Wie Sie am Aufstieg Chinas partizipieren

Aktien chinesischer Unternehmen bieten für sehr langfristig ausgerichtete Investoren Chancen. Die Risiken sind allerdings gross.

China ist inzwischen eine der führenden Nationen im Technologiesektor: Arbeiter bauen in einer Fabrik in Taiyuan Computer zusammen. Foto: Getty Images

Von verschiedener Seite höre ich, dass es lohnenswert sein könnte, in den chinesischen Markt zu investieren nach dem Motto: Die letzten zehn Jahre gehörten den USA, die nächsten zehn China. Nun ist es aber gar nicht so einfach, chinesische Aktien zu kaufen, ausser denen, die an amerikanischen oder europäischen Börsen gehandelt werden. Meines Wissens gibt es ETFs mit chinesischen Aktien. Was halten Sie davon? M.S.

Ich teile Ihre Einschätzung, dass die chinesische Wirtschaft auch künftig stark wachsen wird – sicher stärker als die Wirtschaft in Europa und den USA. Daran ändert auch die aktuelle Corona-Krise nichts.

Zwar hat auch in China das Wachstum stark gelitten und präsentiert sich selbst unabhängig von den Folgen der Lungenkrankheit weniger dynamisch als in früheren Phasen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass China in vielleicht schon zwanzig Jahren die USA als grösste Volkswirtschaft der Welt ablösen wird.

Schon heute ist das Reich der Mitte global die zweitgrösste Volkswirtschaft und hatte bereits vor Jahren mit seiner Wirtschaftsleistung Japan überholt. Unter Umständen könnte die aktuelle Krise China gegenüber den USA einen Vorteil bringen. Obwohl statistische Daten aus China generell mit grosser Vorsicht zu geniessen sind, ist es eine Tatsache, dass die Wirtschaft in China langsam wieder an Fahrt gewinnt, während in den USA und Europa der Konjunkturabsturz erst noch richtig erfolgt und wir die Krise wohl noch länger nicht überstanden haben.

Für ein Engagement in chinesische Papiere spricht nur schon die immense Bevölkerung des Landes.

Wenn die Wirtschaft in China stärker wächst als die anderen grossen Volkswirtschaften der Welt, begünstigt das die chinesischen Aktien. Für ein Engagement in chinesische Papiere spricht nur schon die immense Bevölkerung des Landes. Allein der Inlandkonsum sorgt für ein enormes Wachstum. Darüber hinaus sind chinesische Firmen auch international erfolgreich, der internationale Handelsstreit ist angesichts der Corona-Krise in den Hintergrund getreten, und das Land versucht, mit dem Seidenstrassenprojekt seine Marktstellung weltweit auszubauen.

Allerdings ist es in der Tat nicht ganz einfach, in chinesische Aktien zu investieren. In China wird grundsätzlich zwischen drei Aktienklassen unterschieden. Die chinesischen A-Aktien oder A-shares sind Titel von chinesischen Firmen, die an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen in lokaler Währung gehandelt werden. Professionelle Investoren aus dem Ausland, die über eine Lizenz verfügen, dürfen in diese Werte unter Auflagen investieren.

Klasse zwei sind die Chinesischen B-Aktien oder B-shares. Dabei handelt es sich um Papiere chinesischer Unternehmen, die an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen in ausländischer Währung gehandelt werden und allen offen stehen. Klasse drei sind die Hongkong H-Aktien oder H-shares: Dabei handelt es sich um Aktien chinesischer Unternehmen, die an der Börse in Hongkong in Hongkong-Dollar gehandelt werden.

Anstatt in Einzelaktien zu investieren, können Anlagefonds oder ETFs genutzt werden.

Vor diesem Hintergrund und vor allem auch aus Diversifikationsgründen würde ich in China nicht in Einzelaktien investieren, sondern Anlagefonds oder einen Exchange Traded Fund (ETF) nutzen, der an einen China-Index gekoppelt ist, wobei rund zehn Indizes in Frage kommen. Attraktiv finde ich für diesen Zweck den MSCI China A International Index oder den MSCI China A Inclusion.

Der MSCI China A International Index ermöglicht Zugang zu den grössten und umsatzstärksten chinesischen A-Aktien, die in chinesischen Renminbi gehandelt werden. Der MSCI China A Inclusion Index schafft Zugang zu chinesischen A-Aktien, die auch im MSCI Emerging Markets enthalten sind. In diese Indices anlegen kann man kostengünstig über den HSBC MSCI China A Inclusion UCITS ETF mit einer Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio, TER) von 0,3 Prozent. Etwas teurer mit 0,4 Prozent ist der iShares MSCI China A UCITS ETF, der ein deutlich höheres Fondsvolumen aufweist.

Eine Überlegung wert sind aus meiner Sicht auch Asien-Indizes, bei denen China stark gewichtet wird, in denen aber auch Aktien von anderen asiatischen Ländern vertreten sind. Ein Beispiel dafür ist der MSCI Emerging Markets Far East Index mit den grössten Unternehmen Chinas, Indonesiens, Koreas, Malaysias, den Philippinen, Taiwans sowie Thailands. Beim HSBC MSCI EM Far East UCITS ETF USD zahlt man aber mit 0,6 Prozent deutlich höhere Gebühren.

Aus meiner Sicht bietet der chinesische Aktienmarkt für sehr langfristig ausgerichtete Investoren attraktive Chancen. Die Risiken sind allerdings gross. Über das eigentliche hohe Anlagerisiko, welches alle Aktien beinhalten, sollte man im Falle Chinas jederzeit auch erhöhte geopolitische und innenpolitische Risiken im Auge behalten.

12 Kommentare zu «Wie Sie am Aufstieg Chinas partizipieren»

  • Anh Toàn sagt:

    „Ich teile Ihre Einschätzung, dass die chinesische Wirtschaft auch künftig stark wachsen wird.“

    Diese Einschätzung wird allgemein geteilt, aber auf China rollen Probleme zu: Die gigantischen Schuldenberge (der Unternehmen vor allem in China) sind immerhin zu einem grossen Teil in eigener Währung, können weg inflationiert werden. Das noch grössere Problem ist die Demographie in China dank der 1 Kind Politik, welche inzwischen abgeschafft wurde, aber die Chinesen wollen dennoch nicht mehr als 1 Kind, zu teuer wären mehrere für die inzwischen breite Mittelschicht (nicht nach unserem Verständnis „Mittelschicht“). Bald schrumpft die Bevölkerung in China, zu wenig Frauen in gebärfähige und -willige Frauen, dann wird’s schwierig mit den Wachstumsraten.

    • Anh Toàn sagt:

      Die Einschätzung, dass Chinas Wirtschaft auch in Zukunft stark wachsen wird, ist kein Grund chinesische Aktien zu kaufen, da diese Einschätzung in den Aktienpreisen enthalten ist, das Wachstum ist bereits eingepreist: Wer glaubt, die chinesische Wirtschaft wachse noch schneller als erwartet, kauft chinesische Aktien.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Der grösste chinesische Markt, der in den Vereinigten Staaten von Amerika vor 60 Jahren als „Cigar Excise Tax Extension Act of 1960“ von der Eisenhower Administration eingeführt wurde und heute in etwa 40 Ländern praktiziert wird, wurde gerade vor ein paar Monaten in der Volksrepublik China bewilligt und könnte ein Markt von umgerechnet CHF 6 Billionen werden, er nennt sich Real Estate Investment Trust oder REIT.

    Pearl Liu erklärte am 2, Mai 2020 im South China Morning Post in „China looks to real estate investment trusts to tap household savings, while letting the air out of property bubbles“, dass China auf Immobilieninvestment-Trusts setzt, um die Ersparnisse der privaten Haushalte zu erschließen und gleichzeitig die Luft aus den Immobilienblasen zu lassen!

    • Panja Flöte sagt:

      Dass mit den REITs die Ersparnisse der privaten Haushalte erschlossen werden, verstehe ich. Aber wieso sollte damit die Luft aus den Immobilienblasen gelassen werden?

      • Hans Meier sagt:

        Weil man die Luft von einer Blase in die nächste Blase pumpt, ganz einfach. Solange das niemand merkt, kann man diesen Hokuspokus eine ganze Weile weiter betreiben.

  • Peter Steinmann sagt:

    Das grösste Problem mit den Aktien in PRC ist nicht erwähnt – dass die Kurse nichts mit der Realwirtschaft zu tun haben sondern politisch sowie irrational über Kleininvestoren gelenkt/manipuliert sind. Dazu kommt ein doch erhebliches Wechselkursrisiko, da der RMB Wert ebenfalls künstlich-politisch gelenkt wird.
    Wir für unseren Fall ziehen unser Geld nach zugegebenermassen schönen Gewinnen langsam ab, bisher zu etwa 50% (Kapitalkontrollen!).

  • Reto König sagt:

    Ich halte Investitionen in China für unethisch, unmoralisch und mittelfristig schädlich für unseren Wohlstand.

  • T. knobeloch sagt:

    Eine ausführliche und kostenlose Analyse über Chancen und Gefahren für Investments in China gibt es hier:
    https://bolesch-analysen.com/laenderanalyse-china/

  • Michael Schaerer sagt:

    Was passiert wenn China die absolute Wirtschafts und Militaermacht wird.
    Die Seidenstrasse ist Realisiert.
    Werden wir in Europa dann gezwungen deren Ideologie anzuerkennen.
    Untertanen sozusagen ?
    Wer nicht Chinesisch lernt kommt ins Umerziehungslager.

Kommentar

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