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  • Weisser Riese in der Ferne: Die Allianzarena.

  • Das berühmte Glockenspiel.

  • Wahrzeichen der Stadt: Das Neue Rathaus.

Bern – München – Bern (II)

Die Süddeutsche Zeitung schreibt über Bern. Ob sie überhaupt da war, ist zweifelhaft. Wir kontern mit einer Reisereportage über München. Ob wir überhaupt da waren?

Am Montag haben wir uns gefragt, ob die Reisereportage in der Süddeutschen Zeitung über Bern nicht vielleicht in München entstanden ist. Machen Sie den Test: Wo wohl diese Reportage über München entstanden ist?

Gern sagt man den Münchnern eine etwas umständliche Noblesse nach. Edmund Stoiber, bis 2007 Ministerpräsident des Freistaates Bayern, gibt ein gutes Beispiel ab: «Wenn Sie vom Hauptbahnhof starten – Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen Franz-Josef-Strauss, dann starten Sie praktisch hier im Hauptbahnhof München», sagte der einst. Auch wenn das am Ende nichts wurde, mit dem Transrapid, der schnellen Verbindung vom Münchner Flughafen in die Stadt: 38 Minuten über Land mit der knallig-roten S-Bahn reichen, um von dort zum Dreh- und Angelpunkt der Stadt zu gelangen: dem Marienplatz. Imposant steht es da, das Neue Rathaus. Mit seiner fein ziselierten neugotischen Fassade dominiert es die ganze nördliche Seite des Platzes.

Wir sind früh dran, und gegessen haben wir auch noch nichts. Also auf ins Café Glockenspiel, gleich am Rand des Marienplatzes, zum Frühstück – einem Frühstück, das es hier sogar bis 16.00 Uhr gibt. Für einen noch besseren Blick auf das berühmte Glockenspiel hätten wir auch in das Café in der Buchhandlung Hugendubel gehen können. Einfach ist es auch im Café Glockenspiel nicht, doch bei Hugendubel einen der begehrten Fensterplätze zu ergattern, ist nochmals eine Stufe schwieriger. Nach dem Frühstück – ganz günstig ist es an dieser exponierten Lagen natürlich nicht – stellen wir uns zu den anderen Touristen auf dem Marienplatz, um das erste Spektakel des Tages zu erleben: Während Punkt elf Uhr rundherum die Glocken der Kirchen das ihrige zur imposanten Geräuschkulisse beitragen, richten sich alle Blicke nach oben: Das berühmte Glockenspiel zeigt die Hochzeitszene von Wilhelm V., Herzog von Bayern mit Renate von Lothringen um 1568.

Nach dem Spektakel wollen wir einen Überblick über die Stadt gewinnen: Mit dem Lift geht es hoch hinauf im Neuen Rathaus zur Aussichtsplattform, die sich um die Turmspitze zieht. Von dort blicken wir herunter auf das Gewusel auf dem Marienplatz und über die Dächer der Altstadt bis an den Rand Münchens; in der Ferne ruht die Allianz-Arena, das Stadion des FC Bayern München, als weisser Riese in der Stadtlandschaft. Die 300 Treppenstufen auf den «alten Peter», den Turm der Peterskirche gleich hinter dem Marienplatz, sparen wir uns – obwohl der mit 91 Metern noch etwas höher wäre als das Rathaus. Bei Föhn soll man hier sogar die Alpen sehen, heisst es.

…wir könnten ewig so weitermachen. Doch an dieser Stelle müssen wir abbrechen. Journalisten gehören sowieso schon zu einer Berufsgruppe, der nur knapp mehr Vertrauen entgegengebracht wird als Werbefachleuten, Versicherungsvertretern und Politikern. Für einmal liegen Sie mit diesem Misstrauen natürlich richtig, die Reportage ist erfunden. Beim Text der Süddeutschen hingegen ist das nicht ganz so klar.

Freilich liefert hier der Kommentar der Hauptstädter-Leserin «Sprossenleiterin» zum Blogbeitrag vom Montag einen Anhaltspunkt dafür, dass die Süddeutsche tatsächlich Bern nie von Nah gesehen hat: «Hm, der Hinweis auf die Autorin untermauert diese Vermutung ja geradezu: ‹Sarah K. Schmidt, Jahrgang 1985, … Bei Süddeutsche.de ist Sarah vor allem am Newsdesk … zu finden. Einmal die Woche reist sie um die Welt, meist allerdings vom Schreibtisch des Reiseressorts aus….›»

Christian Zellweger

Christian Zellweger geht seit 2010 unter den Lauben Berns und schaut, wer auch schaut.


Publiziert am 1. Oktober 2014

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