Soll ich meine Dufry-Aktien verkaufen?

Das Duty-free-Geschäft leidet schwer unter der Corona-Krise. Was das für die Anleger bedeutet.

Die Aktie des Reisedetailhändlers ist dramatisch eingebrochen: Ein Duty-free-Shop von Dufry in einem Flughafen. Foto: Thomas White/Reuters

Ich habe leider 1400 Aktien von Dufry gekauft. Weil das Duty-free-Geschäft an den Flughäfen zurzeit zum Erliegen kommt und die Fluglinien von Groundings von bis zu einem Jahr ausgehen, mache ich mir Gedanken, ob ich die Aktien nicht besser mit Verlust verkaufen sollte. Wie sehen Sie die Situation von Dufry? T.K.

Für Dufry ist die aktuelle Corona-Krise ein Horrorszenario. Das Unternehmen, das auf der ganzen Welt Flughafenshops und Zollfreiläden betreibt, zählt zu den Firmen, die am meisten von der Lungenkrankheit und deren wirtschaftlichen Folgen betroffen sind.

Wegen der Krise ist der globale Flugverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Grenzen wurden in vielen Ländern geschlossen und drastische Reiserestriktionen erlassen. Das trifft Dufry ins Herz. Entsprechend ist die Aktie dramatisch eingebrochen.

Während der Umsatz in den Keller geht, richtet sich der Blick der Anleger auf die Kosten. Das Unternehmen weist darauf hin, dass es punkto Kosten flexibel sei. Dennoch wird in diesem Jahr wohl ein beträchtlicher Verlust resultieren. Das belastet das Eigenkapital.

Positiv für die Aktie ist, dass Dufry wegen der Streichung einer Vielzahl von Flügen weltweit und des Groundings von ganzen Airlines die Sparanstrengungen nochmals intensiviert hat. Bereits Mitte März wurden Kostensenkungen von 60 Millionen Franken angekündigt. Seither sind weitere Sparmassnahmen beschlossen und eingeleitet worden.

Das Management hat weiter verlauten lassen, dass es in Gesprächen mit den Kreditgebern sei und es positive Signale für eine Unterstützung gebe. Offenbar scheint die Liquidität gesichert. Wegen der Krise hat die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit von Dufry auf «Ba3» gesenkt.

Die entscheidende Frage für Dufry und viele andere von der Krise betroffene Unternehmen ist, wie lange es dauert, bis die Ausbreitung der Lungenkrankheit gestoppt und ein Gegenmittel gefunden wird. Solange die harten Reiserestriktionen noch anhalten und die meisten Flugzeuge am Boden bleiben, ist das Geschäft von Dufry weitgehend blockiert.

Der Flugverkehr wird wohl noch einige Zeit strengen Auflagen unterliegen.

Bei einer monatelangen Reisesperre könnte auch die Liquidität der Firma doch noch zum Problem werden. Für diesen Fall hat auch Moody’s eine weitere Abstufung von Dufry angedroht. Dem Reisedetailhändler droht dann der Ramschstatus.

Da wir nicht wissen, wie sich die Corona-Krise weiterentwickelt, ist bei Dufry alles möglich. Neben den negativen Perspektiven gibt es allerdings auch eine Erholungschance. Sollte die Krise eingedämmt werden und der Reiseverkehr wieder aufgenommen werden können, könnte sich das Geschäft von Dufry wieder erholen.

Allerdings warne ich vor Illusionen: Der Flugverkehr wird wohl noch einige Zeit strengen Auflagen unterliegen. Selbst im positiven Fall wird der internationale Reiseverkehr nur langsam zunehmen. Das Niveau, wie es vor der Corona-Krise war, wird er wohl sehr lange nicht mehr erreichen. Damit fehlt Dufry auch künftig die wichtigste Geschäftsbasis.

Wenn man davon ausgeht, dass die Krise bald überstanden ist und sich der Reiseverkehr wieder intensiviert, sind die Dufry-Aktien sehr tief bewertet. Gleichzeitig sollten Sie sich aber bewusst sein, dass bei Dufry – ähnlich wie bei vielen Airlines – alles möglich ist. Selbst ein Zusammenbruch kann nie ausgeschlossen werden, falls alles noch viel schlimmer kommt.

Immerhin dürfte Durfry in der Schweiz und in vielen anderen Staaten von Nothilfeprogrammen der Länder profitieren. Als führender Reisedetailhändler weltweit wäre Dufry gut aufgestellt, um von einer Erholung des globalen Luft- und Reiseverkehrs stark zu profitieren.

Der Umsatzeinbruch bei Dufry ist im aktuellen Ausmass temporärer Natur. Eine Teilerholung ist möglich. Ob es dazu kommt, hängt vom weiteren Ausgang der Krise ab. Bis wir Klarheit in der Krise haben, bleibt Dufry hoch riskant.

6 Kommentare zu «Soll ich meine Dufry-Aktien verkaufen?»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Der einzig korrekte Kommentar zu Duffry (und den meisten anderen Aktiengesellschaften): Wer nicht HNWI ist (High-Net-Worth Individual mit +30 Mio. freiem Vermögen) und trotzdem Aktien kauft, die keine A-Bewertung der Rating-Agenturen besitzt, der legt sein Geld nicht an, sondern spekuliert bloss damit und redet sich ein, er würde investieren.

  • Karl-Heinz sagt:

    Wenn die Aktie massiv eingebrochen ist, ist es Zeit zu kaufen. Aber nicht bei Dufry, Dufry ist Ramsch. Da eh kein vernünftiger Erlös zu erwarten ist, würde ich halten. Nach Corona gehts wieder etwas aufwärts. Und dann raus.

  • Oil of Olaf sagt:

    Dufry ist kaum ein Investment für die Zukunft.
    Nebst dem es sehr lange gehen wird, bis die Passagier umher Fliegerei wieder startet, ist davon auszugehen, dass im Airline Geschäft längst nicht alle am Boden fest betonierten Fluggesellschaften und Flugzeuge gerettet werden können. Konsequenz daraus wird leider sein, weniger Flugbewegungen und Fluggäste sprich Dufry Kunden. Es wird auch längere Zeit dauern, bis „alle“ wieder „ungehemmt“ mit Flugzeugen in die Ferne reisen, denke ich. Um Dufry und deren Mitarbeiterinnen kann man sich tatsächlich ordentlich Sorgen machen.

  • Karl-Heinz sagt:

    Statt Dufry empfehle ich USA-Technologieaktien oder ETF. Schwerpunkt KI und Software.

  • andy sagt:

    Dufry wird mit grosser Wahrscheinlichkeit ein potentieller Übernahme Kandidat und ich denke, dass Valora bereits am Offerten ausarbeiten ist.

  • Jean Gilette sagt:

    Die Aktien nicht verkaufen. Fällt der Kurs unter 20, nochmals ein Paket nachkaufen. Ein Tipp für die Zukunft. Kaufen Sie keine Aktien mehr, die mit der Fliegerei verlinkt sind. 😉

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