Börsengewinne realisieren – und dann?

Wer jetzt Aktien und Fondsanteile verkauft, ist mit der Frage konfrontiert, wie er das Geld neu anlegen soll.

Falls Sie Gewinne ins Trockene bringen, sollten Sie nicht zu lange auf liquiden Mitteln sitzen. Foto: Keystone

Vor zwei Jahren habe ich zehn Anteile am zCapital Swiss Dividend Fund A (Valor 19466655) gekauft, die heute 24,8 Prozent Gewinn bei Realisierung ergäben. Was meinen Sie, soll ich jetzt verkaufen und dann zum neuen Kurs wieder in diesen Fond investieren? U.A.

Der «zCapital Swiss Dividend»-Fonds investiert in Schweizer Börsenfirmen, die hohe Dividendenrenditen aufweisen und steigende Dividenden versprechen. Der aktiv und in Schweizer Franken geführte Fonds setzt voll auf Aktien. Die verrechneten Kosten betragen rund ein Prozent.

Hinter dem Fonds steht die Zuger zCapital AG, ein vor zwölf Jahren gegründeter und von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) beaufsichtigter, unabhängiger Vermögensverwalter, der sich auf Schweizer Aktien spezialisiert hat. Dank dem Fokus auf Schweizer Aktien hat der Fonds im vergangenen Jahr stark von der Top-Performance des Schweizer Marktes profitiert.

Entsprechend sitzen Sie nun auf Buchgewinnen. Nach der starken Entwicklung der Börsen ist die Versuchung gross, dass man mal Gewinne ins Trockene bringt. Das sollten Sie allerdings nur tun, wenn Sie überzeugt sind, dass die Aktienmärkte ihren Peak erreicht oder sogar überschritten haben. Lohnenswert wäre ein Verkauf, wenn es danach zu einer deutlichen Börsenkorrektur käme.

Wenn Sie die Fondsanteile jetzt verkaufen, realisieren Sie zwar Ihre Gewinne, allerdings stellt sich dann die Frage, wie Sie die so gewonnenen freien Mittel neu investieren. Ihren Zeilen entnehme ich, dass Sie mit dem Fonds zufrieden sind und wieder in diesen anlegen würden. Doch Ihre Rechnung geht nur auf, wenn Sie die gleichen Fondsanteile später zu einem tieferen Preis erwerben könnten. Falls die Börsen aber weiter anziehen und die Fondsanteile steigen, hätten Sie mit der Wiederanlage ein Problem.

Eine Prognose, wie es an der Schweizer Börse und mit Ihrem Fonds weitergeht, ist extrem schwierig. Meines Erachtens sind zwar viele Schweizer Aktien hoch bewertet, teilweise wohl auch zu hoch. Zudem sind wir mit vielen Unsicherheitsfaktoren konfrontiert wie dem – trotz der Unterzeichnung des Teilabkommens als Ganzes noch nicht vollständig gelösten – Handelsstreit zwischen den USA und China und anderen geopolitischen Risiken.

Eine Korrektur wäre an sich zu erwarten, vor allem dann, wenn die Unternehmensergebnisse teilweise enttäuschen. Allerdings stützen die nach wie vor rekordtiefen Zinsen weiterhin die Aktienmärkte. Viele Investoren sind in einem Anlagenotstand. Obligationen sind meist unattraktiv, daher fliesst weiter viel Geld in Aktien – erst recht in solche mit einer hohen Dividendenrendite. Daher ist es möglich, dass eine Korrektur noch etwas auf sich warten lässt. Irgendwann wird diese kommen.

Falls Sie jetzt verkaufen, müssten Sie unter Umständen länger auf einen sinnvollen Wiedereinstieg warten. Immerhin hätten Sie dann Ihre Gewinne im Trockenen. Zu lange sollten Sie aber nicht auf liquiden Mitteln sitzen, da diese keine Rendite bringen und die – zwar tiefe – Teuerung ohne Rendite am Geld nagt.

12 Kommentare zu «Börsengewinne realisieren – und dann?»

  • Pan Flöte sagt:

    Für den Normalmenschen gilt: Buy-and-Hold. „Buy“, wenn man zu Geld kommt, „Hold“ immer (selbst in Krisenzeiten), ausser man braucht das Geld oder man kann in die Zukunft schauen.

    • Josef Marti sagt:

      Davon haben aber nur die Erben etwas. Auf diese Weise können Sie ja nie Gewinnmitnahmen realisieren und für Nutten und Alkohol oder einen neuen SUV verprassen, ziemlich deprimierende Vorstellung.

      • Pan Flöte sagt:

        Doch! Wenn man Geld braucht, darf und muss man die Wertpapiere verkaufen. Egal, wozu man das Geld braucht. 😁

  • Schneeberger Jürg sagt:

    Gewinn jetzt realisieren ist mehr als vernünftig, denn selbst wenn Sie 4 Jahre warten müssten bis Sie das Geld wieder investieren könnten, hätten Sie immer noch einen ausserordentlich hohen Gewinn von über 6% realisiert. Das Risiko eines Absturzes in dieser Zeitspanne ist doch erheblich. Man stelle sich nur mal vor, dass in den USA im November Sanders an die Macht käme, dann wird es mit Bestimmtheit gewaltig krachen.

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Diese glücklichen Probleme möchte ich auch einmal haben! Aber sicher macht der Fragesteller nicht viel falsch, wenn er diesen schönen Gewinn einstreicht. Dass an der Börse regelmässig wieder ein Rückschlag erfogt und man dann wieder billiger einsteigen kann, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und bei diesen hochgepuschten Aktien wird ein grösserer Rückschlag immer wahrscheinlicher. Zum Vergleich, mit meinen Industrie-Aktien bin ich auch nach 10/20Jahren immer noch mehrheitlich im Verlust. Den Ausstieg habe auch ich schon mehrmals verpasst!…….weil mann dann ja noch etwas verpassen könnte…..

  • Daniel von Trub sagt:

    Ein Klassiker. Es werden zu schnell Gewinne realisiert. Nach dem Motto, von Gewinne mitnehmen ist noch niemand gestorben.
    Aber die Verluste werden laufen gelassen in der Hoffnung, dass doch noch irgend ein Wunder geschieht.
    Ich kenne viele, die noch eine UBS zu CHF 70 im Depot haben oder noch besser eine Swissair. Da kann man sich schon fragen, auf was warten diese Leute noch.
    Buchgewinne zu realisieren finde ich mitunter das dümmste, was man machen kann. Ich gebe immer meinen Aktien die Chance sich dem fairen Wert anzugleichen. Meine Microsoft, Tesla, Amazon, Facebook und viele weitere sind Stand jetzt total überbewertet. Aber mir kommt es nie und nimmer in den Sinn diese Gewinne zu realisieren. Wie soll ich als Kleinanleger denn sehen, wo bei einer Amazon z.B. der faire Wert ist?

    • Anh Toàn sagt:

      Irgendwann werden Sie Gewinne realisieren müssen, sonst lachen einst andere über Sie, mit Ihren Tesla und Facebook und Amazon, wie Sie lachen über die, welche heute noch ihre UBS oder gar Swissair im Depot haben, alles so lange, bis es wertlos ausgebucht oder übernommen und ausbezahlt, meistens in Aktien, die man nicht wollte, wird.

      Sie haben schon recht, man kann nicht wissen wann. Wenn man nicht weiss, und es gibt nicht nur Entweder-oder, ist oft ein Mittelweg gut. Und wenn wie Sie sagen, gewinne oft zu früh mitgenommen werden, vielleicht nicht die Hälfte verkaufen, aber mal einen Drittel, dann ist immer noch einiges da, und wird das wieder mehr, wieder einen Drittel. Aber zuvor, damit haben Sie auch recht, die Verlierer aus dem Depot schmeissen, Verluste begrenzen.

      • Daniel von Trub sagt:

        Zum Glück ist jeder anders gestrickt. Ich muss mich auch nicht mit anderen messen. Muss nicht monatlich einen Performance- Bericht abliefern, wie es die Instutionellen müssen. Ich werde dem Zinseszins die Zeit geben, dass er sich mit den Jahren zur vollen Kraft entwickeln kann.
        Meine Aktien werden solange im Depot gehalten, bis sich an den Rahmenbedingungen etwas ändern sollte. Wenn wie aktuell der Deutsche Staat die Autoindustrie, ihre Autoindustrie kaputt macht, sind das Gründe für mich zu verkaufen. Solange der amerikanische Staat keine Anstalten macht, die grossen Big Players zu zähmen, werde ich sicher nicht verkaufen. Eine Facebook, Apple, Amazon, etc. sind absolute Geldmaschinen für die Aktionäre.

      • Anh Toàn sagt:

        „Meine Aktien werden solange im Depot gehalten, bis sich an den Rahmenbedingungen etwas ändern sollte. “

        Das verstehe ich schon, aber dann kommen Sie immer (zu) spät: Sind die Fakten mal da, hat sich der Kurs schon lange und vor allem heftig bewegt.

        Und ja, gerade wenn man sich sehr erfolgreiche Titel wie Facebook oder Amazon ansieht, schmälerten Teilverkäufe den Gesamtgewinn beträchtlich: Mit 10 mal einen Drittel verkaufen, blieb zwar noch gleich viel im Depot übrig, aber hätte man nie verkauft, wäre es viel, viel mehr gewesen. Ja, aber das sagt nur, dass sich das Klumpenrisiko wegen Übergewichtung in Folge überdurchschnittlicher Aufwertung, nicht konkretisiert hat. Glück gehabt.

    • Anh Toàn sagt:

      In diesem Fall scheint mir auch offensichtlich, dass Gewinne zu früh realisiert wurden. Aus 25% Wertsteigerung in zwei Jahren resultierte wohl kaum eine massive Übergewichtung. Und warum eine Wertsteigerung an sich ein Grund zum verkaufen sein soll, andere Gründe werden nicht genannt, erschliesst sich mir bei bestem Willen nicht: Bisher hat sich meine Investition bewährt, soll ich jetzt aussteigen? Und dann fragt er noch: Und wenn sich mein völlig unlogisch begründeter Ausstieg dann doch als richtig erwies, die befürchteten Verluste eintreten, der Preis fällt, soll ich dann meinen Entscheid korrigieren und wieder einsteigen?

      Realisieren Sie ihre Gewinne und bleiben Sie in Zukunft dem Aktienmarkt fern. Kaufen Sie nie mehr etwas: Sie bleiben ein Gewinner!

  • Nico Meier sagt:

    Ich bin bei Apple eingestiegen als sie bei 150$ gestanden sind.
    Bei um die 310$ habe ich dann rund die Hälfte der Aktien verkauft, damit war mein Einsatz inklusive Gebühren wieder flüssig.
    Ich halte die FAANG Aktien für überbewertet und denke es wird in den nächsten Jahren eine Korrektur geben.

  • Leoni Meier sagt:

    Ich lach mich schlapp 🙂
    Eine UBS bei CHF 70 noch im Depot zu haben oder gar eine Swissiar.
    Da bekommt plötzlich „sit and wait“ eine ganz andere Bedeutung.
    Und ich habe immer gedacht an der Börse gelten genau zwei Regeln…………
    Regel- Nr. 1: Verliere kein Geld
    Regel- Nr. 2: Vergiss Regel Nr. 1 nicht

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