UBS ist dank Dividende eine Überlegung wert

UBS: Die Bank hat etliche Probleme, aber die Dividendenrendite von 5,6 Prozent ist attraktiv. Foto: Walter Bieri/Keystone

Die Augen der Investoren sind dieser Tage auf die Credit Suisse gerichtet. Da gerät die zweite Schweizer Grossbank schon mal in Vergessenheit. Dabei könnte sich die UBS als interessante Anlagealternative entpuppen. Ich möchte nichts schönreden, der Margendruck besteht weiter, das Niedrigzinsumfeld belastet, und in Frankreich steht die Bank vor Gericht. Aber das ist alles bekannt. Schnäppchenjäger könnten deshalb auch anders überlegen. Die Aktien handeln mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,9, das heisst: Das Eigenkapital der Bank kann mit einem Abschlag gekauft werden. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 ist günstig und die Dividendenrendite von 5,6 Prozent attraktiv. Bis zu einem gewissen Grad bremst das eine weitere Abwärtsbewegung, weil Anleger allein wegen der Ausschüttung UBS-Valoren kaufen. Verstehen Sie mich nicht falsch, mit Euphorie halte ich mich bewusst zurück. Aber vor dem Hintergrund der Bewertung kann ein Blick auf die UBS-Titel nicht schaden. Halten

Digitale Vorreiterin

Die Abschlüsse der Kantonalbanken lesen sich besser als erwartet. Sowohl Luzerner, Glarner als auch Graubündner Kantonalbank lieferten vergangene Woche trotz Margendruck im Zinsengeschäft schöne Ergebnisse ab. Besonders aufgefallen ist mir dabei die Glarner Kantonalbank (GLKB). Seit Jahren beweist sie sich als so etwas wie die digitale Vorreiterin unter den Staatsinstituten. Das zahlt sich jetzt aus. Die Kreditfabrik, über welche die GLKB Dritten Dienstleistungen wie die Verwaltung und die Abwicklung von Hypotheken anbietet, hat sich zu einem ansehn­lichen Ertragspfeiler entwickelt. Das Potenzial ist gross. Zumal die GLKB zusätzlich am Vertrieb ihrer modular aufgebauten Software Softlink verdient. Unterstützt von der Entwicklung, haben die Glarner den Gewinn um 14,8 Prozent gesteigert – das ist respektabel. Auch mit der Eigenkapitalrendite von 9,5 Prozent sticht die GLKB unter den Retailbanken positiv hervor. Die hohe Quote würde eine Aktienbewertung über der Benchmark erlauben. Dass die GLKB-­Valoren nicht teurer als Konkurrenzaktien sind, spricht dafür, dass sie mehr Potenzial für Kursavancen haben. Kaufen

Mammut wird verkauft

Aus der Mischgruppe soll ein fokussiertes Unternehmen werden. Das gab Conzzeta im Dezember bekannt. Behalten will Conzzeta den Maschinenbau für Blechbearbeitung. Verkauft werden das Schaumstoffgeschäft und die Sportmarke Mammut. Ein Teil des Verkaufserlöses wird an die Conzzeta-Aktionäre ausgeschüttet. Die letzte Woche publizierten Umsatzzahlen zeigen, dass Mammut im vierten Quartal 16 Prozent mehr verkauft hat als in der Vorjahresperiode. Das Umsatzniveau erreicht damit wieder ein Niveau, wie es letztmals 2014 verzeichnet worden war, als es Mammut noch richtig gut gegangen war. Danach zeigten sich branchenweit Sättigungsanzeichen, und der Onlinehandel machte Kummer. Heute hat Mammut die verschiedenen Verkaufskanäle besser im Griff, und die Marke wurde präziser positioniert. Der erfolgreiche Turnaround verspricht für Mammut einen potenziell hohen Verkaufserlös. Dagegen läuft es im Schaumstoffgeschäft weiterhin schlecht, der Umsatz ist auch im vierten Quartal gesunken. Vor dem Verkauf dürften noch weitere Anpassungen nötig sein. Für mich ist klar: Conzzeta ist auf dem richtigen Weg. Kaufen

Konkurrenz leidet auch

Die Aktien von global tätigen Stellenvermittlern sind in einer Schwächephase. Die Titel von Adecco ­haben in den letzten vier Wochen mehr als 4 Prozent verloren, die Konkurrenten Manpower und Randstad litten im selben Ausmass. 2019 war für Adecco-Aktionäre hingegen noch ein gutes Jahr, trotz unsicherer Wirtschaftsaussichten. Denn die Job-Titel reagieren in der Regel negativ, wenn es mit der Konjunktur abwärtsgeht. Adecco-Papiere sind diejenigen SMI-Valoren, die am stärksten mit dem globalen Einkaufsmanagerindex (PMI) korrelieren. Die Frage, ob ich nun bei Adecco einsteigen soll, verknüpfe ich deshalb mit einem Blick auf die Weltkonjunktur, und hier sind die Perspektiven diffus. Denn das Coronavirus wirft herkömmliche Modelle über den Haufen. Gut möglich, dass das Wachstum zuerst in China leidet und die Weltwirtschaft durch unterbrochene Lieferketten und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten angesteckt wird. Mit einem Einstieg bei Adecco sollten Anleger deshalb noch zuwarten, bis sich der Nebel an der Konjunkturfront lichtet. Immerhin bietet Adecco weiterhin eine attraktive Dividendenrendite von mehr als 4 Prozent. Daran wird auch das ­Virus nichts ändern. Abwarten

Vorschusslorbeeren sind gerechtfertigt

Das Biotech-Unternehmen Idorsia hat nach einer Avance von 85 Prozent im vergangenen Jahr einen stattlichen Börsenwert von mehr als 4 Milliarden Franken erreicht. Anleger sind offenbar bereit, dem Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel sowie ihrem von Actelion übernommenen, erfahrenen Team viel Vorschusslorbeeren zu geben. Das scheint mir gerechtfertigt, denn sie haben bisher einen fast fehlerfreien Parcours in der Medikamentenentwicklung hingelegt. Trotzdem: Einen Produktumsatz erzielt Idorsia noch nicht. Ein erstes Medikament kommt frühestens 2022 auf den Markt. Einen ersten kleinen Gewinn könnte das Unternehmen 2024 erzielen – wenn alles gut geht. Für April oder Mai werden Studiendaten zu dem am weitesten fortgeschrittenen Medikament erwartet, dem Schlafmittel Dora. Fallen sie positiv aus, sollte das dem Aktienkurs Auftrieb geben. Fällt die Studie durch, dürfte Idorsia kräftig Federn lassen. Vorsichtige Anleger sollten zumindest einen Teil ihrer Gewinne schon jetzt mitnehmen. Verkaufen