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Glaubenssache

Freikirchen laden zum Dialog ein. Bern antwortet eloquent.

Dieser Schuss muss nach hinten losgehen, denkt sich unsereiner. Eine Vereinigung diverser Landes- und Freikirchen hat über Ostern schweizweit den «Dialog gesucht»: Mit den «Jesus ist…»-Plakaten, an denen Passantinnen und Passanten nach Lust und Laune Kommentare kritzeln konnten. Das Ergebnis scheint von vornherein klar. Welcher Filzschreiber-besitzende Teenager, der etwas auf sich hält, wird die Gelegenheit nicht für eine kleine Blasphemie-Orgie nutzen?

Doch dann: Nach einer vollen Woche Kampagne sieht die Ausgabe in der Lorraine wie folgt aus:
jesus1

Bei allem Respekt für die Religion: Ein Plakat, das zum Beschriften einlädt, und niemand schreibt «Penis» drauf? Wer’s glaubt wird selig.

Wir wälzten schon wilde Verschwörungstheorien. Diese Freikirchler zensieren die Plakate doch! Oder hängen regelmässig wieder Ersatzplakate auf! Volle zwei Wochen blieb das Lorraine-Plakat streng fromm. Bis sich das Bild dann plötzlich wesentlich änderte. So präsentiert sich das Plakat aktuell:

jesus2

Was sich daraus schliessen lässt? Entweder ist diese Stadt grundsätzlich frommer als gedacht. Oder am ollen Klischee der langsamen Berner ist doch was dran.

Postscriptum: Das Beitragsbild zuoberst wurde übrigens im fernen Appenzell (Ausserrhoden) aufgenommen, wenige Tage nach Beginn der Kampagne. Die gotteslästerliche Jugend ist da offensichtlich etwas aktiver.

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 7. April 2016