Temenos bleibt optimistisch

Zur Rose profitiert nur bedingt +++ Nestlé und Emmi überzeugen +++ Bremsspuren bei Barry Callebaut +++ Amazon gewinnt

Das Management des Genfer Bankensoftwarespezialisten Temenos geht davon aus, dass die grundlegenden Trends bei den Bankkunden intakt sind. Foto: Keystone

Corona dominiert derzeit die Wirtschaft. Und damit wird die nächste Quartalssaison harzig – aber bietet auch Chancen. Das hat Anfang Woche exemplarisch der Fall Temenos gezeigt. Als erste Gesellschaft in der Schweiz legte der Genfer Bankensoftwarespezialist Zahlen für die Monate Januar bis März vor. Er lag mit dem Ergebnis deutlich unter den Erwartungen und kassierte gleich auch noch die Prognose für das laufende Jahr. Dabei lief es für Temenos in den ersten beiden Monaten des Jahres eigentlich rund, wie das Management berichtete. Allein die Zurückhaltung der Kunden im März, also in den Zeiten des europaweiten Lockdown infolge der Corona-Krise, genügte jedoch, um das ganze Quartal zu vermiesen. Trotz ungünstigem Ausblick für 2020: Das Management bleibt optimistisch und geht davon aus, dass die grundlegenden Trends bei den Bankkunden intakt sind. Nach Bekanntgabe der Nachricht verloren Temenos-Aktien in der Spitze 7 Prozent an Wert. Mutige griffen sofort zu. Mittel- bis langfristig sollte sich eine Investition in die soliden Papiere weiter auszahlen. Kaufen

Die Corona-Krise treibt zuweilen seltsame Blüten. Die Menschen horten Toilettenpapier und Teigwaren – aber auch Medikamente. Und all das bestellen sie immer öfter online. Da hätte ich vermutet, dass die Versandapotheke Zur Rose zu den klaren Gewinnern der Pandemie gehört. Das tut sie auch, wie Angaben zum Umsatz im ersten Quartal nahelegen. Er ist im Vorjahresvergleich deutlich auf 427Millionen Franken gestiegen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn während Privatpersonen deutlich mehr gekauft haben, gab es weniger Order von Ärzten, vor allem in der Schweiz, aber offenbar auch im wichtigen Markt Deutschland. Weil der Bundesrat viele medizinische Eingriffe untersagt hat, bestellen Ärzte und Spitäler weniger. Das hat einigen Investoren offenbar auf den Magen geschlagen. Die Aktien gaben nach Veröffentlichung der Quartalszahlen am Donnerstag 6 Prozent nach. Schon am Freitag kamen aber Anschlusskäufe. Offenbar sind viele doch der Ansicht, dass Zur Rose am Ende eine Gewinnerin dieser Krise ist, sei es nur, weil die Entwicklung zu Onlinebestellungen beschleunigt wird. Mich überzeugt diese Story. Dosiert kaufen

Hamsterkäufe von Teigwaren und anderen lang haltbaren Lebensmitteln? Das müsste doch eigentlich auch Nestlé und andere Nahrungsmittelhersteller freuen. Tatsächlich essen die Leute vermehrt zu Hause. Neben Milch und Käse, wie ich an dieser Stelle unlängst schrieb, gehören anscheinend auch andere Grundnahrungsmittel dazu. Doch auch hier ist die Rechnung längst nicht so einfach, wie sie zunächst scheint. Denn wenn Arbeitnehmende und Schüler zu Hause sitzen, konsumieren sie unterwegs deutlich weniger. Das bekommt zum Beispiel Valora zu spüren, die an Flughäfen und Bahnhöfen ihre Kioske betreibt. Aber auch für Hersteller macht es einen Unterschied, ob die Lebensmittel zu Hause verkocht oder unterwegs genossen werden. Denn im Ausserhausgeschäft verdienen sie meist die besseren Margen. Angesichts dessen bin ich skeptisch, dass Nestlé, Emmi, Bell Food Group und Orior etwas davon haben. Entsprechend würde ich in dieser Branche weiterhin auf die Unternehmen Nestlé und Emmi setzen, die langfristig überzeugen: Mit einem hohen Cashflow, solider Bilanz und etwas Wachstumsfantasie. Kaufen

Den weltgrössten Schokoladehersteller Barry Callebaut sehe ich derweil auf eine seltene Schwächephase zusteuern. Weil in vielen Ländern Hotels, Restaurants und Konditoreien geschlossen sind, wird weniger Schokolade und Kakao verkauft. Normalerweise ist auch dieses Geschäft gegen Abschwächungen der Konjunktur immun, da Schokolade vielerorts zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Der aktuelle Lockdown in Europa und in den USA wird aber zweifellos tiefe Bremsspuren zur Folge haben. Wie tief, das kann ich noch nicht abschätzen. Die kürzlich veröffentlichten Halbjahreszahlen beinhalten den Effekt der Corona-Krise nur bedingt. Aber ich weiss: Mittelfristig ist auch diese innovative, solid finanzierte Firma bereit, um vom kommenden Aufschwung zu profitieren. Sollten die Aktien vom aktuellen Stand bei 1880 Franken in den nächsten Wochen weiter verlieren, würde ich das zum Einstieg nutzen. Kurse unter 2000 Franken sind attraktiv. Dosiert kaufen

Bei anderen Unternehmen ist der Fall aus meiner Sicht eindeutig: Amazon gehört zu den Gewinnern der Krise. Gleich in mehreren Feldern ist das US-Handelsunternehmen hervorragend positioniert. Es zahlen sich nun die Investitionen der Vergangenheit aus, etwa in die Lieferfähigkeit. Vielerorts hat Amazon einen eigenen Paketdienst aufgebaut, in den USA beispielsweise oder auch im Nachbarland Deutschland. Während viele Geschäfte schliessen mussten und nationale Paketdienste unter den Covid-19-Folgen ächzten, kamen Amazon-Lieferungen in der Regel pünktlich an. Mitte März, mitten in der Krise, kündigte das Unternehmen an, weltweit 100’000 neue Mitarbeiter einzustellen, um der Nachfrage Herr zu werden. Dabei ist Amazon auch im Virtuellen gefragt: Gerade in der Krise ist das Bedürfnis nach digitalen Leistungen von Amazon in der Cloud gestiegen, etwa durch die Arbeit im Homeoffice vielerorts oder die explodierende Zahl an Videokonferenzen. Früher oder später werden die Diskussionen um die Marktmacht von Amazon und eine mögliche Regulierung des Konzerns wieder aufflammen – bis dahin bleiben die Aktien attraktiv. Kaufen