Roche wächst beachtlich

Sika wird die Krise meistern +++ Inficon schlägt sich gut +++ Partners Group ist etwas für Risikofreudige +++ GLKB überzeugt mit Wachstumsstrategie

Dem Basler Pharmakonzern Roche ist es wie schon im vergangenen Jahr gelungen, die Lücke mit neuen Medikamenten weit mehr als zu füllen. Foto: Reto Oeschger

Roche hat jüngst mit dem Thema Corona-Tests für Schlagzeilen gesorgt. Das hat die Diagnostik-Division des Basler Konzerns ins Rampenlicht gerückt, die sonst eher ein Mauerblümchendasein fristet – trotz 13 Milliarden Franken Umsatz und 20 Prozent Marktanteil. Der Mitte Woche veröffentlichte Quartalsbericht fiel denn auch positiv aus. Aber nicht, wie ich vermutet hatte, wegen der Diagnostik, sondern vor allem dank des Pharmageschäfts. Mit dem Verkauf von spezialisierten, verschreibungspflichtigen Arzneien wuchs Roche in Lokalwährung 7 Prozent. Das ist mehr als beachtlich. Die Messlatte war hoch, denn im Vorjahresquartal hatte die Division 12 Prozent mehr eingenommen. Zudem schlägt die Konkurrenz durch preisgünstigere Nachahmerprodukte nun auch in den USA immer heftiger durch. Doch dem Unternehmen ist es wie schon im vergangenen Jahr gelungen, die Lücke mit neuen Medikamenten weit mehr als zu füllen. So fiel es dem Management nicht schwer, die Jahresprognose zu bestätigen. Eine solche Gewissheit, zusammen mit einer gesicherten Dividendenrendite von 2,5 Prozent, bieten nicht viele Unternehmen. Kaufen

Sika hat auch im ersten Quartal 2020 einen Rekordumsatz realisiert – ich bin mir vom Unternehmen nichts anderes gewohnt. Und dennoch zieht die Corona-Krise natürlich auch am Bauzulieferer nicht spurlos vorbei. Der Rekordumsatz ist im Wesentlichen auf den Akquisitionseffekt aus der vor Jahresfrist erworbenen französischen Parex zurückzuführen. Organisch musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 1,3 Prozent hinnehmen – und ist damit noch gut bedient. In vielen Ländern war das Geschäft wegen der Schutzmassnahmen gegen die Krise beeinträchtigt. Sika stellt zur Schonung der Finanzen nicht unmittelbar betriebsrelevante Investitionen zurück. Zudem erhält das Cash-Management eine erhöhte Bedeutung. Sika ist gut gerüstet: Das Unternehmen verfügt über einen hohen Mittelbestand von fast 1  Milliarde Franken sowie über Kreditlinien im Umfang von 1,3  Milliarden Franken. Ich bin überzeugt davon, dass Sika die Krise meistern wird, auch wenn die Wachstumsraten 2020 jene der Vorjahre nicht erreichen werden. Das Unternehmen hält denn auch an seinen mittelfristigen Zielen fest. Kaufen

Inficon hat im ersten Quartal eine bemerkenswerte Widerstandskraft gezeigt. Das Ostschweizer Technologieunternehmen hat von einem deutlich gestiegenen Auftragseingang berichtet und gegenüber dem Covid-19-freien Vorquartal kaum Umsatz eingebüsst. Auf eine Prognose für 2020 wird wegen der vielen Unwägbarkeiten zwar verzichtet. Die Aussichten werden vom Management aber «verhalten positiv» beurteilt. Die zarte Zuversicht entspringt der erfreulichen Entwicklung des Halbleitermarkts, der am Anfang eines neuen Investitionszyklus steht. Der Anbieter von Sensortechnologie und anderem ist eine wahre Perle: robust, ertragsstark, dividendenfreundlich, schuldenfrei. Von der Halbleiterindustrie abgesehen, entwickeln sich seine anderen Zielmärkte konjunkturbedingt allerdings eher flau. Und weil diese für mehr als die Hälfte des Umsatzes stehen, dünkt mich die Bewertung der Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 für 2020 eher sportlich. Halten

Die Aktien von Partners Group sind seit Jahren ein Überflieger. Das Unternehmen ist einer der weltgrössten Anbieter von Private Equity und weiteren illiquiden Investments am sogenannten Privatmarkt. Eigentlich mag ich diese nicht börslichen Anlagen nicht besonders, weil es mir an Kenntnis und Transparenz fehlt. Das Management von Partners Group weist darauf hin, institutionelle Anleger wie Pensions- oder Staatsfonds seien so weitgehend mit Standardaktien wie Nestlé oder Johnson & Johnson eingedeckt, dass sie nach einer Diversifikation lechzten. Das rasche Wachstum der von Partners Group gebührenpflichtig betreuten Vermögen belegt, dass die Manager ihre Sache so schlecht nicht machen. Die wachsenden Fixgebühren befeuern den Gewinn und die Aktienperformance. Ich vermute, dass dieser Trend jetzt gebremst wird. Die Aktien des Unternehmens avancieren in guten Jahren überdurchschnittlich, korrigieren aber in schlechten Phasen auch heftiger. Das ist nur etwas für nervenstarke Investoren. Ich bleibe vorsichtig und kaufe nur die Hälfte des Bestands, den ich für meine Aktienpositionen jeweils anstrebe. Dosiert kaufen

Das erste Quartal ist vorbei, und die Auswirkungen von Covid-19 zeigen sich in den Geschäftszahlen so mancher Firmen. Auch bei der Glarner Kantonalbank (GLKB). Operativ liefen die zweieinhalb Monate vor dem Lockdown positiv. Trotzdem hat die Bank unter dem Strich weniger verdient. Nach dem Kurssturz an den Börsen im März mussten Bewertungskorrekturen auf Finanzanlagen vorgenommen werden. Punkten kann die GLKB bei mir vor allem durch ihre Wachstumsstrategie. Konsequent haben die Glarner schon früh auf Digitalisierung gesetzt. Nicht immer erfolgreich, einen Robo-Advisor hat die Bank bereits wieder vom Netz genommen. Besser funktioniert die Hypothekenkreditfabrik, die als Dienstleistung auch an Dritte verkauft wird und mit der die Bank Kommissionserträge generiert. Das sorgt für Diversifizierung ohne zusätzliches Kreditrisiko für die eigenen Bücher, und, wie ich gehört habe, dürften bald weitere Kunden folgen. Für die Aktien sprechen zudem ihre attraktive Bewertung und die jährliche Erhöhung der Dividende. Ich behalte GLKB als defensive Beimischung in meinem Portfolio. Halten

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