So meiden Sie unethische Bankgeschäfte

Wer nicht will, dass seine Bank in heikle globale Geschäfte involviert ist, sollte eine Bank mit Schweizer Fokus wählen.

Ökologisch fragwürdige  Projekte im Portfolio: Klimademonstration vor der Credit Suisse. Foto: Keystone

Vor Jahren wollte ich meine Wertpapiere bei der Cash.ch-Bank platzieren. Dann las ich, Cash.ch sei in der Kriegsindustrie und ethisch/ökologisch bedenklichen Sparten investiert, weshalb ich die Bank mied. Inzwischen ist mir aufgefallen, dass praktisch alle grösseren Schweizer Banken wiederholt negative Schlagzeilen produzierten. Steht die Bank Cash.ch bezüglich Involviertheit in kriegsindustrielle und ethisch oder ökologisch fragwürdige Projekte heute einigermassen unbedenklich da? J.S.

Mir ist offen gesagt nicht klar, worauf sich Ihre Bedenken betreffend ethischer oder ökologischer Aspekte gegenüber der Online- und Mobile-Banking-Plattform Cash.ch beziehen. Mir jedenfalls sind keine solchen problematischen Engagements bekannt, schon gar nicht Investitionen in Kriegsgeschäfte.

Ableiten könnte man allfällige Vorbehalte höchstens gegenüber den stark international tätigen und vernetzten Inhabern der Bank Zweiplus, dem Bank-Partner von Cash.ch. Cash selbst ist einerseits eine redaktionell betreute Plattform für Börseninfos und anderseits unter der Marke «Cash – Banking by Bank Zweiplus» eine Trading-Plattform.

Die Zürcher Bank Zweiplus untersteht als Schweizer Bank der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Etwas Negatives über diese Bank ist mir ebenfalls nicht bekannt.

Das Institut ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Bank J. Safra Sarasin AG und der Falcon Private Bank Ltd. Die J.-Safra-Gruppe, die hinter der Bank J. Safra Sarasin steht, wird von der brasilianischen Unternehmerfamilie Joseph Safra geführt. Der in Beirut geborene Joseph Y. Safra zählt zu den reichsten Persönlichkeiten Lateinamerikas.

Die Gruppe besteht aus Privatbanken unter dem Namen Safra sowie Investmentbeteiligungen und weiteren Geschäftsbereichen im Bereich Immobilien- und Agrarwirtschaft mit Beteiligungen in Brasilien und an Chiquita Brands International Inc.

Schweizer Kantonal- und Regionalbanken sind auf das Schweizer Geschäft fokussiert.

Falcon ist eine Vermögensverwaltungsbank mit Sitz in Zürich und weiteren Standorten in Dubai und Luxemburg. Die Falcon Private Bank befindet sich im Besitz der staatlichen Investmentgesellschaft Mubadala Abu Dhabi. Die Falcon Private Bank hatte laut Finma aufsichtsrechtliche Bestimmungen rund um den Geldwäschereifall beim malaysischen Staatsfonds 1MDB verletzt und musste einen laut Finma unrechtmässig erzielten Gewinn von 2,5 Millionen Franken an diese abgeben.

Vor diesem Hintergrund stehen Ihre Vorbehalte wohl eher im Zusammenhang mit den Besitzern der Bank Zweiplus und weniger der Banking-Plattform Cash.ch selbst. Wenn Sie als Kunde sichergehen möchten, dass Ihre Bank oder deren Hauptaktionäre auf dem globalen Parkett nicht in heikle Geschäfte involviert ist, würde ich ein nur auf das Schweizer Geschäft fokussiertes Institut mit Hauptaktionären aus der Schweiz wählen.

Erfüllt sind diese Voraussetzungen etwa bei den verschiedenen Schweizer Kantonalbanken wie der Zürcher, Basler oder Berner Kantonalbank, oder der Migros-Bank, Bank Cler, Raiffeisen oder auch bei den zahlreichen hierzulande tätigen Regionalbanken wie der Ostschweizer Acrevis Bank, der Hypothekarbank Lenzburg oder der Posttochter Postfinance sowie der Swissquote Bank. Mehrere dieser Institute bieten auch Online-Plattformen, auf denen Sie Ihre Wertschriften kostengünstig digital kaufen oder verkaufen können.

12 Kommentare zu «So meiden Sie unethische Bankgeschäfte»

  • Peter Rohner sagt:

    Mit Hilfe des folgenden Links kann man die ESG-Ratings grosser Firmen abfragen:
    https://www.msci.com/esg-ratings/

    Ich würde nur Banken wählen, die ein gutes ESG-Rating haben (A, AA, AAA). UBS schneidet z.B. gut ab, CS schlecht (beide sind aber für Börsengeschäfte teuer). Swissquote taucht leider in der ESG-Datenbank nicht auf (wohl zu klein), ist aber sehr günstig (für Schweizer Verhältnisse).

    Was ESG genau bedeutet, wird hier erklärt:
    https://www.justetf.com/ch/how-to/invest-in-social-responsibility-europe.html

    • Rolf Rothacher sagt:

      Solche Ratings bringen zwar öffentliche Aufmerksamkeit. Doch wirklich sinnvoll sind sie nicht, weil sie völlig Unterschiedliches zusammen-mixen (Umwelt, Soziales, Organisation). So lange die Welt auf Erdöl und Kohle derart angewiesen ist (60% der Energie der Welt werden damit heute produziert), so lange macht es einfach keinen Sinn, sich selbst zu betrügen und Unternehmen zu verteufeln, die in Erdöl und Kohle investieren.
      Ehrlich wäre einzig, wenn die Investoren in solche Anlagen gleichzeitig auf 50% ihres bisherigen Lebensstils verzichten würden. Denn ihre „sauberen“ Aktien funktionieren nur, weil auch die „dreckigen“ daneben funktionieren. Doch Selbstbetrug ist ja bei Möchtegern-Klimaschützern sehr beliebt.

      • Peter Rohner sagt:

        Man kann auch ständig von Selbstbetrug schwafeln und einfach weitermachen wie bisher.

        Es gibt viele Leute, die wollen eine fairere, sauberere und bessere Welt und tun viel dafür. Verzichten, handeln und setzen sich ein. Und für solche Leute werden die ESG-Ratings gemacht.

  • Anh Toàn sagt:

    Echt jetzt, Banken mit Sitz und Geschäftstätigkeit in der Schweiz machen keine unethischen Geschäfte? Aber vergleichbare Banken in Österreich oder Deutschland schon. Oder sind einfach die Kleinen die Guten und die Grossen die Bösen?

    • Rolf Rothacher sagt:

      Ja, die Meinung von Martin Spieler ist, dass Regionalbanken nur kleineren Unternehmen Geld verleihen und diese kleinen nicht so schlimme Dinge in der Welt anstellen.
      Das ist selbstverständlich Selbstbetrug. Denn jeder, der Kleider oder Schuhe verkauft, schädigt die Erde mit haufenweise Giftstoffen. Und jeder Zahnarzt verwendet Gold, das von Kindern geschürft wurde. Doch Selbstbetrug ist bei uns längst üblich geworden.
      Die Welt so zu sehen, wie sie ist, und dabei auch den Menschen zu akzeptieren, wie die Natur ihn geschaffen hat, das können immer weniger Menschen. Deshalb auch die zunehmende Panikmache, ob Corona oder Klima. Wir sind im Westen längst zu satt, zu träge geworden und damit nicht mehr belastbar.

    • urs brand sagt:

      Man könnte die Meinung von Spieler auch kurz und knapp umschreiben mit
      was ich nicht weiss – macht mich nicht heiss
      so gesehen gibt es zahlreiche Banken, die berücksichtigt werden können.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Irgendwie „lustig“, die Aussage. Da warnt Martin Spieler regelmässig die Leute vor Klumpenrisiken und dann sollen sie ihr Geld einer Bank anvertrauen, die sich „in die Hände“ der Politik und der Wirtschaft eines einzigen, kleinen Landes begibt? Die Spar- und Leihkasse Thun vergab auch nur im Berner Oberland ihre Kredite und wurde trotzdem zum bislang letzten Banken-Bankrott in der Schweiz.
    Und Banken, die ihren Kunden vorschreiben, was sie mit dem Kreditgeld dürfen und was nicht, funktionieren vielleicht im ganz kleinen Stil (Nischen gibt es überall). Doch kein echter Unternehmer lässt sich von seiner Bank derart in sein Geschäft reden. Denn das Risiko des Scheiterns einer Unternehmensstrategie trägt immer nur der Firmeneigentümer, nie wirklich die Bank.

  • Bernhard Piller sagt:

    Siemens liefert das Leitsystem für eine Zugverbindung zu einem Kohlekraftwerk. Und welche Banke handelt nicht mit Siemens-Aktien?
    Und wie steht es mit den heiklen Geschäften der SNB? Kinderarbeit für die Ausbeutung der seltenen Erden, die in allen Produkten von Apple, Samsung, Google, Facebook, Tesla direkt oder indirekt zur Verwendung kommen?

    • urs brand sagt:

      Betreffend Kinderarbeit wären noch zu erwähen, Kaffe, Kakao, Soja, Zuckerrohr usw. usw. usw. usw.

      ABER als Kind habe ich in den 60er + 70er Jahren auch im Kanton Zürich gearbeitet und lebe immer noch.

      • Ruth sagt:

        Danke Herr Brand! Auch ich habe als Jugendliche gearbeitet und mein Vater hat sogar als Kind auf dem Bauernhof arbeiten „dürfen“ (so hat er das immer gesagt.) Und wir haben es beide gut überlebt.

        Am besten und sichersten ist es sicher, das Geld nicht zu investieren, sondern entweder unter der Matraze oder im eigenen Schliessfach zu versorgen. Da droht kein Intressenkonflikt!

      • Panja Flöte sagt:

        Entweder naiv oder menschenverachtend, Kinderarbeit in der Schweiz um 1970 mit Kinderarbeit in Entwicklungsländern heute zu vergleichen.

  • Oil of Olaf sagt:

    Wenn Sie ethische Ziele verfolgen beim Geld anlegen, dann sollten Sie dringend zum Arzt oder Apotheker gehen.

    Unsere SNB, AHV, Pensionskassen und Lebensversicherungen interessieren sich kaum für Ethik beim Anlegen, sonst wären ja die Ärzte und Apotheken konstant mit Patienten geflutet.

Kommentar

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