder: Völlig egal, ob dem so wäre oder nicht, der Umstand, dass Sie (und andere) es offenbar kritisch finden, dass es so wäre, dass “do not cheat” nicht gilt bzw. in einer bestimmten Wirtschaftsordnung nicht umgesetzt werden könnte, zeigt, dass die Vorstellung, dass “cheaten” nicht richtig ist, offenbar Teil unserer allgemeinen Moral ist (zumindest würde so ein Common Morality-Ansatz argumentieren).

    Die Frage, ob Kapitalismus damit “kompatibel” ist oder nicht, ist eine völlig andere Frage (weil sie eben gerade voraussetzt, dass die moralische Regel “do not cheat” ihre Berechtigung hat). Bzw. Sie müssen mir deutlicher machen, inwiefern das Beispiel Kapitalismus ein Gegenargument zu der explizierten Regel “Do not cheat” der Alltagsmoral ist.

    (PS: Manchmal habe ich den Eindruck, man kann es Ihnen nie Recht machen, gleichgültig, was man schreibt; ausser vielleicht, man schreibt, dass Kapitalismus Scheisse ist …)

  42. Ueli sagt:

    @Bernd Schlegel
    1. Affen sind Tiere, die mich immer an meine Nachbarn erinnern.
    2. Embryonalentwicklung..
    3. Gibt es Götter? Ja – ganz viele…
    4. Kann man überhaupt wider die Natur sündigen? Interessiert die sich neuerdings auch für Sexualpraktiken von Delphinen?
    5. Die Bibel : is für mich `n unordentliches Buch mit 50`000 Textvarianten. (Arno Schmidt)
    6. Ja – das Leben ist und bleibt eine riesen Sauerei.
    7. Who gives a fuck?
    8. Der Tod? Der Trost, dass die Letzten am Schluss zwar nicht die Ersten – aber immerhin gleichauf sein werden.

  43. Rabbi Jussuf sagt:

    “Do not cheat” dürfte wohl eine der wichtigsten Regeln überhaupt sein. Ohne diese würde kein Wirtschaftssystem explizit Handel funktionieren.
    Dass es diese Regel braucht, liegt daran, dass es hier um Vereinbarungen zwischen intelligenten Wesen geht. Betrügen ist ein wesentliches Zeichen von Intelligenz. Ohne die Fähigkeit zum Betrug/Täuschung bekommen wir kein irgendwie geartetes Kultur/Sozialsystem.
    Auf der anderen Seite dieser Medaille steht das Vertrauen. Ohne dieses funktioniert kein Handel, ob der nun feudalistischer oder kapitalistischer Natur sei, oder sonst was. Ohne Handel > keine Kultur.

  44. Ueli sagt:

    @Rabbi Jussuf
    Das Verbrechen ist nur die Kleinhandelsabteilung dessen, was wir als Grosshandel das Strafgesetz nennen. (George Bernard Shaw)

  45. Alienus sagt:

    @Rabbi Jussuf vom 11.08.2015

    Eigentlich ging es um die Auffälligkeit der Zahl 72, die z. B. bei den ominösen „Jungfrauen“ und der Rechenart mit dem Duodezimalrechensystem als eine möglicherweise verbindende Schnittstelle in Erscheinung tritt. In dieser Zahle 72 sehe ich keine religiöse Implementation

    Würde es die 72 so gegeben haben, so würde diese besonders beim Fernhandel niemals „viel“ bedeuten, sondern eigentlich mit 27/144 die „Hälfte“ eines „Gross“ als eine Karawaneneinheit. Somit genau 72/144 = ½ = 0,5, also eine Hälfte.

    Möchte noch hinweisen, dass meine Betrachtung von der Rechen- und Handelsseite ausgeht und dann folgend diese Rechenweise als Allgemeingut bei den damaligen Menschen, eben auch bei dem Händler Mohammed geläufig gewesen sein würde. Eine so enge religiöse Bindung scheinen wohl nur Sie zu sehen.

    Habe von Ihnen etwas mehr erwartet, aber Sie haben leider ein etwas dünnliches Wassersüppchen kredenzt.

    Schade. ;-(

  46. Alienus sagt:

    Verbesserung: richtig = ….. , sondern eigentlich mit 72/144 …..

  47. Alienus sagt:

    @Solange vom 11.08.2015 um 18.43

    Ob ich glauben machen will, dass die 72 Jungfrauen unbedingt auf die Zahl 12 zurückzuführen sind, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Denn geschrienen habe ich dies so nicht. Somit scheint es Ihrer eigenen Interpretation entfleucht zu sein.
    Ob ich auch nur einen klitzekleinen Hauch und/oder sonstigen Bezug zum Kalender geschrieben habe möchte ich in all meiner Demut als eine fehlgeleitete Glaubensdeutung Ihrerseits bezeichnen.

  48. Solange sagt:

    @Alienus: Eigentlich ging es um die Auffälligkeit der Zahl 72, die z. B. bei den ominösen „Jungfrauen“ und der Rechenart mit dem Duodezimalrechensystem als eine möglicherweise verbindende Schnittstelle in Erscheinung tritt. In dieser Zahle 72 sehe ich keine religiöse Implementation

    Ach so, in Ihrem ersten Posting tönte das noch ganz anders:

    Alienus
    8. August 2015 um 21:16

    … Die Zahl 72 lässt sich in 6 x 12 zerlegen. 6 ist im Jüdischen die Anzahl des Davidstern und die 12 die Anzahl der j. Stämme und die Anzahl der großen Richter. .

    Bei 72 = 8 x 3 x 3 ist die 8 ein Symbol der jüd. / chr. Unendlichkeit, des jüd. Beschneidungstages und auch ein bautechnisches Multiplikationsfaktor für jüd. sakrale Gebäude.

    In Babylon ist die Zahl 5 eine heilige Zahl der Göttin Ischtar mit 3 Tierkreiszeichen und 4 Himmelsrichtungen multipliziert ergibt die Zahl 72.*

    … Man könnte dieses Zahlenspielchen weiter treiben. Berücksichtigt man die Gegebenheit, das Mohammed sich längere Zeit im jüdisch-christlichem Milieu aufgehalten hat und die religiösen Stetten in Mekka, wie z. B. die Kaaba von Juden errichtet wurden (!!!), so kann man schon einen Verdacht äußern, dass sich dieser Mohammed dem Geist und der Denkweise der Altreligionen des hebräischen und frühchristliche Dunstkreis sich nicht ganz entziehen konnte und somit auch deren Zahlensymbolik und Zahlenmystik weiter verwendet hatte.

    Jetzt berufen Sie sich plötzlich darauf, dass es nur um eine Überschneidung mit dem damals in (Karawanen)handel üblichen Zahlensystem gibt. Den Beweis, dass das Duodezimalsystem damals im arabischen Handel dominiert hat, sind Sie bis heute schuldig geblieben. Wenn der Karawanenhändler Mohammed tatsächlich für den Handel das Zwölfersystem gebraucht hat, dann wundert es doch ein bisschen, dass der Kriegsherr Mohammed beim Beuteteilen auf das Dezimalsystem zurückgegriffen hat (bevorzugt etwa Allah das Dezimalsystem?).

    Da Sie so an der Zahl 72 kleben, obwohl Ihnen mehrfach versichert wurde, dass auch andere Zahlen im Umlauf sind, möchte ich noch darauf hinweisen, dass Ayaan Hirsi Ali in ihrem neuesten Buch “Reformiert euch” Ghazali folgendermassen zitiert:

    Diese Orte [im Paradies] sind aus Smaragden und Juwelen errichtet, und in jedem Gebäude öffnen sich 70 Gemächer aus roter Farbe, und in jedem von ihnen 70 Nebenräume aus grüner Farbe, und in jedem Nebenraum wird ein Thron sein, und über jedem Bett wird ein Mädchen mit süssen schwarzen Augen [warten] … Sieben Mädchen werden in jedem Raum … Jeder Gläubige wird am Morgen eine solche Kraft erhalten, dass er ihnen beiwohnen kann. Imam al-Ghazali, Ihya Ulum-id-Din, Karachi, Bd IV, S. 428

    * 5 (angebliche heilige Zahl der Göttin Ishtar) mal 3 Tierkreiszeichen mal 4 Himmelsrichtungen ergibt nicht 72. Sie meinten wohl 6, aber können Sie überhaupt belegen, dass 6 die heilige Zahl dieser Göttin war?

  49. Solange sagt:

    @Alienus: Ob ich auch nur einen klitzekleinen Hauch und/oder sonstigen Bezug zum Kalender geschrieben*

    Wo genau habe ich behauptet, dass Sie einen Bezug zum Kalender hergestellt haben? Habe ich nirgends! Im Gegenteil, ich habe geschrieben, dass m.E. der Bezug zum Kalender (12 Mondmonate) näher liegt als zum Duodezimalsystem (das sicher zu diesem Zeitpunkt und in diesem Raum bekannt war, von dem wir aber nicht wissen, ob es damals den Handel tatsächlich dominiert hat – ich warte immer noch auf entsprechende Belege ihrerseits).

    Da Sie zu den Bloggern gehören, deren Leseverständnis nicht in Frage gestellt werden muss, wundere ich mich doch ein bisschen, was Sie aus meinen Zeilen herausgelesen haben wollen.

  50. Alienus sagt:

    @Solange

    Laut Wiki kann man Geschichte auch so lesen:

    – Pythagoras: ….. war die Überzeugung allgemein verbreitet, Pythagoras sei der Begründer der Mathematik gewesen. Damit war auch die Geometrie gemeint, der für die antiken Griechen wichtigste Teil der Mathematik. Dazu passte die Überlieferung vom Aufenthalt des Pythagoras in Ägypten, denn schon Herodot war der Überzeugung, die Geometrie stamme ursprünglich aus Ägypten, sie sei ein Ergebnis der Notwendigkeit stets neuer Landvermessung nach den regelmäßigen Nilüberschwemmungen gewesen. Schon Isokrates nahm an, Pythagoras habe seine Mathematik und Astronomie den Ägyptern zu verdanken. Ferner galt Pythagoras auch als Vermittler mathematischen Wissens der Babylonier, denn man ging davon aus, dass er sich in seiner Jugend in Babylon aufgehalten hatte. …. (wiki)

    – 12 Knoten-Schnur: Bei der Gründung von Tempeln im Alten Ägypten verwendete die priesterliche Berufsgruppe der Harpedonapten Messschnüre. In vielen Büchern findet sich die Aussage, dass sie dabei Zwölfknotenschnüre zur Konstruktion rechter Winkel verwendeten. Es gibt zwar einige historische Quellen, die als Bestätigung dieser Theorie gedeutet werden können, doch die Mehrheit der Mathematikhistoriker des 20. und 21. Jahrhunderts lehnt diese Deutung ab.
    Ausgangspunkt für die Vermutung war der erste Band von Moritz Cantors „Vorlesungen über die Geschichte der Mathematik“. Cantor schreibt dort:
    Denken wir uns, gegenwärtig allerdings noch ohne jede Begründung, den Aegyptern sei bekannt gewesen, dass die drei Seiten von der Länge 3, 4, 5 zu einem Dreiecke verbunden ein solches mit einem rechten Winkel zwischen den beiden kleineren Seiten bilde,….
    Dieses Gedankenspiel wurde von anderen Autoren weiterverwendet, wobei jedoch dessen hypothetischer Charakter teilweise nicht beachtet wurde. (wiki)

    – Meine Nachbemerkung:

    In Ägypten war der Grundcharakter der Pyramiden ein Massenbau aus teilweise gleichen und ähnlichen Bauelementen. Als im Grundsatz würde hier ein eher flach- und kubisch orientiertes Denken annehmen können. Sind wir mal recht großzügig, also bei einem Zeitverlauf bis zu ca. 3.000 Jahre vor Chr.

    In Griechenland dürfte bei den sakralen Bauten ein viel individuelleres Denksystem vorliegen, da die uns bekannten Steinbauten eigentlich im konstruktiven Grundsatz, detailliertem Aufbau und sogar bis in individuelle Feinheiten der ursprünglich verwendeten Holzbauweise folgen. Es dürfte als eine filigranere Denkweise notwendig gewesen sein. Da sind wir auch großzügig, also bis zu ca. 1.500 Jahre vor Chr. Und somit dürften die Ä. mindestens 1.000 bis 1.500 Jahre Vorlauf zum Lösungsansatz von Flächen- und Raumberechnungen gehabt haben als die doch später rechnenden G..

    Bei den Befürwortern und den Gegner gilt: Nichts Genaues weiß man nicht.

    Aber die große Wahrscheinlichkeit spricht für das Alte Ägypten, dass die Jungs dort wohl verschiedene Rechenhilfen und Rechensysteme hatten. Bei deren Dominanz auf fast allen Gebieten. Es ist möglich, was ich für sehr wahrscheinlich halte, dass für die jeweilig verschiedenen Aufgabenstellungen auch verschiedene Rechenarten verwendet wurden.

    @Solange, verzeihen Sie mir, aber ich habe die Empfindung, auch Sie stehen vor einer imaginären Wand und können diese nicht überwinden. Aber versuchen Sie doch bitte einen Umweg um diese herum zu machen, um auf die andere Seite zu gelangen. Es lohnt sich.