Was tun mit zu viel Bargeld?

Wer seine Ersparnisse nicht investiert, dem drohen Negativzinsen. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Investieren oder nicht? Von Banken sollte man sich nicht zu Investitionen der Ersparnisse drängen lassen. Foto: Keystone

Ich habe viel Bargeld auf mehreren Banken, wo mir Negativzinsen drohen. Ich sollte investieren. Die eine Bank gab mir eine Frist bis Ende Monat. Ich habe aber überhaupt keine Lust zu investieren in diesem unsicheren Wirtschaftsumfeld. Ich habe vorgeschlagen, mit 500’000 Franken einzusteigen, aber nicht in den Fonds der Bank. Was mich interessiert, sind Roche-Aktien, Galenica, Lonza, Microsoft, Apple und Amazon. Was meinen Sie dazu? Ein halbes Jahr Geld liegen zu lassen, ist sicherlich nicht wirtschaftlich, aber ich habe einfach Höllenangst. S.C.

Grundsätzlich sollten Sie sich zu nichts drängen lassen. Es ist Ihr Geld. Und nur Sie tragen letztlich die Verantwortung dafür – im positiven wie im negativen Sinne. Ob Sie sich von Ihren Banken nur beraten lassen oder ein Vermögensverwaltungsmandat erteilen: Sie tragen immer das volle Anlagerisiko. Ich würde einem Anlagevorschlag nur zustimmen, wenn Sie volles Vertrauen und für sich selbst ein gutes Gefühl haben. Denn wenn etwas schiefgeht, sitzen Sie auf den Verlusten – und nur Sie.

Ich verstehe, dass Sie angesichts der weltweiten negativen Wirtschaftsperspektiven Angst haben, Ihr Geld zu investieren. Die Finanzmärkte werden sich kaum schnell beruhigen. Vielmehr müssen Sie an den Börsen auch in den nächsten Monaten und wahrscheinlich sogar auch in den nächsten Jahren mit steilen Berg- und Talfahrten rechnen.

Die Märkte sind mit vielen Unsicherheitsfaktoren konfrontiert. Die wichtigsten sind die Corona-Krise und die gravierenden Folgen für die Wirtschaft. Dazu kommen die Spannungen zwischen den Supermächten USA und China und weitere geopolitische Risiken. Erholungsphasen werden immer wieder von neuen Rückschlägen abgelöst. Das muss man als Anleger aushalten können.

Allerdings ist Angst beim Investieren ein schlechter Ratgeber. Darum empfehle ich Ihnen, einfach mal für sich rational eine Auslegeordnung verschiedener Aspekte, die für Ihren Investitionsentscheid relevant sind, zu machen.

Wenn Sie das Geld einfach in Cash behalten, fahren Sie keine Buchverluste ein, das ist positiv. Dafür drohen Ihnen nicht nur Negativzinsen auf dem Konto, sondern Sie tragen auch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko: Im Falle eines Bankkonkurses wären im Rahmen des gesetzlichen Einlagenschutzes nur maximal 100’000 Franken pro Bank und Kunde geschützt.

Wertschriften hingegen bleiben auch bei einem Bankkonkurs im Besitz der Kunden. Darüber hinaus verlieren Sie auf den Cash-Positionen stetig ganz leicht Geld, denn die Teuerung nagt am Geld und sorgt dafür, dass dessen Wert laufend etwas abnimmt.

Gegensteuer können Sie geben, indem Sie investieren und dafür sorgen, dass Ihr Geld eine Rendite bringt. Da Sie Angst haben, würde ich nicht einfach gleich alles Geld investieren, sondern dies in Schritten tun – so, wie Sie es planen. So können Sie für sich beim Anlegen Vertrauen gewinnen.

Genau diese Aktien sind nicht günstig, einzelne wie Amazon haben sogar Rekordstände erreicht.

Die von Ihnen für eine Anlage ins Auge gefassten Aktien von Roche, Galenica, Lonza, Microsoft, Apple und Amazon finde ich sehr sinnvoll. Sie setzen dabei auf die Bereiche Pharma und Gesundheitswesen sowie auf die Digitalisierung. Beides verspricht trotz Rezession in den nächsten Jahren Wachstum.

Der einzige Nachteil dabei ist: Genau diese Aktien sind nicht günstig, einzelne – etwa Amazon – haben sogar Rekordstände erreicht. Seit dem Crash im März haben sich die Aktien stark erholt. Ich gehe aber angesichts der trüben Wirtschaftsaussichten davon aus, dass wir wieder neue Korrekturen erleben. Ich würde der Bank daher den Auftrag geben, die erwähnten Aktien in der nächsten stärkeren Korrektur zu kaufen. Noch besser ist es, wenn Sie Ihre Käufe staffeln. Da verringern Sie Ihr Risiko, zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt gekauft zu haben.

Über diese Aktienpositionen hinaus sollten Sie Ihr Geld breit diversifiziert anlegen. Sie sollten nicht nur bei den Aktien noch deutlich mehr diversifizieren, sondern auch andere Anlageklassen wie Obligationen, Rohstoffe oder Immobilien berücksichtigen. So können Sie Schwankungen reduzieren.

Gold hat den Nachteil, dass es keine Rendite bringt.

Da Sie sehr grossen Wert auf Sicherheit legen, würde ich auch eine Goldposition aufbauen. Gold bietet Ihnen einen Inflationsschutz. Die längst vergessene Inflation könnte langfristig angesichts der steigenden Schuldenberge und der immensen Milliarden, welche von Notenbanken und Regierung in die Märkte gepumpt werden, in ein paar Jahren wieder ein Thema werden.

Gold hat aber den Nachteil, dass es keine Rendite bringt und ebenfalls starken Schwankungen ausgesetzt ist. Zudem ist der Goldpreis in letzter Zeit stark gestiegen. Auch da würde ich nur gestaffelt einsteigen.

21 Kommentare zu «Was tun mit zu viel Bargeld?»

  • Peter Rohner sagt:

    Wer Angst vor dem Investieren hat, sollte sich auf dem Gebiet „Geldanlage” weiterbilden, denn nur so lässt sich die Angst überwinden (sobald man den „Gegner” kennt, wirkt er nur noch halb so gefährlich). — Gute Bücher zu diesem Thema gibt es von Gerd Kommer oder Martin Weber.

    Bei einer guten Diversifikation und einer langfristigen Aktienanlage kann wenig schief gehen, das hat zumindest die Vergangenheit gezeigt. Aktien sind bekanntlich Anteile von Firmen, die Mitarbeiter einstellen, Löhne bezahlen, Produkte herstellen, Erfindungen machen etc. Gescheite, ergeizige Menschen führen diese Firmen, und viele von ihnen wollen den Profit erhöhen, was zu einem Wachstum führt. Und somit zu steigenden Aktienkursen.

    • Eru sagt:

      „Wachstum, gescheite ergeizige Menschen, Profit erhöhen“? International sind solche Konzerne eine Gefahr für den sozialen Frieden, Demokratie und die Umwelt! Alles was uns z.Z. zu unlösbaren Problemen führt, wenn man es nicht nur durch die Lila ökonomische Brille sieht sondern auch ökologisch betrachtet. Daher wäre ihr Rat eher Regional zu investieren sinnvoller, da man sich eher kennt & so eher Verantwortung, Moral erwarten kann als das bei internationalen Konzernen ist. Wenn die Gewinner unter uns sind, ist die Gefahr grenzenloser Gier & Umweltzerstörung geringer oder lässt sich besser steuern/bekämpfen. Ein Grund nicht verallgemeinernd Aktien zu empfehlen und zurück zur Vernunft aller Marktteilnehmer ist, aus meiner Sicht, sinnvoller als das grenzenlose Wachstum für mehr Gewinn!

      • kurtkuster sagt:

        Wenn man bloss Negativzinsen vermeiden will bietet sich z.B. eine Anlage in Kassenobligationen bei Cembra Money Bank. Anlagen sind bis 1 Mio möglich und erhält einen kleinen Zins.
        Zusammen mit eingesparten Negativzinsen kommt man dann auch auf ca. 1% p.a.

      • Peter Rohner sagt:

        Ja! Darum braucht es auch die Konzerninitiative. Und CO2-Gesetze und -Abgaben. Und den internationalen Gerichtshof. — Wachstum ist auch ohne Ausbeutung der Umwelt und Misshandlung von Arbeitnehmern möglich. Am besten nur ETFs mit dem Zusatz ESG oder SRI kaufen. Bin voll auf dieser Linie.

  • Anh Toàn sagt:

    Wenn ich dies hier zusammenfasse, man liest dies auch an anderen Orten, heisst es:

    Dieser Arme Reiche bekommt keine Zinsen, es wird ihm sogar weggenommen, weil die Staaten so viele Schulden hätten, und die grösste Gefahr für seinen Reichtum liege darin, dass die Staaten noch mehr Schulden machen, um ihre Währung zu inflationieren:

    Aber was macht er mit seinem Geld, wenn die Staaten, hier die SNB, keine Schulden mehr bei Banken haben wollen? Ihre Schulden zurück zahlen? Dann will die Bank seine CHF erst recht nicht, wer zahlt ihm dann einen Zins?

    Die Zinsen sind tief, weil es zu wenig Schuldner gibt, es zu wenig Nachfrage nach Kredit gibt.

    • Anh Toàn sagt:

      Die Denkweise, Sparer hätten ein Recht auf risikolose Vermögensvermehrung, weil sie die Guten sind, sagt nichts anderes, als dass das Kapital ein Recht hätte, sich zu vermehren, laufend logischerweise immer mehr Zinsen bezahlt werden müssen und immer weniger für Arbeit: Der Idealzustand für die Wirtschaft, das Kapital, ist billige Zinsen, billige Energie und vor allem billige Arbeit: Idealerweise sollten wir gratis arbeiten, der Staat sich bei diesem Reichen verschulden um sein Eigentum vor Plünderung durch uns Habenichtse zu schützen, und vor Einwanderung durch fremde Habenichtse, und ihm dafür einen realen Zins zahlen, weil hätte er nicht gespart, wäre jetzt auch nichts da, um sein Eigentum zu schützen. Das wäre ideal.

  • Anh Toàn sagt:

    „Was tun mit zuviel Bargeld“: Konsumieren oder verschenken / vorvererben: „Niemand kann grossen Überfluss an Reichtümern erwerben oder behalten, frei von Sünde“ (Desiderius, Erasmus von Rotterdam)

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚Was tun mit zu viel Bargeld?‘

    Vertrinken war immer schon eine gute Lösung. Geld ist zum Verschwenden da, nicht zum Sparen. Negativzinsen hätte es von Anfang an geben müssen, dann wären nicht nur die Wirtschaft, auch die Gesellschaften in einem viel besseren Zustand.

  • Wiget François sagt:

    Erstens den Gesamtbetrag in drei Anlagetrachen investieren. Die erste Tranche jetzt sofot. Die zweite Tranche spätestens in einem Jahr oder sobald der SMI 20% tiefer notiert als heute und die dritte Tranche spätestens in zwei Jahren oder sobald der SMI 40% tiefer notiert als heute. Ubd dann über ein Dutzend Aktien kaufen, die vernünftig bewertet sind wie: UBS, Nestlé, Roche, AMS, Banco Santander, U-Blox, Novartis, Lafarge Holcim, Swiss Re, Roku, Bellus Health, Zoom Video, LVMH, BMW

    • Michael sagt:

      Vernünftig bewertet ist ja witzig. Nach welchen Kriterien?!? Die meisten Aktien handeln auf Tech Bubble Multiples aufgrund der Geldschwemme. Nix ist vernünftig bewertet! Man hofft einfach, dass das Roulette so weitergeht…

  • Kündig sagt:

    Die Ratschläge von Herrn Spieler sind immer interessant und empfehlenswert. Wenn man Zuviel Bargeld hat, nicht auf Dividenden angewiesen ist und wenig Risiko eingehen will sollte man vorvererben, damit die junge Generation sich eine schöne Wohnung leisten kann. In Immobilien ist das Geld gegen Inflation geschützt. Wenn man kinderlos ist, dann sollte man mit gutem Gewissen mehr konsumieren – Ich weiss, das ist schwierig wenn man ein Leben lang sparsam gelebt hat. Konsum belebt die Wirtschaft. Also Geld ausgeben ist für alle nützlich. Warum sich nicht mit Kunst das Leben schöner gestalten???

  • Paul Meier sagt:

    Zuviel Bargeld??? bitte mir schicken…

  • Luna sagt:

    Verschenken den armen.

  • Joana sagt:

    Gibt nur eines in Immobilien investieren alles ander isch chabis

  • Maciej Pietrzak sagt:

    Wenn Sie nicht investieren wollen (ich mache das), dann sollten Sie schon vor 20 Jahren Gold kaufen und in das Schliessfach stellen. Jetzt befinden wir uns in einen Kriegszustand wenn es um die Wirtschaft geht. Der Krieg gegen Koronavirus und die Wirtschaft wird von der Regierung gesteuert, der Freie Merkt wird abgeschafft. Mehrere Billionen vom leeren Geld werden in den Computers von den Regierungen kreiert. Weg von dem Geld. Sie müssen auch im klaren sein dass die neuen Kriege bald kommen. Wenn die Regierung in der Lage ist dass wir jetzt glauben, dass wegen des Krieges der Freie Markt ausgeschafft werden muss, warum nicht bei anderen Kriegen. Sie lesen doch schon in diesem Forum, dass es die Teilnehmer sind, die neuen Kriege schon gern gehabt hätten. Wir werden uns im Krieg gegen….

    • Maciej Pietrzak sagt:

      Wir werden uns im Krieg gegen das CO2 befinden, eigentlich wir finden uns in ihn schon, im Krieg gegen die Ungleichheit, im Krieg für die Umwelt. Es braucht nur die Menschen darüber zu überzeugen, und sie zahlen schon. Ich teile die Meinung von Herr Toan überhaupt nicht. Die Sparer das waren immer die Menschen die gearbeitet haben, und ihre Ersparnisse das waren die Früchte ihrer Arbeit, die sie später benutzt konnten. Das war die Altersvorsorge z.B. Ich habe nie Konsumkredite aufgenommen, ich habe gespart. Das kann ich heute nicht mehr.

      • Anh Toàn sagt:

        „Die Sparer das waren immer die Menschen die gearbeitet haben, und ihre Ersparnisse das waren die Früchte ihrer Arbeit, die sie später benutzt konnten.“

        Nonsense, die Arbeiter hatten nichts gespart, zu klein war ihr Anteil an den Früchten ihrer Arbeit. Gespart haben die Arbeitgeber, am Lohn für die Arbeitnehmer, die gaben denen ja schon Arbeit, wozu auch noch Geld? Die Arbeit war Erfüllung genug: „Arbeit macht frei“ ist keine Erfindung der Nationalsozialisten, das ist der Inbegriff der protestantischen Heilslehre.

      • Anh Toàn sagt:

        Erstaunlich wie Arme sich beklagen, es gäbe zu wenig Zinsen, darum seien sie arm.

        Wer als Lohnempfänger ohne Vermögen zu solchem kommen will, benutzt seinen zukünftigen Lohn als Sicherheit um sich zu verschulden und den Kredit zu investieren: Hat er Glück, (richtige Investition, weiterhin Lohn) schafft er sich Ersparnisse, hat er Pech, geht er pleite: Er hatte nichts zu verlieren, also musste er spekulieren. Mit Sparen wurde noch keiner reich.

        Ich lese auch aus Ihrem Kommentar, dass Sie mit Sparen aus Ihrem Lohn nicht reich wurden, sonst müssten Sie doch heute sich nicht beklagen, nicht mehr sparen zu können? Gibt es mehr Zinsen, also mehr für das Kapital, bleibt weniger für die Arbeit, also weniger für die Arbeiter zum sparen?

      • Anh Toàn sagt:

        Kapitalismus für Dummies:

        Im Kapitalismus wird Wert geschöpft durch Kapital und Arbeit, bekommt das Kapital mehr (höhere reale Zinsen) bleibt weniger für die Arbeit. Die Mehrheit zahlt im Laufe ihres Lebens mehr Zins, insbesondere Mietzinsen, als dass sie Zinsen bekommt, das Altersguthaben in der PK stammt aus ihrer Arbeit in erster Linie und nicht aus Zinsen. Auch die Arbeitgeberbeiträge sind Lohn, Personalkosten in der Buchhaltung des Arbeitgebers. Und dennoch jammert die Mehrheit über tiefe Zinsen.

  • Anita Andtea sagt:

    Wen wer zu viel Bargeld mir kan er das auch aufteilen

Kommentar

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