Wie Anleger den passenden Index finden

Beim Anlegen mit ETFs gilt es, auf eine breite Diversifikation zu achten. Unser Geldberater gibt Tipps.

Corona-Turbulenzen und Klumpenrisiken: Bei ETFs setzen Anleger auf Aktien – und damit auf Risiko. Foto: iStock

Ich bin 61 Jahre jung und möchte mein Geld optimal mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren anlegen. Meine Idee ist, 70 Prozent auf den SPI, 15 Prozent in Medizinaltechnik und 15 Prozent in einen weltweit anlegenden Fonds. Am liebsten würde ich alle drei Bereiche in ETFs anlegen. Welche ETFs würden Sie bevorzugen? R.B.

Wenn Sie über einen kostengünstigen Exchange Traded Fund (ETF) den Schweizer Aktienmarkt abdecken möchten, müssen Sie sich zuerst entscheiden, welchen Referenzindex Sie wählen. Viele nutzen dafür den SMI, der die nach Börsenkapitalisierung 20 grössten Unternehmen hierzulande abdeckt.

Alternativen sind der SMIM-Index mit den 30 grössten Mid-Cap-Aktien, die nicht bereits im SMI enthalten sind. Eine weitere Möglichkeit bietet der Swiss-Leader-Index (SLI). Dieser setzt sich aus allen Aktien des SMI und den zehn grössten Firmen des SMIM zusammen und umfasst somit die 30 liquidesten und grössten Firmen des Schweizer Aktienmarktes.

Den Schweizer Gesamtmarkt abbilden können Sie mit dem von Ihnen erwähnten Swiss-Performance-Index (SPI), allerdings bilden wie beim SMI auch hier die Börsenschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche ein gewisses Klumpenrisiko. Zur Abdeckung des Schweizer Marktes würde ich aus steuerlichen Gründen einen ETF mit Schweizer Domizil nutzen. Für empfehlenswert halte ich vor diesem Hintergrund den ETF UBS SPI oder den ETF iShares Core SPI von Blackrock, ebenfalls mit Fondsdomizil Schweiz.

Wenn der Schweizer Markt länger schlecht läuft, leiden Sie überdurchschnittlich darunter.

Den globalen Aktienmarkt können Sie einfach mit einem ETF auf den MSCI-World-Index abdecken. Dieser bildet die Wertentwicklung von rund 1650 Unternehmen in 23 Industrieländern ab und umfasst damit etwa 85 Prozent der Marktkapitalisierung in den Industrieländern global, wobei die USA vor Japan und Grossbritannien in dem Index am stärksten gewichtet sind. Interessant finde ich den iShares MSCI World CHF Hedged UCITS ETF, den Xtrackers MSCI World Index UCITS ETF oder den UBS ETF (IE) MSCI World UCITS ETF (USD).

Um die Medizinaltechnikbranche global abzudecken, können Sie auf einen internationalen Healthcare-Index setzen. Prüfen würde ich etwa den iShares Healthcare Innovation UCITS ETF, der sich über den Referenzindex auf Unternehmen aus der Healthcare-Branche fokussiert, die auf Innovationen bei globalen Gesundheitsdienstleistungen in Industrie- und Schwellenländern spezialisiert sind. Stark gewichtet sind hier Healthcare-Unternehmen aus den USA, Südkorea, Japan und der EU. Interessant finde ich als Alternative auch den Lyxor MSCI World Health Care TR UCITS ETF C-EUR.

Vor einem Investment würde ich mir nochmals überlegen, ob die Diversifikation für Sie wirklich genügend ist. Denn mit einem Fokus auf einen SPI-ETF mit 70 Prozent des Kapitals setzen Sie sich punkto Markt einem Klumpenrisiko aus. Wenn der Schweizer Markt länger schlecht läuft, leiden Sie überdurchschnittlich darunter. Darum würde ich auch andere Märkte, etwa Europa oder Asien, stärker miteinbeziehen. Auch andere Megatrends wie Digitalisierung oder Robotik fehlen in Ihrem Portfoliovorschlag.

Weiter müssen Sie sich gut überlegen, wie viel Risiken Sie eingehen wollen und können. Sie würden mit den gewünschten ETFs voll auf Aktien setzen. Diese versprechen auf lange Sicht von zehn und mehr Jahren zwar in der Tat die attraktivsten Renditechancen. Gleichzeitig sind Sie aber starken Kursschwankungen und Anlagerisiken ausgesetzt und müssen damit rechnen, dass Sie wegen der gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise vielleicht noch längere Zeit auf schwachen Titeln sitzen oder es in einer späteren Phase sogar zu neuen Rückschlägen wegen der Corona-Unsicherheiten kommt.

Daher sollten Sie auch prüfen, ob Sie allenfalls auch andere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe miteinbeziehen möchten.

17 Kommentare zu «Wie Anleger den passenden Index finden»

  • Peter Rohner sagt:

    Hervorragende Quelle für (zukünftige) ETF-Anleger ist wie immer „justETF.com“. Hier gibt es:
    — Suchmaschine für ETFs
    — viele Infos zu einzelnen ETFs
    — Vergleichsmöglichkeiten
    — Infos zu Anlagestrategien mit ETFs
    — etc.

    Wichtig ist, dass man nicht zu viele ETFs ins Portfolio nimmt. Ein einzelner ETF sollte nicht weniger als ca. 10% Anteil am Portfolio haben (weil sonst das Portfolio unübersichtlich wird). Somit ist die Aufteilung von 70/15/15 gut.

    Oft wird empfohlen, weltweit zu investieren und einzelne Regionen/Branchen überzugewichten. Also z.B. 70% World, 15 SPI, 15 Medizinal. Vermindert das Gesamtrisiko, ist aber schlussendlich auch Geschmacksache.

    • Johnny sagt:

      Eigentlich nur ein ETF auf den S+P 500 würde vollkommen reichen.
      Die ganze Welt und die Schweiz gar nicht nötig.
      Dann lieber eine Beimischung mit dem Nasdaq.

      • Peter Rohner sagt:

        Für Leute, die in den USA leben, ist das sicher eine Möglichkeit (S&P 500 und Nasdaq 100 überlappen sich aber gewaltig). Als Europäer würde ich eher auf die Welt setzen (Anteil von USA beträgt hier ca. 60%) und gewisse Regionen aufstocken (Emerging Markets, Europa, Japan).

    • Kurt Seiler sagt:

      Ich würde mir die Welt auch sparen.
      Die Musik spielt in den USA.
      Und nach der Krise dann mehr denn je.

      • Sascha sagt:

        Ich, aus meiner Ansicht, muss hier leider widersprechen. Gerade in der Altersklasse mit einem Anlagehorizont von nur 10 Jahren würde in verschiedene ETFs investieren. Wer weiß wie die Lage in 10 Jahren ist, vielleicht müsste dann ein ETF entspart werden obwohl dieser gerade ordentlich minus schreibt. Von daher macht es aus meiner Sicht mehr Sinn auch über mehrere ETFs zu diversifizieren und zum Stichtag diese zu entsparen die auch positiv performt haben.

      • Kurt Seiler sagt:

        @Sascha
        Meine Alterskategorie.
        Und eben darum sag ich: USA!
        … und Finger weg von Europa.
        Der S+P500 ist an und für sich genug diversifiziert.
        Die USA werden gestärkt aus der Krise kommen.

      • Panja Flöte sagt:

        @Kurt Seiler
        Die USA ist sicher stark und innovativ, aber ob da so bleibt, ist nicht garantiert. Eine starke Wirtschaft und faire Bedingungen für alle (sicherer Job, Krankenversicherung, soziales Netz) gehen auf Dauer Hand in Hand. Unter diesem Gesichtspunkt sieht es nicht so rosig aus für die USA.

  • Peter Rohner sagt:

    Aus Steuergründen immer zu beachten ist das Fondsdomizil
    — Schweiz (CH) für Schweizer Titel
    — Irland (IE), falls US-Titel enthalten sind
    — Luxemburg (LU), falls nicht IE vorhanden

    Ich würde keine Hedged-ETFs kaufen, da zu teuer und selten wirkungsvoll. Sicher jedenfalls keinen Hedged-World- Index kaufen mit den unzähligen Währungen (vergleichen Sie hierzu SWDA mit IWDC).

  • Oil of Olaf sagt:

    Bis zum Finden des passenden steigenden Index braucht es zuerst grundlegende Einsichten des Mainstreams im Umgang mit ausserordentlichen Herausforderungen.

    Reasons becomes with healthy minds and big thinkings.

    https://www.unz.com/mwhitney/sweden-is-right-the-economy-should-be-left-open/

    • Peter Rohner sagt:

      Die aktuelle Pandemie ist natürlich unschön für die Wirtschaft (und die Aktienkurse). Der Weg von Schweden ist gewagt, auch dort hat der Mainstream die drohende Gefahr nicht unbedingt erkannt (die Todesopfer sind jedenfalls überdurchschnittlich hoch).

      Der Mainstream neigt dazu, Gefahren eher zu bagatellisieren. Er begreift sie erst, wenn er selbst (oder sein Umfeld) betroffen ist.

      • Oil of Olaf sagt:

        Wirklichkeitsverweigerer haben stets grosse Mühe und absurde Ängste der wahren Wirklichkeit zu begegnen.

        Die vornehmlich genannte Pandemie mit bis anhin 0,00007% Toten der Weltbevölkerung (R.i.p.) kostet einen wirtschaftlichen Schaden von rund 20 Billionen (Trillions) USD (gemäss Hiltebrand). Ergibt doch den stolzen Wert von runde, satte 100 Millionen USD pro durchschnittlich Ü85 mehrfach Kranken und überraschenderweise vorzeitig an (mit) COVID-19 verstorbenen Menschen. Das muss ich zuerst noch auf die Reihe kriegen. Es bildet Wut, weil wir hinterblieben armen Schlucker diese ungeniessbare kalte Drecks Suppe auffressen müssen. Ob dann noch mit Solidarität zu rechnen ist, gehört in Land der Illusionen.

      • Peter Rohner sagt:

        Ja, gemäss Tagi-Artikel ist in der Schweiz die Übersterblichkeit v.a. bei den Ü65 gross:
        https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/uebersterblichkeit-wegen-coronavirus/

        Wir stehen hier vor einem ethischen Problem. Entweder schützen wir Menschenleben oder die Wirtschaft (= allgemeines Wohlergehen).

        Menschenleben sind auf lange Sicht wichtiger (selbst wenn sie schon 65+ Jahre zählen). Eine Gesellschaft, die alte Leben nicht schützt, ist eine grausame Gesellschaft. Jeder wird mal alt, und niemand möchte von der Gesellschaft im Stich gelassen werden.

      • Oil of Olaf sagt:

        Die Neo Würde, Moral und Ethik versagt bei solchen Fragen schamlos und ist in keinem auch nur halbwegs akzeptablen Verhältnis zu gesunden Menschenverstand. Die Politik agiert auf Grund von Ängstlichkeit. Die nahezu konstante Wirklichkeitsverweigerung ist weit verbreitet und längst Kult.
        Was TA schreibt interessiert mag Ihnen Mass des Sollens sein.
        Etwas mehr kritische Auffassung der Infos unserer aller staatlich subventionierten Medien hätte ich Ihnen doch zugemutet.
        Versagt haben alle Regierungen weltweit im Prinzip. Das Ende dieser paralysierend wirkenden Ängstekrise ist noch lange nicht erreicht sein, Der Preis für die Überlebenden ist x mal teurer als jeder denkbare vorzeitige Tod sein könnte. Der Mist wird bereits definitiv geführt und uns bis ins Grab begleiten. Amen.

      • Oil of Olaf sagt:

        Übrigens sind die besten Wirklichkeitsverweigerer diejenigen die am Klügsten irren. 🤔

      • Peter Rohner sagt:

        @Oil of Olaf
        Vielleicht haben Sie recht, vielleicht auch nicht. Jetzt reden Sie so und würden so entscheiden. Aber wie würden Sie in 10, 20 oder 30 Jahren entscheiden, wenn Sie selbst vom Tod bedroht werden?

  • Oil of Olaf sagt:

    Die besten Anlage Tipps, erhalten Sie erfahrungsgemäss im Gespräch mit den illegal beschäftigten Raumpflegerinnen dee Notenbank Direktion während der Znünipause in der Waschküche beim friolen Kaffeechränzli. Jedesmal interessant was diese Damen alles an Infos auf Lager haben. 😁

  • Oil of Olaf sagt:

    Wie kommen Sie darauf, dass ich oder irgendwer nicht während des ganzen Lebens vom Tod bedroht ist?

    Ohjee, sie sind ein miserabler Wirklichkeitsverweigerer.

    Schöne Zeiten und aufmerksame Aussicht wünsche ich Ihnen.

Kommentar

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