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  • Maske Nummer 1: Quark, Rahm und Honig.

  • Hält für immerhin eine Stunde, was der Schnipsel verspricht.

  • Maske Nummer 2: Eigelb mit Zitronensaft und Mandelöl.

  • Pickel und ein Mailänderli-Gesicht sind das Resultat der Eigelb-Variante.

  • Maske Nummer 3: Eiweiss, Honig und Mehl.

  • Ein Gefühl wie der Marshmallow-Man.

Schönheit aus dem Küchenschrank

Ein rätselhafter Schnipsel in Grossmutters Kochbuch verspricht Schönheit aus dem Küchenschrank. Ein mutiger Selbstversuch mit Folgen.

Auf den hinteren Seiten der Kochnotizhefte meiner Grossmutter kleben ein paar Schnipsel, die da nur so halb reingehören. Einer zum Beispiel mit der Überschrift «Vorher etwas Diät», den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

«Gönnen Sie Ihrer Leber eine kleine Erholungspause und halten Sie 48 Stunden vor der Feier ein wenig auf Diät: Zum Frühstück leichten Schwarz- oder Kräutertee mit Zitrone. Mittags heisse Gemüsesuppe, ein Joghurt und eine Frucht. Am Abend eine Scheibe mageren Schinken und einen grünen Salat sowie einen Apfel. Natürlich keinen Alkohol, dafür aber pro Tag mindestens zwei Liter Mineralwasser oder Kräutertee. Hagebuttentee soll den Teint verschönern! Wenn Sie befürchten, ohne Ihr Frühstück nicht durchzuhalten, dann machen Sie sich ein…» und da setze Grossmami leider die Schere an und der Text bricht ab. Unter anderem deshalb werde ich diese Empfehlung also nie ausprobieren.

Stattdessen soll es hier um den Schnipsel «Eine Schönheitsmaske» gehen, den ich mir als Anlass zu einem Selbstversuch genommen habe. Genauer gibt dieser kleine Artikel Anweisungen für nicht nur eine sondern gleich drei Schönheitsmasken, die sich alle aus alltäglichen Küchenartikeln herstellen lassen. Sie erfrischen, reinigen, ziehen die Poren zusammen und verschönern den Teint – laut Text.

Teil 1 des Experiments läuft unter «Schwedische Maske» und landet bei mir sonst eigentlich eher auf der Frühstückstafel. Man kann also entweder beim Frühstücken einschlafen und mit dem Gesicht in der Quarkschale landen oder man macht das etwas kontrollierter: «Bereiten Sie eine Creme mit drei Suppenlöffel frischem Quark, ein wenig frischem Rahm und 1 Suppenlöffel Honig.» Diese Masse verteilt man auf Gesicht und Hals und lässt sie 20 Minuten einwirken. Die Maske soll für jeden Hauttyp geeignet sein.

Das Treatment ist gerade an einem warmen Tag sehr erfrischend und vor allem in Vergleich zu den folgenden Masken ziemlich uneklig. Danach fühlt sich meine Gesichtshaut tatsächlich etwas weicher an also vorher. Doch leider hält dieser Effekt gerade mal eine Stunde. Und die Mengenangaben wären unbedingt zu überarbeiten: die Masse reicht für 2-3 Studentinnen-WGs.

Teil 2 des Experiments ist eine Eigelbmaske, «besonders zu empfehlen für trockene und empfindliche Haut». Ein Eigelb wird mit einigen Tropfen Zitronensaft und derselben Menge Mandelöl vermischt. Letzteres war nicht im Haus und ich ersetze es mit etwas Granatapfelöl. Ist, glaub ich, Hans was Heiri.

Diese Masse pinselte ich mit deutlich weniger Enthusiasmus ins Gesicht und fragte mich kurz, ob man Salmonellen wohl auch über die Haut aufnehmen kann. Alsbald schimmerten in empfindlicheren Gesichtspartien rote Flecken durch das Gelb hindurch, doch ich harrte die empfohlenen 10 Minuten aus. Am Ende dieser ist die Masse wie getrockneter Leim erstarrt, jegliche Mimik ist unmöglich und man fühlt sich wie ein Mailänderli. (Würden Mailänderli lächeln, wenn sie könnten?) Nach dem Abschrubben fühlte sich meine Haut weder besonders erfrischt noch gründlich gereinigt (beides verspricht der Artikel) an. Stattdessen bildeten sich im Laufe der nächsten Stunde Pickel auf meiner linken Wange.

Zum Glück gab es also noch einen dritten Teil des Experiments «für fette und unreine Haut». Hier wird Schnee von einem Eiweiss, 3 Suppenlöffel Honig und eine Messerspitze Mehl vermengt. Diesen flüssigen Schaum trägt man am besten auch mit dem Pinsel auf – wenn überhaupt. In den ersten zehn Minuten der 30-minütigen Einwirkzeit hielt ich Durchhalten noch für unmöglich. Ständig tropfte es klebrig von Kinn und Nase. Eine Tätigkeit mit möglichst wenig Bewegung empfiehlt sich und ich schaute also koreanische Horrorfilme, weil ich mich dabei sowieso nicht zu bewegen traue. Gegen Ende der halben Stunde fühlt man sich, als wäre man der Marshmallow Man oder direkt einer Vegard-Vinge-Vorstellung entsprungen. Bringen tut’s – abgesehen davon – nichts.

Ich empfehle also eher, Quark, Honig und Eier zu einem leckeren Frühstück zusammenzustellen. Meine Erfahrung zeigt, dass das dem Teint auch sehr gut tun kann und erfahrungsgemäss weniger eine Sauerei macht.

Nicolette Kretz

Nicolette Kretz ist in Bern geboren, kehrte nach einigen Abstechern immer wieder hierhin zurück, arbeitet als Festivalleiterin und Autorin und kocht für den «Hauptstädter» Rezepte aus den Notizheften ihrer Grossmutter nach.


Publiziert am 26. Juni 2013

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8 Kommentare

  1. marie says:

    lol! …klingt nach 9 1/2 wochen für harmlose ohne mickey rourke. aber ich hab gut reden – ich habe trockene haut, was einem ab einem bestimmten alter erwartet, deshalb habe ich mir von clarins huile santal gekauft. die riecht so gut nach gewürzen (kardamom), dass ich mir gut vorstellen kann, mit dieser den basmati reis zu würzen und nützt gegen trockene haut. tolle sache.

    • Philipp Rittermann says:

      …und in 5 jahren können sie dann aufs lederpflegemittel zugreifen! 🙂

    • marie says:

      billig und effizient im hohen alter:
      melkerfett und alkohol. wobei mir der ehem. direktor des anatomischen museum erklärt hat, dass formaldehyd eindeutig schonender konserviert. aber das ist für uns normalsterbliche nicht erschwinglich, ausser sie besitzen aktien bei BASF… kennen sie dort jemand? oder arbeiten sie bei denen?

    • Philipp Rittermann says:

      da kenne ich in der tat jemanden. a-ber. formaldehyd als konservierungsmittel empfiehlt sich eigentlich erst nach dem ableben. vorher kann das gewisse unschöne nebenwirkungen zeitigen…

  2. S.Wyss-Rufer says:

    Wenn man Grossmutters damaligen Schönheitsrezepte unbedingt ausprobieren will, muss man sich bewusst werden, das die “Schönheits-Chemie” mit ihren Placebos und Embryozellen noch nicht existierten. Die “Schreiberin” ist überhaupt nicht positiv eingestellt, warum hat sie diese Rezepte ver-
    öffentlicht? Schade

  3. Philipp Rittermann says:

    äh-ja. kleopatra hat ja auch in eselsmilch gebadet. bierbäder sind gut – für die haut und – zwischendurch kann man abtauchen und einen kräftigen schluck nehmen. meine todeshoffnung liegt ja nach wie vor in einem jacuzzi gefüllt mit feinstem single-malt. so hat ersaufen wenigstens stil. für die reifere haut empfehle ich eine mixtur aus minze, holundersirup, limettensaft und weisswein. man nennt das landläufig auch “hugo”. immer genug davon machen, dass man auch noch etwas auf’s gesicht streichen kann…einläufe mit vanille-rum entschlacken den darm und geben eine feine geschmacksnote. zur ganzkörperenthaarung nehme man eine lösung aus absinth, zucker und honigmelasse – auch hier – genügend davon machen. bei inkontinenz, potenzproblemen und menstruationsbeschwerden bestreiche man die genitalien mit einer paste aus eigelb, senfsamen, ringelnatterblut und getrockneten kuhfladen. ach ja – die guten alten hausmanns-rezepte.

    • Carolina says:

      😉 Sagt uns natürlich die Industrie nicht, aber die Menschen, die ich kenne, die wirklich sehr alt geworden sind, waren einem, zwei oder drei Dosen ihres ‘favourite tipple’ nicht abgeneigt. Das geht (ging) von einer halben Flasche Rotwein über Single Malt (s.o.), Eierlikörsche bis zu einer täglich medizinisch zu empfehlenden Dosis Klosterfrau….. Scheint ganz wunderbar zu konservieren, das Zeugs.

    • Philipp Rittermann says:

      definitiv. unsere gesellschaft ist zu pharma-gläubig geworden. viele heilmittel aus der natur führen auch zum ziel. und ein feines schäpschen zur gesundheit hat auch noch niemandem geschadet.

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  1. marie says:

    lol! …klingt nach 9 1/2 wochen für harmlose ohne mickey rourke. aber ich hab gut reden – ich habe trockene haut, was einem ab einem bestimmten alter erwartet, deshalb habe ich mir von clarins huile santal gekauft. die riecht so gut nach gewürzen (kardamom), dass ich mir gut vorstellen kann, mit dieser den basmati reis zu würzen und nützt gegen trockene haut. tolle sache.

    • Philipp Rittermann says:

      …und in 5 jahren können sie dann aufs lederpflegemittel zugreifen! 🙂

    • marie says:

      billig und effizient im hohen alter:
      melkerfett und alkohol. wobei mir der ehem. direktor des anatomischen museum erklärt hat, dass formaldehyd eindeutig schonender konserviert. aber das ist für uns normalsterbliche nicht erschwinglich, ausser sie besitzen aktien bei BASF… kennen sie dort jemand? oder arbeiten sie bei denen?

    • Philipp Rittermann says:

      da kenne ich in der tat jemanden. a-ber. formaldehyd als konservierungsmittel empfiehlt sich eigentlich erst nach dem ableben. vorher kann das gewisse unschöne nebenwirkungen zeitigen…

  2. S.Wyss-Rufer says:

    Wenn man Grossmutters damaligen Schönheitsrezepte unbedingt ausprobieren will, muss man sich bewusst werden, das die “Schönheits-Chemie” mit ihren Placebos und Embryozellen noch nicht existierten. Die “Schreiberin” ist überhaupt nicht positiv eingestellt, warum hat sie diese Rezepte ver-
    öffentlicht? Schade

  3. Philipp Rittermann says:

    äh-ja. kleopatra hat ja auch in eselsmilch gebadet. bierbäder sind gut – für die haut und – zwischendurch kann man abtauchen und einen kräftigen schluck nehmen. meine todeshoffnung liegt ja nach wie vor in einem jacuzzi gefüllt mit feinstem single-malt. so hat ersaufen wenigstens stil. für die reifere haut empfehle ich eine mixtur aus minze, holundersirup, limettensaft und weisswein. man nennt das landläufig auch “hugo”. immer genug davon machen, dass man auch noch etwas auf’s gesicht streichen kann…einläufe mit vanille-rum entschlacken den darm und geben eine feine geschmacksnote. zur ganzkörperenthaarung nehme man eine lösung aus absinth, zucker und honigmelasse – auch hier – genügend davon machen. bei inkontinenz, potenzproblemen und menstruationsbeschwerden bestreiche man die genitalien mit einer paste aus eigelb, senfsamen, ringelnatterblut und getrockneten kuhfladen. ach ja – die guten alten hausmanns-rezepte.

    • Carolina says:

      😉 Sagt uns natürlich die Industrie nicht, aber die Menschen, die ich kenne, die wirklich sehr alt geworden sind, waren einem, zwei oder drei Dosen ihres ‘favourite tipple’ nicht abgeneigt. Das geht (ging) von einer halben Flasche Rotwein über Single Malt (s.o.), Eierlikörsche bis zu einer täglich medizinisch zu empfehlenden Dosis Klosterfrau….. Scheint ganz wunderbar zu konservieren, das Zeugs.

    • Philipp Rittermann says:

      definitiv. unsere gesellschaft ist zu pharma-gläubig geworden. viele heilmittel aus der natur führen auch zum ziel. und ein feines schäpschen zur gesundheit hat auch noch niemandem geschadet.

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