Buchgewinne: Soll ich jetzt verkaufen?

2019 war ein Traumbörsenjahr – das sich kaum wiederholen wird. Für manche Anleger lohnt es sich, Gewinne ins Trockene zu bringen.

Was tun bei Aktiengewinnen? Geld zählen reicht nicht. Foto: iStock

Wir besitzen seit vielen Jahren Anteile am UBS 100 Index-Fund. Im letzten Jahr ist der Wert beträchtlich gestiegen. Macht es Sinn, diesen hohen Kursgewinn zu realisieren und die Anteile zu veräussern, oder soll ich sie behalten? R.P.

Der von Ihnen gehaltene «UBS 100 Index Switzerland P Fonds» investiert in die gemäss Marktkapitalisierung hundert grössten Schweizer Börsenunternehmen. Mit diesem Vehikel können Sie breit diversifiziert den hiesigen Aktienmarkt abdecken.

Grösste Positionen dieses Fonds sind die bekannten Schweizer Papiere Nestlé, Roche, Novartis, Zurich Insurance, UBS, ABB, Richemont, Swiss Re, Credit Suisse und LafargeHolcim.

Da der Fonds einfach den UBS-100-Index abbildet, sind die in der Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio, TER) ausgewiesenen Gebühren mit 0,61 Prozent im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds eher tief, im Vergleich zu passiv verwalteten Exchange Traded Funds (ETFs) aber eher hoch.

Immerhin haben Sie mit diesem Fonds direkt vom Traumbörsenjahr 2019 profitiert, in dem der Schweizer Markt auch im internationalen Vergleich überdurchschnittlich abgeschnitten hat. Entsprechend sitzen Sie nun auf erheblichen Buchgewinnen. Natürlich ist die Verlockung gross, diese Kursgewinne zu realisieren. Denn genauso schnell, wie Buchgewinne entstehen, sind sie nach einem Markttaucher auch wieder verflogen.

Damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können, würde ich mir folgende Fragen stellen: Was planen Sie nach einem allfälligen Verkauf der Fondsanteile mit dem Geld? Falls Sie das Geld nicht brauchen und auf jeden Fall wieder anlegen würden, stellt sich die Frage der Wiederanlage. Das Geld einfach auf dem Konto liegenzulassen, ist wenig sinnvoll, da es dort keinen Zins abwirft.

Wenn Sie es wieder in Aktien oder Aktienfonds investieren möchten, hätten Sie das Problem, dass diese recht teuer bewertet sind. Natürlich könnten Sie abwarten, bis es zu einer Korrektur kommt und Sie vielleicht günstiger wieder kaufen könnten. Allerdings wissen wir nicht, wann wirklich eine Korrektur eintrifft. Das kann sehr plötzlich kommen oder auch erst später, da die ultralockere Geldpolitik der grossen Notenbanken der Welt dafür sorgt, dass nach wie vor viel Geld in Aktien fliesst.

Wenn Sie überzeugt sind, dass wir nach der langen Hausse eine stärkere Korrektur erleben werden und Sie das Geld in nächster Zeit eher nicht wieder anlegen möchten, würde ich die Kursgewinne jetzt ins Trockene bringen.

Abhängig ist der Entscheid aus meiner Sicht auch von Ihren Lebensumständen. Wenn Sie jung wären, würde ich Ihnen eher raten, die Fondsanteile zu behalten und auf lange Sicht von zehn bis zwanzig Jahren zu halten. Falls Sie aber älter und allenfalls im Rentenalter sind, ist Ihr Anlagehorizont naturgemäss kürzer. In dieser Konstellation würde ich wohl die Gewinne realisieren und das Geld für den Lebensstandard oder eine eiserne Reserve nutzen.

Aber an der Börse ist alles möglich. Sie müssen für sich selbst abschätzen, ob Sie lieber hohe Sicherheit wünschen und daher die Kursgewinne realisieren oder ob Sie auf weiter steigende Kurse hoffen und das Risiko einer Korrektur eingehen wollen, falls Sie überzeugt sind, dass die Börsenparty noch länger andauern wird.

Persönlich rechne ich damit, dass 2019 mit den beeindruckenden Kursgewinnen auf breiter Front ein Ausnahmejahr war und das laufende Jahr trotz starkem Start angesichts vieler Unsicherheitsfaktoren und geopolitischen Risiken kaum mehr so gut laufen wird wie das letzte Jahr. Nach den Rekordständen ist das Korrekturrisiko zweifellos gestiegen.