Zu früh für Adecco

Landis+Gyr stürzen ab +++ Bobst hat Tief hinter sich +++ Swisscom ist eine sichere Bank +++ Kein Exploit bei Valiant

Adecco: Der Vermittler von Temporärangestellten hat den Talboden wohl noch nicht erreicht. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Langsam kommt die Wirtschaft in der Schweiz, aber auch im Ausland wieder in die Gänge, strikte Ausgangssperren werden gelockert, morgen Montag kehren hierzulande die Kinder wieder in die Schule zurück. Das freut Adecco. Denn in einem Aufschwung steigt die Nachfrage nach temporären Arbeitskräften rasch, und mit deren Vermittlung verdient das Unternehmen am meisten Geld. Noch finde ich es zu früh, um auf die Aktien zu setzen. Denn unter der Oberfläche läuft noch vieles in die andere Richtung. Da vorerst fast kein Personal mehr eingestellt wird, ist Adeccos Umsatz im März 19 Prozent und im April nochmals 40 Prozent eingebrochen. Schaue ich mir die weltweite Lockdown-Tendenz an, dann dürfte der Talboden wohl im Mai erreicht sein. Bis sich die Konjunktur zu erholen beginnt, dauert es wohl noch eine Weile. Ich behalte die Titel aber auf dem Radar. Adecco hat eine tiefe Verschuldung und genügend Cash auf der Seite, um die Krise gut zu überstehen. Mit der attraktiven Dividende rechne ich auch in einem möglichen Verlustjahr. Beobachten

Kein Wachstum zu erwarten

Auch Landis+Gyr fehlen derzeit die Aufträge. Aber das nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Hersteller von smarten Stromzählern verzeichnete im vergangenen Halbjahr rund halb so viele Bestellungen. Im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende März) betrug der Einbruch insgesamt 30 Prozent. Der überraschende Abgang im März von Richard Mora nach nur drei Jahren als CEO erklärt sich damit von selber. Die Probleme häufen sich in der für den Zuger Elektrotechnik-Konzern so wichtigen US-Markt. Dort macht er über die Hälfte des Umsatzes und 70 Prozent des Gewinns. Die Regulatoren verzögern die Umsetzung grosser Projekte, Landis bleibt auf ihren Stromzählern sitzen; und jetzt kommt noch die Corona-Starre hinzu. Massiv weniger Aufträge bedeutet zwangsläufig weniger Umsatz und Gewinn. Die Dividende wurde vorsorglich aufgeschoben. Wachstum ist jetzt und in naher Zukunft vom Tisch, und der neue Chef, Werner Lieberherr, wird erst mal sparen. Die Aktien haben seit Anfang Jahr schon rund 40 Prozent verloren und notieren nahe an den Tiefstständen vom Herbst 2018. Das Gröbste steht Landis noch bevor. Halten

Verpackungen sind gefragt

Die Aktien des Verpackungsmaschinenherstellers Bobst haben die Baisse dagegen hinter sich, die schon lange vor der Corona-Krise eingesetzt hat. Anfang 2018 notierten die Titel um 130 Franken, heute sind es noch rund 50 Franken. Dabei ist das Unternehmen Weltmarktführer in der Herstellung von Maschinen, mit denen Kartonschachteln und flexible Verpackungen wie etwa Pommes-Chips-Säcke hergestellt werden können. In den letzten Jahren hat Bobst viel in neue Maschinen investiert, den Marktauftritt ausgebaut und mit knapp kalkulierten Preisen Marktanteile geholt. Auch musste ein Produktionsstandort restrukturiert werden. Dies alles ging zu Lasten des Gewinns, was den Abwärtstrend im Aktienkurs erklärt. Doch ich glaube, die Perspektiven sind verheissungsvoll. Die Nachfrage nach Verpackungen wird durch den Onlinehandel angeheizt, Corona wirkt da als Verstärker. 2020 werden die Ergebnisse zwar wohl schwach ausfallen (wo nicht?), doch ab 2021 sollte sich die Marge ausweiten und später wieder Werte wie 2017 erreichen, als knapp 7 Franken Gewinn pro Aktie erzielt worden sind und eine Dividende von 2.60 Franken bezahlt wurde. Kaufen

Marktposition wird geschickt genutzt

Die Aktien von Swisscom gehören zu den langweiligsten am Schweizer Börsentableau: Kaum Kursfantasie und eine seit 2011 konstante Dividende zeichnen die Papiere aus. Doch Sicherheit und Vorhersehbarkeit sind genau das, was Anleger in diesen unsicheren Corona-Zeiten suchen. Die Aktien des De-facto-Staatskonzerns – 51  Prozent des Kapitals gehören dem Bund – haben seit Anfang Jahr zwar rund 5 Prozent verloren. Aber das ist weniger als die meisten Aktien im Leitindex SMI. In den letzten zwölf Monaten haben Swisscom-Aktionäre immer noch Geld verdient, und obendrauf erhielten sie eine Dividende von 22 Franken pro Aktie. Das entspricht einer Rendite von 4,5 Prozent. Die Gewinnkraft aufrechtzuerhalten, ist im umkämpften Schweizer Telecom-Markt nicht selbstverständlich, aber mir gefällt, wie die altgediente Führungscrew um Swisscom-Chef Urs Schaeppi bewiesen hat, dass sie sparen kann. Zudem verstehen sie es, ihre dominante Marktposition auszunutzen. Mit dem Ausbau des superschnellen 5G-Mobilfunknetzes hapert es zurzeit, dennoch führt in der Schweiz kein Weg an der kritisierten Swisscom-Infrastruktur vorbei. Kaufen

Mit der Strategie auf Kurs

Valiant hat am Donnerstag Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Ihren Betriebsertrag hat die Retailbank gesteigert, der Geschäftserfolg hat sich in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr zumindest stabil entwickelt. Alles in allem ist den Bernern ein durchaus solider Start ins neue Jahr geglückt. Und ich glaube, die Bank ist auch bei ihrer eingeschlagenen Expansionsstrategie in Richtung Bodensee auf Kurs, obwohl die Rekrutierung neuer Mitarbeiter und die Suche nach passenden Lokalitäten wegen des Lockdown langsamer als ursprünglich geplant verläuft. Trotzdem, mir fehlt bei den Aktien das Prickeln. Auch wenn Valiant gezeigt hat, dass sie profitabel wachsen kann und die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2020 von 12 günstig bewertet sind, traue ich ihnen in nächster Zeit keinen Exploit zu. Dazu kommen noch die aufgrund der Corona-Krise gestiegenen Wertberichtigungen, deren Entwicklung die Bank derzeit noch nicht abschliessend beurteilen kann. Halten

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