Soll ich das PK-Geld selber anlegen?

Wer vorzeitig bezogenes Geld aus der Pensionskasse selber investiert, trägt das volle Anlagerisiko.

Wie investiere ich erfolgreich? Das ist gerade in diesen Tagen die grosse Frage. Foto: iStock

Wir haben vor zwei Jahren ein Haus gekauft und rund 50’000 Franken von der Pensionskasse vorbezogen. Nun, da ich in der Lage wäre, eine erste Teilzahlung zu machen, bin ich nicht mehr so sicher, ob das schlau ist. Meine PK hat in den letzten Jahren durchschnittlich 4,7 Prozent Rendite gemacht. Mein Erspartes wird mir aber nur zu 1 Prozent verzinst – den Rest benötigen sie, um die aktuellen Renten zu finanzieren. Somit ist für mich eigentlich der logische Schluss, dass ich die 50’000 Franken besser selbst anlege. Denn bis zu meiner Pension dauert es noch rund 30 Jahre. Wenn ich über den Zeithorizont 4 Prozent erwirtschaften kann, gibt dies deutlich mehr. Mache ich einen Denkfehler? T.B.

Sie sprechen in Ihrer Frage ein heikles Thema an: die Quersubventionierung der heutigen Rentner durch die heute noch Erwerbstätigen. Weil die Umwandlungssätze und die Renten in der zweiten Säule seit Jahren faktisch zu hoch sind, brauchen die Pensionskassen einen Teil ihrer Gewinne, um die Renten der Pensionierten zu subventionieren. Das Kapital der noch Erwerbstätigen wird indes tiefer verzinst.

Während für den obligatorischen Teil eine Mindestverzinsung von 1 Prozent gilt, sind die Vorsorgeinstitute im überobligatorischen Bereich frei. Diesen Spielraum nutzen die Pensionskassen für die problematische Quersubventionierung unter den verschiedenen Generationen.

Vor diesem Hintergrund kann ich Ihre Überlegungen gut nachvollziehen. Wenn Sie über dreissig Jahre hinweg auf ihren 50’000 Franken statt der von der PK vergüteten 1 Prozent wie von Ihnen angenommen 4 Prozent Rendite erreichen, hätten Sie für Ihr Alter weit mehr auf der hohen Kante. Ihre Rechnung geht allerdings nur auf, wenn Sie diszipliniert sind und die 50’000 Franken nicht für den Konsum antasten, voll investieren und vor allem erfolgreich investieren.

«Falls die Wirtschaft in Europa in eine Rezession fallen würde, könnte eine Korrekturphase auch längere Zeit anhalten.»

Im letzteren Punkt sehe ich das eigentliche Problem: Damit Sie wirklich eine Rendite von 4 Prozent pro Jahr erzielen, können Sie das Kapital nicht einfach konservativ anlegen, sondern müssten das Geld in Aktien investieren.

Nachdem die Aktienindizes wegen des Coronavirus und der unklaren Folgen getaucht sind und die Märkte mit vielen weiteren Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit, hohen Schuldenbergen, der Konjunkturabschwächung und geopolitischen Risiken konfrontiert sind, würde es mich nicht erstaunen, wenn wir über kurz oder lang weitere Korrekturen erleben würden.

Falls die Wirtschaft in Europa in eine Rezession fallen würde, könnte eine Korrekturphase auch längere Zeit anhalten. Sie müssten also erhebliche Buchverluste in Kauf nehmen. Da Sie einen Anlagehorizont von bis zu dreissig Jahre haben, wie Sie schreiben, würden die starken Kursschwankungen deutlich relativiert. Sie hätten eine realistische Chance, auf lange Sicht die gewünschte Rendite zu erreichen.

Nur: Garantiert ist das keineswegs. Anders, als wenn Sie das Geld in Ihre Pensionskasse zurückzahlen, tragen Sie bei einer Selbstanlage des Betrages das volle Anlagerisiko. Sie müssten sich daher genau überlegen, ob Sie dieses erhöhte Risiko wirklich tragen wollen und können.