Eine kurze Geschichte des Koreakrieges

Erschütternde Brutalität: B-29-Langstreckenbomber der US-Luftwaffe greifen chinesische Truppen in Nordkorea an, 18. Januar 1951. Foto: U.S. Air Force, AP

Von dem, was vor langer Zeit im fernen Osten passierte, wissen wir kaum mehr etwas. Korea ist ein fremdes Land. Gewiss sehen wir die Welt dort anders, als sie ist. Und vermutlich deuten wir im Konflikt zwischen dem Westen und «dem irren Kim» vieles falsch.

Die Perspektive erweiterte unlängst Medhi Hassan, ein britischer Politautor, indem er wieder mal eine ganz simple Frage stellte: «Wieso hassen uns die Nordkoreaner?» So der Titel seiner Stellungnahme im Onlinemagazin «The Intercept». Die Antwort: «Es gibt einen Grund: Sie erinnern sich an den Koreakrieg.»

Ohne die Kim-Clique irgendwie zu verteidigen, zitiert Hassan eine simple Wahrheit: Der Hass, den das Todesregime gegen die Amerikaner und den Westen hegt und pflegt, ist keine reine Propaganda. Er hat Wurzeln, er hat eine Geschichte. Es ist die Geschichte eines der furchtbarsten Kriege, die wir vergessen haben.

In einer kalten Zahl ausgedrückt: Im Koreakrieg von 1950 bis 1953 starben etwa 20 Prozent der Bevölkerung auf der Halbinsel, die Hälfte davon Zivilisten. Ganze Landstriche wurden entleert. Es kam zu unfasslichen Massakern. Hunger wurde als Waffe eingesetzt, Städte zu Schutthaufen gebombt. Was war da geschehen?

1. Ursachen und Schuldige

Nachdem Korea 1945 von der japanischen Besatzung befreit worden war, teilten die Siegermächte das Land auf: Der Norden ging in den Einflussbereich der Sowjetunion, der Süden ins Lager der Westmächte, und beide setzten eine genehme Regierung ein. Als Grenze wurde der 38. Breitengrad festgelegt.

Im Juni 1950 fielen nordkoreanische Truppen in den Süden ein: Das stalinistische Regime unter Kim Il-sung (dem Grossvater) wollte schlicht das ganze Land unterwerfen. Mit dem Segen der UNO und der Unterstützung von einem Dutzend weiterer Staaten griffen die USA ein: Die Koalition entsandte Truppen und Flugzeuge zur Unterstützung von Südkorea – einem Staat, der ebenfalls von einem autoritären Regime regiert wurde.

Man nennt den Koreakrieg heute den ersten heissen Krieg im Kalten Krieg: Es war ein ideologisch gefärbter Kampf zwischen Ost und West, zwischen Sowjetkommunismus und US-Kapitalismus, wobei die Initiative wohl vom Regime in Pyongyang selber ausging. Russlands Tyrann Stalin soll sich zuerst dagegen ausgesprochen haben; andererseits versprach Chinas Diktator Mao Unterstützung. Die Amerikaner wiederum befürchteten, in einem weltweiten Machtkampf gegen die «Reds» unter die Räder zu kommen. Ganz kurz zuvor hatten die Kommunisten auch in China die Macht übernommen.

2. Der Verlauf

Die Nordkoreaner konnten mit Soldatenmassen fast die ganze Halbinsel überrollen, teils unterstützt von chinesischen Truppen. Schon nach zwei Wochen nahmen sie die Hauptstadt Seoul ein. Doch das Eingreifen der Amerikaner wendete das Blatt ebenso rasch. Innert neun Monaten wurden Kims Armeen wieder über den 38. Breitengrad gedrängt.

Danach verkam der Konflikt zum einem Stellungskrieg, bei der keine der beiden Seiten entscheidende Fortschritte erzielte. Nach zwei Jahren einigten sich die Parteien 1953 auf einen Waffenstillstand, wieder mit der Grenzlinie am Breitengrad. Ein Friedensschluss kam nicht zustande: Offiziell befinden sich Nordkorea und Südkorea bis zum heutigen Tag im Krieg.

3. Opfer und Verbrechen

Der Koreakrieg erlangte in der Weltöffentlichkeit niemals die Beachtung wie spätere Kriege in Vietnam oder im Nahen Osten, obwohl er mit einer erschütternden Heftigkeit und Brutalität geführt wurde. Neben dem Kampf am Boden – der auch rund 36’000 US-G.I.s das Leben kostete — führten die USA einen Bombenkrieg, wobei insbesondere Pyongyang in einen Schutthaufen verwandelt wurde.

Ein Bericht der Air Force legte vor wenigen Jahren dar, dass 18 der 22 grössten Städte des Nordens mehrheitlich zerstört wurden. Die Amerikaner bombardierten auch gezielt Dämme oder erntereife Felder. Parallel dazu führte das südkoreanische Regime beinahe systematisch Massaker durch, wenn ein Dorf, ein Quartier, ein Landstrich verdächtigt wurde, die Kommunisten zu unterstützen. Historiker berichten von mindestens 60 «mass killings», an denen Amerikaner mitbeteiligt waren.

Massaker verübten Nordkoreas Truppen genauso, wobei sie regelmässig amerikanische Kriegsgefangene exekutierten. Als besonders ruchlos in Erinnerung blieb der Massenmord am Universitätsspital von Seoul, bei dem Kims Soldaten im Juni 1950 gegen 900 Ärzte, Krankenschwestern und Patienten umbrachten. Auf der anderen Seite wirft Nordkoreas Regime den Amerikanern bis heute vor, gegen 1000 Spitäler zerbombt zu haben. Auch wenn hier eine Propaganda-Übertreibung drinsteckt: Angriffe auf Spitäler fanden statt.

Die Ruchlosigkeit, die man heute beim Assad-Regime in Syrien als einmalig empfindet, gab damals nicht einmal zu reden – hier nicht, drüben nicht.

Das Propagandabild vom teuflischen Westen «wurzelt in einer faktenbasierten Erzählung»: So schrieb es Blaine Harden, der Autor einer Kim-Il-sung-Biografie, in der «Washington Post» – «eine Erzählung, welche Nordkorea obsessiv pflegt und die Amerikaner fröhlich vergessen».

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