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Grüne Sosse int.

Frau Kretz rodet die Balkonkräuter, einmal auf italienisch und einmal auf hessisch.

Ein Rezept im Notizheft meiner Grossmutter brachte mir neulich eine vergessene Leibspeise wieder in Erinnerung: die Frankfurter Grüne Sosse. Im antiken Schnipselheft stiess ich nämlich auf das italienische Pendant dazu: die Salsa Verde. Dafür werden hier ein Teelöffel Senf, Pfeffer, 1 dl Olivenöl, ½ dl Zitronensaft, viel fein gehackter Schnittlauch, Petersilie, Majoran, Basilikum, Rosmarin, Selleriekraut (oder Ähnliches, das auf dem Balkon wuchert), zwei gepresste Knoblauchzehen und eine feingehackte Zwiebel vermischt. Dazu kommen die Eigelb von zwei hartgekochten Eiern, die durch ein Sieb gepresst werden sowie das gehackte Eiweiss.

Das lässt man ein paar Stunden gut durchziehen und serviert es zum Beispiel zu Siedfleisch oder einer Grillade. Oder natürlich ganz klassisch zu Bollito misto, falls auf Ihrem Balkon auch noch ein paar Hühner, Rinder und Schweine rumrennen sollten.

Die hessische Variante davon ist ein ebenso guter Anlass, die Balkonkräuter zu roden. Traditionellerweise kommen in die Frankfurter Grüne Sosse mindestens sieben verschiedene Kräuter, wobei das genaue Bouquet vom persönlichen Geschmack und der Erhältlichkeit abhängen darf.

Petersilie und Schnittlauch sind ein guter Anfang, für die übrigen fünf eignen sich frisch und etwas säuerlich schmeckende Kräuter: Kresse, Sauerampfer, Borretsch, Kerbel, Zitronenmelisse, Bohnenkraut, Dill. Mit Estragon sollte man vorsichtig hantieren, da das Gericht sonst schnell zu einer Estragonsosse (oder einem Beckett-Stück) werden kann. Dort, wo die Grüne Sosse zuhause ist, wird ihr oft auch Pimpinelle beigegeben, aber finden Sie das hier mal.

Die fein gehackten Kräuter mischen Sie mit etwa 100 g saurem Halbrahm und 500 g Natur-Joghurt, etwas Senf, Salz, Pfeffer und ein, zwei Prisen Zucker und lassen auch das wieder ein paar Stunden durchziehen. Im Vergleich zur Salsa Verde, die ich salat-ähnlich mit grossen Kräuterstückchen bevorzuge, sollte die Frankfurter Grüne Sosse homogen flüssig sein. Sie ähnelt also eher einer kalten Suppe als einem Kräuterquark. Falls Sie keine Hackgeduld haben, hilft Ihnen ein Mixer.

Dazu werden Kartoffeln, hartgekochte Eier und Essiggurken serviert. Einfacher geht’s also kaum. Schmeckt sehr fein und ist ein ideales Znacht für warme Sommerabende, wenn man den Grill mal kalt lassen will.

Nicolette Kretz

Nicolette Kretz ist in Bern geboren, kehrte nach einigen Abstechern immer wieder hierhin zurück, arbeitet als Festivalleiterin und Autorin und kocht für den «Hauptstädter» Rezepte aus den Notizheften ihrer Grossmutter nach.


Publiziert am 10. Juli 2013