Bank oder Versicherung für die 3. Säule?

Von Gebühren bis Spardisziplin: Unser Geldberater sagt, worauf man bei der Wahl des richtigen 3.-Säule-Produkts achten sollte.

Welche 3.-Säule-Lösung passt zu mir? Es gilt, die eigene Konstellation zu berücksichtigen. Foto: Keystone

Ich wundere mich, dass Sie empfehlen, die Säule 3a über Versicherungen abzuwickeln, weil auch noch ein Versicherungsschutz gewährt wird. Ich hatte meine zwei Dritte-Säule-Anlagen bei einer Versicherungsgesellschaft gemacht und bin bitter enttäuscht worden. Eine reine Lebensversicherung kostet wesentlich weniger Prämie als die Kombination. Und die administrativen Kosten sind auch nicht zu vernachlässigen. E. R.

In meinem Text, auf den Sie sich beziehen, hatte ich nur auf die Versicherungslösung als Variante hingewiesen, die je nach Konstellation auch sinnvoll sein kann. Ich weiss nicht, mit welchem Produkt und welchem Anbieter Sie derart schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ich gebe Ihnen aber recht, dass hohe Gebühren in der 3. Säule generell ein Problem sind, da sie die Rendite meist stark schmälern.

Man sollte sich keine Illusionen machen: Die steuerbegünstigte Säule 3a ist sowohl für Banken als auch für die Versicherer ein attraktives Business. Wenn man die Modelle und Produkte im Detail analysiert, fällt auf, dass in den meisten Fällen hohe Margen für die Anbieter anfallen.

Dazu kommt, dass man als Kunde bei der Säule 3a langfristig gebunden ist. Zwar kann man bei einer Banklösung mit seinem Säule-3a-Konto als Ganzes durchaus zur Konkurrenz wechseln. Das machen aber nicht viele. Die meisten bleiben langfristig bei dem Anbieter, bei dem sie die Säule 3a gestartet haben. Die Kombination lange Kundenanbindung und hohe Margen sind für die Anbieter perfekt.

Noch weniger flexibel als bei den Banken ist man bei der Versicherungslösung. Hier verpflichtet man sich mit der Vertragsunterzeichnung, dass man jedes Jahr einen vorher festgelegten Betrag in die 3. Säule einzahlt. Diese fehlende Flexibilität kann aus meiner Sicht aber auch Vorteile haben: Der Sparzwang verhindert, dass man Einzahlungen während einzelner Jahre weglässt, weil eben gerade eine Reise ansteht oder man sonst mehr konsumieren möchte.

Konsum ist oft ein Grund, warum viele Leute bei der Bankvariante zu wenig diszipliniert in die Säule 3a einzahlen. Bei jedem Jahr, in dem man die 3. Säule nicht nutzt, fehlt später das Geld für die Altersvorsorge, zumal man, anders als bei der Pensionskasse, im Nachhinein keine Nachzahlungen mehr leisten darf.

Punkto Steuerabzug sind Bank- und Versicherungsvarianten gleich. Bei der Anlage der Gelder und beim Risikoschutz gibt es indes Unterschiede. Bei der Versicherungslösung zahlt man für den Risikoschutz zusätzlich eine Prämie. Dieses Geld geht vom Sparteil weg. Das würde er auch, wenn jemand separat eine reine Risikopolice kauft. Voraussetzung ist allerdings immer, dass man den Risikoschutz wirklich braucht – etwa, wenn man eine hohe Hypothekbelastung oder Familie hat.

Die Renditen sind sowohl bei der Bank- als auch der Versicherungslösung derzeit mickrig. Bei der Versicherungsvariante werden vom Zins allerdings tatsächlich auch noch Administrationsgebühren und Kommissionen abgezogen. Viel Zins bleibt definitiv nicht mehr übrig. Immerhin versprechen die Versicherer noch Überschüsse. Das Problem dabei: Die sind nicht garantiert. Darum sollte man nicht damit rechnen.

Aufbessern kann man seine Rendite bei beiden Varianten, indem man in Vorsorgefonds investiert. Doch auch da werden hohe Gebühren abgezogen, was die effektive Rendite schmälert – und zwar nicht nur bei der Versicherungslösung, auch bei der Bankvariante, wie die happige Total Expense Ratio (TER), bei vielen für die 3. Säule genutzte Vorsorgefonds, belegt.

Immerhin kann man das als Anleger umgehen, indem man passiv verwaltete Vorsorgefonds mit einer tiefen TER kauft. In diesem Fall fährt man punkto Gebühren tatsächlich besser mit der Bankvariante, selbst wenn man auch noch eine reine Risikopolice kauft.

Trotzdem gibt es für mich in dieser Frage nicht nur Schwarz und Weiss. Je nach Konstellation ist es für jemanden sinnvoller, wenn er sich einen Sparzwang auferlegt. Für jemand anderen ist es indes wichtig, dass er jederzeit die Flexibilität behält. Jeder sollte für sich überlegen, welche Variante für ihn und seine Ziele besser ist.

Aus Gebührensicht würde ich die Bankvariante vorziehen. Wenn jemand weiss, dass er Mühe mit Disziplin hat, aber dennoch für sein Alter sparen möchte und auch einen Risikoschutz braucht, kann auch die Versicherungsvariante sinnvoll sein, da man kaum Gefahr läuft, dass man einzelne Jahre im wichtigen Sparprozess verliert.

16 Kommentare zu «Bank oder Versicherung für die 3. Säule?»

  • Peter Rohner sagt:

    Gute und günstige 3a-Fondsprodukte (ETFs) gibt es bekanntlich bei VIAC. Hier ist es möglich, bis zu 100% in Aktien zu halten (was ich gerade bei jungen Leuten nur empfehlen kann, da sehr langer Anlagehorizont vorhanden).

    Nicht übel sind auch andere Fondsprodukte z.B. vom Vermögenszentrum („Sparen 3a mit ETFs“) oder von sonstigen Banken. Hier einfach darauf schauen, dass es sich um Indexprodukte handelt und der TER max. O.5% beträgt. Interessant könnte auch das neue Produkt der ZKB werden („frankly“), das im April 2020 lanciert wird.

    3a-Versicherungen sind tatsächlich teuer. Vorteile hier sind sicher der Sparzwang (wie Herr Spieler bereits erwähnt hat) und der Versicherungsschutz (z.B. Tod, Erwerbsunfähig, Prämienbefreiung), falls man diesen braucht.

    • Peter Rohner sagt:

      Oft wird jungen Leuten eine langlaufende 3a-Versicherung aufgeschwatzt, was leider sehr ins Geld geht. Ein Versicherungsschutz (Tod) ist oft nur für junge Familien mit Eigenheim nötig, evtl. kann man sich noch gegen Erwerbsunfähigkeit versichern lassen. Aber oft ist man schon dank der 2. Säule recht gut versichert (im PK-Ausweis stehen die Details).

  • Anh Toàn sagt:

    Verträge welche jemanden verpflichten, über zig Jahre einen gewissen Betrag zu sparen, also kapitalbildende Lebensversicherungen, Fondssparpläne sind eigentlich wegen übermässiger Bindung gegen die guten Sitten und gehören verboten. Eine derartige Verpflichtung wird als Vorteil beschrieben hier (Sparzwang), da verkaufe ich Ihnen als Vorteil, sich unter meine Vormundschaft stellen zu lassen: Ich sende Sie dann arbeiten, sorge dafür, dass sie auch brav sparen, früh ins Bett gehen, nichts verschwenden.

    Die Versicherung hofft die ganze Vertragslaufzeit darauf, dass der Vertrag nicht erfüllt wird und sie vorzeitig auflösen kann.

    Wer Versicherungsbedarf hat, also insbesondere selbständig Erwerbende, kann / soll dies im Rahmen der Säule 3a abdecken. Den Sparteil aber unbedingt

    • Anh Toàn sagt:

      bei einer Bank, ohne Verpflichtung;

      Stellen Sie sich vor, kein Cash wegen schlechtem Geschäftsgang als Selbständiger, kein Cash weil das Häuschen ein neues Dach oder eine Heizung braucht, die Versicherung will die Prämie für die „freiwillige“ Altersvorsorge, betreibt dann, lässt das Geschäft in Konkurs gehen oder das Eigenheim versteigern: Ruiniert von der freiwilligen Vorsorge!

      • Anh Toàn sagt:

        Versicherungen sind für Notfälle. Not entsteht aus Unvorhergesehenem: Bei der 3. Säule wird aber nicht Not versichert, es gibt ja noch erste und zweite Säule und gegen Not noch Ergänzungsleistungen, sondern der gewohnte Lebensstandard wird fürs vorhersehbare Alter versichert: Gerät man vorher in eine Notlage, vergrössert diese Versicherung die Notlage, zw. man löst sie vorzeitig mit grossen Verlusten auf.

        Wer zu doof ist, zu sparen, „Sparzwang“ braucht, wird irgendwann die Prämien für seine Sparknechtschaft nicht aufbringen können, und sitzt auf einem Verlustgeschäft mehr. Die anderen brauchen es ohnehin nicht:

        Niemandem, ausser dem Anbieter, dient so etwas wie ein Sparzwang.

      • Anh Toàn sagt:

        „Kein Cash“ ist ein Problem, kein steuerbares Einkommen (z.B. wegen Hausrenovation, schlechtem Geschäftsgang) von dem die Einzahlungen steuerlich abgezogen werden können, ist nur, aber auch ärgerlich: Ohne Sparzwang zahlt man nicht in die 3a, wenn das steuerbare Einkommen ohnehin gering ist, man kann ja nichts mehr abziehen, mit Sparzwang muss man auch einzahlen, wenn man nichts (relevant) abziehen kann, die spätere Auszahlung dann doch versteuern.

  • Meyerhans sagt:

    Lohnt sich die Säule 3a wirklich noch?
    a) investiert man in Aktien, werden diese u.U. am ungünstigsten Zeitpunkt fällig.
    b) Kauft man jedes Jahr online einen Titel mit Dividenden, kann man, auch wenn die Aktie fällt, diese behalten, wenn man pensioniert ist.
    c) Man entscheidet selbst bestimmt, bei der 3a entscheiden andere, wie bei einem Fonds, und Fonds ist meistens nur für die Anbieter gut.
    d) Auch ein Indexfonds kann jederzeit, meist im ungünstigsten Zeitpunkt, für den Anleger liquidiert werden.
    e) Hat man genügend Vermögen und ein vernünftiges Einkommen, kann man sich überlegen, eine Kapitalgesellschaft jung zu gründen, derselben zinsfrei Kapital zu geben, die es selber anlegt, wobei man darauf achten muss, kein verdecktes Eigenkapital zu bilden.

    • Louis Deluigi sagt:

      @Meyerhans: Es gibt heute aber viele Fonds, die man nach der Pensionierung weiterlaufen lassen kann. Aber nicht mehr steuerfrei.
      Ihre Dividendenpapiere müssen Sie aber von Anfang an sowohl als Vermögen, als auch als Einkommen versteuern.

    • Josef Marti sagt:

      Die Erträge der Kapitalgesellschaft putzt man aber nicht so schnell weg, es fallen Gewinnsteuern an und bei Ausschüttung VST und Einkommenssteuern.

  • urs sagt:

    Die private Altersvorsorge mit einer Risikoersicherung Invalidität / Tod zu verbinden ist absoluter Unsinn. Davon profitieren nur die Versicherungen, welche mit einem Vertrag dem Kunden langjährige Fesseln anlegen können. Zudem kassiert noch ein Vermittler Jahr für Jahr seine Kommissionen ein, welche natürlich der Kunde zu berappen hat.
    Ich würde unabhängig von der 3. Säule eine Risikoversicherung für Tod und Invalididtät abschliessen.

  • Simon Affentranger sagt:

    Mir wurde mit 28 Jahren eine Versicherungslösung aufgeschwatzt, weil eben der Zins- und Zinseszins-Effekt wahnsinnig interessant sei auf so lange Dauer. Bis ich neulich alles überprüft und gemerkt habe, dass ich die Auszahlung praktisch deckungsgleich ist mit dem eingezahlten Betrag, zudem aber nicht verfügbar sein wird für Immobilien, auf einmal ausbezahlt würde und praktisch keine Aussteige-Möglichkeiten bietet. Wenn man dann auch noch gut über die 2. Säule gegen die gedeckten Risiken abgesichert ist, ist eine Versicherungslösung anscheinend völliger Humbug.

  • Ondelli sagt:

    Herr Spieler, mit Verlaub, ihre Ausführungen sind sowas von „alter Cafe“. Ich wundere mich mit welcher Legitimation Sie sich Experte nennen. Wollen wir uns wirklich Mal fachlich fundiert unterhalten. Mal schauen wo ihre Grenzen liegen. Schon Mal was von nicht amortisierten Abschlusskosten, von Zillmerung, von Alpha Kosten gehört. Haben Sie überhaupt eine Ahnung wie die Vertriebskanäle und mit welcher Marktverteilung funktionieren.
    Freundliche Grüsse
    Luigi Ondelli

  • Marcel Burkhalter sagt:

    Manchmal ist nicht „entweder oder“ die richtige Antwort, sondern „sowohl als auch“. Ich bin mit meiner gemischten Lebensversicherung in der Säule 3a total happy. Abgeschlossen 1989, garantierter Zins 3.50% (wofür man in den 90er-Jahren belächelt wurde). Damit gleichzeitig die Familie abgesichert. Dazu ein Säule 3a-Wertschriftenkonto mit hohem Aktienanteil bei der Bank. Aufteilung 1/3 Versicherung, 2/3 Bank. Schwarz-weiss-Denken hilft bei der Vorsorgeplanung nicht weiter, gesunder Menschenverstand schon viel eher.

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