Wie kann ich Negativzinsen umgehen?

Bei hohen Summen auf dem Konto setzen immer mehr Banken auf Strafzinsen – zulasten der Kundschaft. Was sich anbietet, damit man kein Geld verliert.

Eine Möglichkeit gegen Negativzinsen: Geld abheben und auf eine neue Bank verschieben. Foto: Keystone

Meine Tante, 78 Jahre alt, hat mich um Rat gebeten. Ihre Bank, die ZKB, habe ihr mitgeteilt, dass sie Negativzins zahlen müsste, weil ihr liquides Vermögen zu gross sei. Sie solle doch in Wertpapieren anlegen. Das will sie aber auf keinen Fall, weil sie zu wenig darüber wisse und sich nicht damit beschäftigen möchte. Ich schlug ihr vor, so viel Geld wie nötig auf eine andere Bank zu transferieren. Was denken Sie? Z.B.

Wenn man mit Negativzinsen konfrontiert ist, kann man seine liquiden Mittel aufteilen und auf mehrere Banken verteilen oder sogar alles auf eine andere Bank verschieben, die noch keine Negativzinsen verrechnet. Das funktioniert kurzfristig.

Mittel- bis langfristig bekommt man indes wieder ein Problem: Denn Negativzinsen sind bei allen Banken in der Schweiz ein Thema. Immer mehr Institute verrechnen Negativzinsen. Immerhin ist man als Sparer bei Summen unter 100’000 Franken in der Regel von Negativzinsen verschont. Sobald man aber hohe Beträge von über 100’000 Franken einfach auf einem Konto liegenlässt, riskiert man bei den meisten Instituten, Negativzinsen bezahlen zu müssen.

Ob die betroffene Bank das durchsetzt oder nicht, hängt auch von der übrigen Geschäftsbeziehung ab. So hat etwa die Bank Ihrer Tante, die ZKB, kommuniziert, dass sie nicht generell Negativsätze bei liquiden Mitteln von 100’000 Franken oder mehr verrechnet. Sondern nur dann, wenn keine anderen Geschäfte mit der Bank getätigt werden. Wenn jemand bei dem Institut noch eine Hypothek hat oder Fonds und andere Wertschriften hält, wird auf Negativzinsen auf den hohen liquiden Mitteln verzichtet. Gleich handhaben es andere Institute.

Das Problem hoher Geldbeträge auf dem Konto sind nicht allein nur die Negativzinsen.

Wenn Ihre Tante nun die grossen liquiden Mittel einfach auf eine andere Bank verschiebt, dürfte sie sehr bald auch dort mit der Forderung nach Negativzinsen konfrontiert sein. Bevor Sie das Konto bei der bestehenden Bank künden und mit Ihrer Tante zu einer anderen Bank wechseln, rate ich Ihnen, die genauen Bedingungen betreffend Negativzinsen bei der neuen Bank abzuklären.

Besser, als die Bank wegen Negativzinsen zu wechseln, wäre aus meiner Sicht, wenigstens einen Teil der liquiden Mittel zu investieren. Denn das Problem hoher Geldbeträge auf dem Konto sind nicht allein nur die Negativzinsen. Auch ohne Negativsätze verliert Ihre Tante auf dem Konto faktisch Geld, wenn man die Kontoführungsgebühren und vor allem die Teuerung mitberücksichtigt.

Auf dem Konto bekommt man keinen Zins und hat zwar keine sichtbaren Buchverluste, aber die Teuerung hat zur Folge, dass der Wert des Geldes stetig abnimmt. Darum sollte man mit seinem Kapital zumindest eine Rendite erwirtschaften, welche die Teuerung und die Gebühren übersteigt. Ansonsten verliert man Geld.

Ich verstehe durchaus, dass Ihre Tante vorsichtig ist, möglichst keine Verluste will – wie wir es seit Ausbruch der Corona-Krise in verschiedenen Anlageklassen gesehen haben – und sich auch nicht selbst um die Verwaltung ihres Vermögens kümmern möchte. Eine Alternative könnte ein Vermögensverwaltungsmandat sein, das sie ihrer Bank erteilt. Dabei wird das Geld gemäss ihrer Risikobereitschaft investiert und sie hat eine reale Chance, auch nach Gebühren etwas Ertrag zu erwirtschaften.

Dennoch bleibt selbst bei einer konservativen Anlagestrategie immer ein Rest-Anlagerisiko, das Ihre Tante trägt. Wegen der Corona-Krise dürfte es auch in den nächsten Monaten – besonders bei Aktien – zu starken Kursausschlägen kommen. Selbst neue Einbrüche sind nach der starken Erholung seit dem Crash möglich. Spekulieren würde ich mit dem Geld definitiv nicht. Mit steigendem Alter hat man naturgemäss einen abnehmenden Anlagehorizont und will sich sicher nicht noch über mögliche Buchverluste ärgern.

Gar nicht zu investieren, ist meist aber auch keine gute Lösung, da man dann bei hohen Summen Negativzinsen riskiert oder zumindest wegen der Teuerung stetig Geld verliert.

21 Kommentare zu «Wie kann ich Negativzinsen umgehen?»

  • Anh Toàn sagt:

    Negativzinsen kann man nicht vermeiden, wie man ganz generell das aktuelle Zinsniveau in seiner Referenzwährung nicht ändern kann. Mehr Ertrag gibt es nur mit mehr Risiken, was die Frau nicht will:

    Trotzdem wird hier gesagt, sie müsse es wollen, wenn sie es nicht versteht, solle sie einfach einem Berater vertrauen (Verwaltungsmandat), der macht das dann schon richtig für sie, und der kann ohne Risiken ihr mehr Rendite verschaffen und seinem Arbeitgeber einen Gewinn nach seinem Lohn mit Bonus. Das können eben nur diese Banken, also die Berater, und das ist toll, dass die deren Kunden mehr Rendite ohne Risiko verschaffen.

    • Anh Toàn sagt:

      Allenfalls kann man einen Nahestehenden eine Hypo geben, eine die jede Bank geben würde, so maximal 50% Belastung und realistische und beabsichtigte Totalamortisation innert 15 Jahren, selbstverständlich mit eingetragenem Grundpfand: Risiken: Kaum mehr, als dass man, wenn die versprochenen regelmässigen Amortisationen ausbleiben, nicht bis zur Versteigerung des Hauses die rechtlichen Schritte unternimmt. Ansonsten gibt es bei 50% Belastung noch das Objektrisiko (irgendetwas macht unmöglich, da zu wohnen dauerhaft, der Boden hat keinen Wert mehr, der dürfte alleine schon 50% des Wertes decken. Und klar, auch Immobilienpreise können einbrechen um 50%, aber was hat dann noch wert. Den Zinssatz für sowas würde ich bei Null sehen: Keine Negativzinsen und keine Hypozinsen für die Banken…

      • Anh Toàn sagt:

        Bei etwas persönlichen Vertrauen kann man sogar, über das hinausgehen, was jede Bank gibt, nie aber mehr als 50% des Verkehrswertes (nicht für Liebhaberobjekte etc.): Und dann auch etwas Zins, ist mehr Risiko „Subprime“. Und wissen, nochmal, rechtlich vorgehen zu müssen gegen den Nahestehenden, sonst ist es Schenkung.
        Aber die Tragbarkeitskriterien der Banken sind etwas starr: Hat ein Nahestehender bewiesen, dass er in der Vergangenheit auch mehr für Miete / bzw. eben Amortisationen und Zinsen auf die Schulden für sein Wohneigentum aufgewendet hat, als die Tragbarkeitskriterien der Banken erlauben, kann ein Privater das Geschäft dennoch machen z.B. Oder Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist schlecht belastbar bei Banken, aber manchmal sicherer, als manche Arbeitsverträge.

  • Panja Flöte sagt:

    Anlageberater kosten viel Geld, und sie handeln nicht unbedingt im Sinne des Vermögenden. Natürlich gibt es hervorragende Anlageberater, denen man vertrauen kann, aber wer kennt die schon?

    Eine Lösung kann sein, dass ein Familienmitglied der Tante beim Anlegen hilft. Natürlich immer nur ganz einfache und günstige Lösungen wählen (Avadis, TrueWealth, „Sparen mit ETFs” beim Vermögenszentrum).

    Und wenn die Tante halt partout nicht will, dann das Geld bei mehreren Banken (inkl. PostFinance) halten. Oder einfach nichts machen und den Negativzins akzeptieren.

    • Peter Schneider sagt:

      Warum dieser Avadis-Spam – der ja jeder Blinde als das erkennen kann – nicht einfach unterbunden wird?

      • Panja Flöte sagt:

        Wieso beschweren Sie sich nicht über TrueWealth- oder VZ-Spam? Habe ich oben ja auch erwähnt.

        Avadis hat nun einfach viel zu bieten, kann ja jeder selbst überprüfen. Nur her damit mit Tipps, wenn es neben den 3 oben erwähnten noch andere gute und faire Anlagemöglichkeiten gibt.

  • Herbert Rieder sagt:

    bla bla bla, wie immer
    ETF sind die sicherste methode!!!

  • Schlingu sagt:

    Safe mieten und die Noten dort deponieren

  • Uhu sagt:

    Schlucken sie die bittere Kröte ,lassen sie alles wie es ist.
    So ist ihr Verlust berechenbar und sie wissen immer wieviel Geld sie haben.
    Wenn sie ihr Geld Verwalten lassen bezahlen Sie der Bank dafür Verwaltungsgebühren.
    Wenn Sie ihr Geld Anlegen bezahlen Sie der Bank beim Kauf und Verkauf und jedes Jahr die Depotgebühren.
    Und sie wissen nie wieviel Geld sie gerade haben.
    Wenn sie bei Anlagen kein Risiko eingehen fressen die Gebühren den Gewinn auf.
    Wenn Sie Gewinn wollen riskieren Sie auch Verlust.
    Sie haben die Wahl

  • felix burger sagt:

    Bei Cembra Moneybank gibts bis zu 1 Mio. Kassenobligationen mit Zinsen je nach Laufzeit zwischen 0.10 und 0.80%.
    Warum nicht in verschiedene Laufzeiten gestückelt investieren?

    • Peter Schneider sagt:

      Ich gebe keiner Cembra Moneybank Geld, die um 10% von Ihren Kunden verlangt, um diese Zinsdifferenz-Perversion zu unterstützen.

  • Johnny sagt:

    Ein Schliessfach kostet 70 Stutz und dort haben Unmengen an Tausendernoten ihren würdevollen Ruheort bis zur nächsten Verwendung.

    • Peter Schneider sagt:

      Nein, das kostet deutlich mehr, weil man die Noten versichern müsste. Ansonsten übernimmt niemand den Schaden, wenn eben doch ein Einbruch stattfindet oder die Bank abbrennt. Siehe Raiffeisenbank Basel.
      Ich vermute böse, dass die Versicherungsgebühren nicht weit von den Negativzinsgebühren weg liegen.

      • Johnny sagt:

        Saferaum abbrennen………???
        Herrjeh ein bisschen Risiko gehört halt zum Leben.
        Raiffeisenbank in Basel war ein 24×7 self-service Saferaum.
        Nicht gerade eine Glanzidee.

  • Maja Iten sagt:

    Das ist ja nicht gerade erhellend, noch motivierend. Ich hätte hier schon etwas mehr Tipps gewünscht. Im reichsten Land der Welt kann’s das ja nicht gewesen sein.

    • Johnny sagt:

      Nun ja.
      Alles Papiergeld ist mies.
      Aber die Schweiz hat wenigstens eine der am wenigsten miesen Währungen.
      Auch im reichsten Land der Welt bleibt nichts anderes als die Spekulation übrig.

  • Ursel sagt:

    Ich finde es immer noch am billigsten, das Geld auf verschiedene Banken zu verteilen.

  • Ruedi Geiser sagt:

    Das letzte Hemd hat keine Tasche!
    Rational wäre der Ansatz:
    Die Dame schätzt ab, was von dem Kapitalberg sie noch benötigt, und den Rest vererbt oder spendet sie vorzeitig. Heute erben Viele erst, wenn sie den Geldsegen auch nur noch verwalten können, statt ihn für etwas für sie Nützliches/Sinnvolles einzusetzen.

  • Ruedi Geiser sagt:

    Das letzte Hemd hat keine Tasche. Wieso schätzt die Dame nicht ab, was sie noch selber braucht und vererbt den Rest des Geldberges vorzeitig. Die Erben können im mittleren Alter (in denen man noch Kinder hat) eher etwas Schlaues damit anfangen, als in alten Jahren auch nur Geldsorgen zu haben.

  • Maciej Pietrzak sagt:

    Das habe ich schon bei anderen ähnlichen Blog hier geschrieben. Die Dame solle schon vor 20 Jahren Gold kaufen und in ein Schliessfach stellen. Schon damals konnte man ahnen, was es auf uns kommt. Ich habe damals mein Konto bei der USB aufgelöst, und bei einer anderen Bank geöffnet. Ein Restrisiko bleibt immer. In der Schweiz der Besitz vom Gold war noch nie verboten, wie ich glaube. Das bedeutet aber nicht, dass in der Zukunft das Verbot vom Gold-besitzt nicht verbieten werden kann. Wenn die EU so macht, dann wird die Schweiz erpresst, und muss folgen, in die Interesse unserer Oligarchie.

Kommentar

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