Welche Reisen noch versichert sind

Bevor man einen Flug oder eine Hotelbuchung wegen dem Coronavirus storniert, sollte man die Annulationsbedingungen prüfen.

Kaum mehr Flüge und Angst vor einer Ansteckung: Die Corona-Krise hat den Flugbetrieb komplett gelähmt. Foto: Keystone

Wir haben Ferien im Ausland gebucht. Wenn wir diese wegen des Coronavirus absagen, können wir dann auf unsere Annullationsversicherung bei der Helvetia zurückgreifen? E.M.

Nein, nicht zwingend. Da Sie die Reise aus Angst vor einer Ansteckung annullieren, kommt die Reiseversicherung der Helvetia für die Kosten nicht auf, wie ein Sprecher des Versicherers auf meine Anfrage hin bestätigt.

Anders ist es, wenn die Reise aufgrund des Coronavirus vom Leistungserbringer annulliert würde. Dann müsste dieser die Kosten übernehmen. Offensichtlich ist das bei den vielen Flügen nach Asien, den USA oder nach Italien, die von den Airlines wegen der Krankheit gestrichen wurden. In solchen Fällen statten die Fluggesellschaften die Kosten für die Flüge vollumfänglich zurück oder ermöglichen zumindest eine Umbuchung der Flüge ohne Kostenfolge für den Passagier.

Wie Hansjörg Ryser von der Helvetia erklärt, übernimmt die Versicherung «aber freiwillig die Kosten annullierter Flug- und Hotelbuchungen in ganz China, inklusive Hongkong, sofern sie nicht vom Leistungserbringer rückerstattet werden. Von der Regelung ausgeschlossen sind Transitflüge. Die Regelung gilt momentan bis Ende März.»

Reisen sind derzeit ja kaum mehr möglich. Später – etwa im Sommer oder Herbst – sieht die Lage vielleicht wieder anders aus. Darum sollte man nicht vorgreifen und von sich aus bereits alles annullieren. Vergütet werden Kosten grundsätzlich, wenn das Bundesamt für Gesundheit BAG von einer Reise in die entsprechende Destination abrät oder eine Reise dorthin aufgrund von offiziellen Anordnungen der Behörden nicht möglich ist, weil das Land oder die Region zu einem Sperrgebiet erklärt wurde, wie wir dies bei Italien gesehen haben.

Kosten übernommen werden von Annullations- und Reiseversicherungen auch, wenn die versicherte Person oder die in der Versicherung bezeichneten Personen erkranken und darum die Reise annulliert werden muss. Das muss nicht zwingend mit Corona zu tun haben, sondern betrifft alle Arten von Erkrankungen, wobei in solchen Situationen ein Arztzeugnis beigebracht werden muss.

Was genau von einer Annullationskostenversicherung bezahlt wird, lesen Sie in der Police oder in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen, die Vertragsbestandteil Ihrer Police sind. Auch wenn niemand gerne solche in mühsamem Juristendeutsch verfasste Vertragsanhänge liest, lohnt es sich, diese zu studieren. Hier wird im Detail aufgelistet, was von der Annullationsversicherung übernommen wird und was nicht.

Zu den Ereignissen, die bezahlt werden, gehören etwa Krankheit, Unfall und Tod der versicherten Person oder von Angehörigen, Verlust des Arbeitsplatzes, Ausfall der öffentlichen Transportmittel, Feuer- oder Wasserschäden zu Hause oder am Feriendomizil, Einbruch zu Hause oder der Diebstahl von Reisedokumenten, Kreditkarten oder Pässen am Tag der Abreise, wobei als Beleg ein Polizeirapport beigebracht werden muss.

Auch auf Epidemien wird im Kleingedruckten der Helvetia oder der Mobiliar verwiesen. Dieser Passus bestimmt, dass Annullationskosten gedeckt sind auch in dem Fall, dass eine Person die gebuchte Reise wegen Quarantäne und Epidemie nicht antreten kann.

Nicht automatisch gedeckt sind allerdings die Kosten für den Abbruch der Reise oder Verlängerung wegen Quarantäne, wie man das derzeit auf Kreuzfahrtschiffen gesehen hat. Dieses Risiko müsste ergänzend über eine Assistance-Police versichert werden.