Wie man die Top-Schuldner findet

Wo erhalten Privatanleger Informationen zur Bonität von Schweizer Unternehmen? Und ist es überhaupt noch sinnvoll, Obligationen ins Portfolio aufzunehmen?

Die Zürcher Kantonalbank ist eine wichtige Informationsquelle für Anleger – und gleichzeitig eines der Schweizer Unternehmen mit AAA-Rating. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Für mich ist Sicherheit beim Anlegen sehr wichtig. Darum will ich nur Schweizer Oblis mit einem Top-Rating – am liebsten AAA. Ich habe aber festgestellt, dass die internationalen Ratingagenturen nicht alle Schuldner abdecken. Wo bekomme ich einen Überblick, wenn ich Anleihen von hiesigen Schuldnern beurteilen möchte? U.V.

Konkrete Vorschläge für Anleihen von Top-Schuldnern und die dazu gehörenden Informationen erhalten Sie direkt von Ihrer Hausbank. Falls Sie sich aber unabhängig von der Bank einen, wie Sie schreiben, Überblick über die Schuldnerqualitäten am Schweizer Kapitalmarkt verschaffen wollen und die Informationen nicht im Internet bei den einzelnen Schuldnern zusammensuchen möchten, ist der «Swiss Rating Guide», ein Nachschlagewerk der Zürcher Kantonalbank über Inlandschuldner auf dem Schweizer Kapitalmarkt, ein gutes Hilfsmittel, das ich empfehlen kann.

Ein solches ist für Anleger umso wichtiger, da am Schweizer-Franken-Anleihenmarkt das Inlandsegment deutlich gewachsen ist, während das Auslandsegment abgenommen hat. Die grossen internationalen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s verfolgen in der Tat nur einen Teil der Schuldner in der Schweiz. Schuldner wie etwa die Axpo, Bucher, Kanton Luzern, Zuger Kantonalbank, KKW Leibstadt oder Stadt Zürich werden nicht abgedeckt.

Diese Lücke füllt die ZKB mit ihrem «Swiss Rating Guide». Hier finden Sie auch schnell eine Übersicht über die Anleihen von Top-Schuldnern mit einem AAA-Rating, wie Sie es sich wünschen. Zu den Schuldnern mit einem AAA-Rating gehören etwa die Basler Kantonalbank, die Emissionszentrale für gemeinnützige Wohnbauträger, der Kanton Basel Stadt, der Kanton Schwyz, der Kanton Waadt, der Kanton Zürich, die Pfandbriefbank, die Pfandbriefzentrale, die Schweizerische Eidgenossenschaft, die Schwyzer Kantonalbank, die Zuger KB und die Zürcher KB, wobei bei Letzterer das Rating von S&P stammt.

Sie sehen, so viele Schuldner mit einem AAA-Rating gibt es auch im Inlandsegment am Schweizer-Franken-Anleihenmarkt nicht. Sicherheit der Schuldner ist bei der Auswahl von Obligationen durchaus wichtig, erst recht, wenn Sie ein sehr konservativer Anleger sind. Sicherheit ist aber nur ein Aspekt. Die hohe Sicherheit, die ein AAA-Rating zum Ausdruck bringt, hat einen hohen Preis – nämlich in Form einer schlechten oder im aktuellen Umfeld der rekordtiefen Zinsen sogar miserablen Rendite.

Offensichtlich wird das am Beispiel der Eidgenossenschaft. Bundesobligationen gehören zwar weltweit zu den sichersten Wertpapieren, dennoch verlieren Sie derzeit mit diesen Geld, da die Rendite der Bundesobligationen der Eidgenossenschaft mit Laufzeit 10 Jahren rund 0,5 im Minus notiert.

Das ist zwar noch besser, als wenn man der Bank Negativzinsen von 0,75 Prozent abliefern muss, was erklärt, dass institutionelle Investoren zum Teil weiterhin in diesen Papieren engagiert sind.

Für Sie als Privatanleger macht es aus meiner Sicht aber keinen Sinn, solche Anleihen zu halten – trotz der hervorragenden Schuldnerqualität. Eine Alternative wären Obligationenfonds, die bei der Schuldnerqualität breit diversifizieren können und so eine etwas bessere Rendite erzielen. Berücksichtigt man allerdings die Gebühren, sind viele Schweizer-Franken-Fonds ebenfalls ein Negativgeschäft.

Damit Sie Ihre Rendite verbessern können, müssen Sie aus meiner Sicht zwingend Abstriche bei der Schuldnerqualität machen oder eine miserable Rendite in Kauf nehmen. Mehr Rendite bieten zudem Dividendenperlen. Diese sind aber starken Kursschwankungen ausgesetzt, was sich mit Ihrem Wunsch nach höchster Sicherheit schlecht verträgt.