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  • Gab sich pikiert: Stapi Alexander Tschäppät.

  • Eigentlich ein vernünftiger Politiker: Alexander Feuz.

  • Eric Weber ist unermüdlich.

  • Eric Webers Hauptopfer: Der Basler Regierungspräsident Guy Morin.

  • «Der jüngste und schönste Grossrat der Schweiz»: Eric Weber.

Ein Mentor für Alexander Tschäppät

Eine Lektion für Alexander Tschäppät: In Basel weiss man, wie man Vorstösse richtig beantwortet.

Alexander Tschäppät war pikiert. «Der Gemeinderat erachtet den Vorstoss als des Parlaments der Bundeshauptstadt unwürdig. Er verzichtet deshalb auf eine Antwort.» Dabei wollte SVP-Stadtrat Alexander Feuz nur wissen, ob es geregelt sei, wenn die Gemeinderäte Werbung für Firmen machten. So wie es Tschäppät in einem Video für die Postfinance eben tat.

Vorher zweifelte Feuz aber noch die Wahlchancen des «Herrn Stadtpräsidenten» in den Nationalrat an, stocherte in den alten Wunden von Tschäppäts Auftritt als Komiker, schoss noch ein wenig gegen «Frau Gemeinderätin» Ursula Wyss und «Frau Nationalrätin» Margrit Kiener Nellen. Dass sich der beleidigte Gemeinderat einer Antwort verweigert, liess sich das Parlament nicht bieten: Es wies die erste Antwort zurück und will nun eine neue, richtige.

Dass sich Alexander Feuz manchmal im Ton vergreifen mag, sich aber eigentlich eben doch noch in einem recht vernünftigem Rahmen bewegt, wird für seine Gegner vielleicht erst im Kontrast klar. Blicken wir nach Basel. Grossrat Eric Weber hat vom Rheinknie aus die Herzen derjenigen mit Sinn für Skurilitäten erobert. Webers Gegenspieler heisst Guy Morin und ist Regierungspräsident von Basel-Stadt.

Dieser Guy Morin würde für Tschäppäts restliche Amtszeit einen guten Mentor abgeben. Auch durch die wildesten Ideen Eric Webers – des «jüngsten und schönsten Grossrates der Schweiz» – lässt sich die Basler Regierung nicht aus der Ruhe bringen. Wir haben Ihnen einige Beispiele zusammengestellt.

Schriftliche Anfrage Eric Webers betreffend schlimme Veränderungen im Grossen Rat – Wie können die Verschlimmbesserungen wieder abgeändert werden? In seiner Parlamentarieradresse fehle der Titel «Grossrat», er dürfe seine Reden nicht mehr im Sitzen halten, es sei ihm noch nie zum Geburtstag gratuliert worden, er wolle ein Büro im Rathaus, es gebe keine Vereinigung für ehemalige Parlamentarier. Vieles hat Eric Weber am Ratsbetrieb zu bemängeln, unter anderem auch: «Ich durfte als Fussballer nie [in der Fussballmannschaft des Grossen Rates] mitspielen, weil man genau wusste, ich würde die meisten Tore schiessen. Was kann ein Grossrat tun, konkret ich, wenn man weiterhin boykottiert wird?»
Antwort des Regierungsrates: «Der Grosse Rat ist zuständig für die Organisation des Parlamentsbetriebes.»

Leider noch nicht beantwortet, aber überwiesen ist folgende hübsche Anfrage:
Schriftliche Anfrage betreffend ein König oder eine Königin wäre eine Bereicherung für Basel. Wie könnte man in Basel eine Monarchie einführen, ob es das schon mal gegeben habe und ob man nicht eine Familie von Chemie-Erben in diese Rolle zwingen können, fragt Eric Weber den Regierungsrat.
Noch steht die Antwort aus, wir sind gespannt.

Beantwortet ist dafür schon diese Idee von Eric Weber:
Schriftliche Anfrage Eric Webers betreffend «kann Basel in Eric-Weber-Stadt umbenannt werden?». Eric Weber will vom Regierungsrat wissen, ob Basel nicht – ganz nach dem Vorbild von Chemnitz, das zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Stadt hiess – eventuell auch Eric-Weber-Stadt heissen könne. «Basel hat als Stadt abgewirtschaftet. Es muss ein Ruck durch die Stadt gehen. Die Volks-Aktion [Webers Partei] findet, das kann nur mit einem Namenswechsel gehen.»
Antwort des Regierungsrates: «Wir raten davon ab.»

So geht das, Herr Stadtpräsident Tschäppät.

Christian Zellweger

Christian Zellweger geht seit 2010 unter den Lauben Berns und schaut, wer auch schaut.


Publiziert am 23. Januar 2015

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