Novartis oder Roche: Hans was Heiri

Novartis: Der Pharmariese rechnet mit einem Wachstum des Betriebsgewinns von rund 10 Prozent. Foto: Arnd Wiegmann/Reuters

Die Schweiz kann sich glücklich schätzen, zwei Pharmariesen mit Weltruf auf ihrem Terrain zu wissen. Vergangene Woche haben ­Roche und Novartis brillante Jahreszahlen vorgelegt. Ein Umsatzwachstum von 9 Prozent, überproportionales Gewinnwachstum und eine höhere Dividende – die Investoren hatten Grund zur Freude. Sowohl Roche wie Novartis blicken zuversichtlich ins neue Jahr. Novartis, nunmehr ohne Alcon, hat die Produktpalette in zukunftsträchtigen Therapien verbreitert und rechnet mit einem Wachstum des Betriebsgewinns von rund 10 Prozent. Roche hat derzeit mehr zu kämpfen, weil Konkurrenz-Nachahmerprodukte von drei grossen Krebsmitteln im laufenden Jahr etwa 4 Milliarden Franken Umsatz kosten werden. Trotzdem glaubt Roche, ein Umsatz- und Gewinnwachstum erzielen zu können, wenn auch ein kleineres als Novartis. Die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte wird nach 2022 abflauen. Danach könnte Roche dank neuer Markterfolge wieder ein ansehnliches Wachstum vorweisen. Attraktiv sind beide Pharmatitel, wobei das Verhältnis Unternehmenswert zu Betriebsgewinn für Roche spricht. Kaufen

Lukrative Nischenprodukte

Auch Emmi macht aus meiner Sicht vieles richtig. Der Milchverarbeiter hat sich nach einem eher enttäuschenden ersten Halbjahr in der zweiten Hälfte 2019 deutlich gesteigert. Mit einem Wachstum aus eigener Kraft um 2,2 Prozent übertraf er die Erwartungen zum Teil deutlich. Es macht sich bezahlt, dass sich die Luzerner gerade im Ausland auf schnell wachsende und höhermargige Nischen wie Ziegen- und Schafmilch sowie italienische Desserts setzen. Ich bin zwar kein Fan von kaltem Kaffee, aber mit Emmi Caffè Latte haben sie ein Produkt, das in ganz Europa reissenden Absatz findet. Noch immer wächst der Umsatz in diesem Segment in den meisten Ländern rasant. Mittelfristig muss Emmi aber neue Innovationen auf den Markt bringen, denn auch dieses Wachstum wird sich irgendwann abschwächen. Ich traue dem Management zu, dass es dies schafft. Das gibt den Aktien auf lange Sicht Potenzial – auch wenn sie schon gut gelaufen sind und es kurzfristig nicht mehr viel Luft nach oben gibt. Auf lange Sicht: Kaufen

Längst nicht über den Berg

Die Deutsche Bank schreibt für das Geschäftsjahr 2019 den fünften Milliardenverlust in Folge. Die Aktie war am Donnerstag dennoch gesucht. Seit Jahresanfang haben die Titel über 20 Prozent gutgemacht. Das liegt daran, dass der Chef Christian Sewing schneller mit dem geplanten Umbau von Deutschlands grösstem Geldhaus vorankommt als erwartet. Die Investmentbank wird zurückgestutzt – vor allem das Geschäft mit weltweit tätigen deutschen Unternehmen soll forciert werden. Doch die Deutsche Bank ist längst nicht über den Berg. 2022 will sie einen Vorsteuergewinn von 6 Milliarden Euro erzielen und eine Eigenkapitalrendite von 8 Prozent liefern. Aber erst ab 10 Prozent gilt eine Grossbank gemeinhin überhaupt als wertschaffend für die Aktio­näre, was die wenigsten europäischen Grossbanken hinbekommen. Die Deutsche Bank verfolgte in zehn Jahren sechs Strategien. Das Resultat war enttäuschend: Der Ertrag sank meist schneller, als Kosten eingespart werden konnten. Ich bin nicht sicher, ob sich das unter der neuen Strategie ändert. Bis dahin gilt mit Blick auf die Aktie nur eines. Meiden

Gute Argumente für die Aktie

Auf Swatch Group prasselt derzeit allerlei Unheil nieder. Das zeigt sich an den Jahreszahlen für 2019, die das Unternehmen am Donnerstag präsentierte. Dass man den Onlinetrend etwas verschlafen hat, muss sich der Chef Nick Hayek selber vorhalten. Dass man es nicht für nötig fand, die Smartwatch-Welle mitzureiten, ebenfalls. Auf der anderen Seite konnte niemand voraussehen, dass Hongkong während Monaten als wichtigster Markt für Schweizer Uhrenhersteller wegen der Unruhen praktisch ausfällt. Und nun sorgt das Coronavirus für weitere Unwägbarkeiten. Denn das Geschäft mit Luxusgütern wird vor allem von den chinesischen Konsumenten angetrieben. Fällt deren Kauflust weg, spüren das die Luxuskonzerne umgehend. In all diesen negativen Nachrichten sehe ich etwas Positives: Sie sind weitgehend im Aktienkurs eingepreist – die Titel notieren auf einem Zehnjahrestief. Wenn ich mir vor Augen halte, dass Swatch Group finanziell solide dasteht, so günstig wie schon lange nicht mehr bewertet ist, eine schöne Dividende zahlt und dieses Jahr wieder wachsen dürfte, dann sind das gute Argumente für die Aktie. Kaufen

Dividendenrendite von 4,1 Prozent

Mit einer schweizweiten Panne des Festnetzes, die auch Notfallnummern betraf, kam Swisscom Mitte Januar in die nationalen Schlagzeilen – nicht gerade glorreich für die Ex-Monopolistin. Dem Swisscom-Aktienkurs war der Megabock egal. Die Papiere der halbstaatlichen Telecom-Marktführerin haben sich in den letzten sechs Monaten um mehr als ein Zehntel verteuert und notieren zurzeit bei über 530 Franken. Zuletzt erreichten sie im Herbst 2018 ein vergleichbares Niveau. Nein, eine Kursrakete sind die Swisscom-Titel deshalb nicht. Aber sie können im aktuellen, unsicheren Börsenumfeld ihre defensiven, obligationenähnlichen Qualitäten voll ausspielen: schwergewichtig Inlandgeschäft, kaum Wechselkursrisiken, hohe wiederkehrende Abo-Einnahmen, eine De-facto-Staatsgarantie. Als Sahnehäubchen erachte ich die Dividendenrendite von 4,1 Prozent. Und sollte sich die Coronavirus-Hysterie noch verstärken, werden Telco-Werte und defensive Champions wie Swisscom noch weiter profitieren. Wer Swisscom geduldig im Portfolio beliess, wird jetzt belohnt. Halten

4 Kommentare zu «Novartis oder Roche: Hans was Heiri»

  • Wunderli sagt:

    Was ist eigentlich besser für einen Privatanleger, Roche Namen oder Roche GS ?

  • John Launderi sagt:

    @ Wunderli; Wenn Sie was zu verbergen haben, dann nehmen Sie lieber die Genussscheine:-)

  • Alain Surlemur sagt:

    @Wunderli
    Roche Namen gibt es nicht. Das sind Inhaber.

    Und zu Ihrer Frage: Wenn Sie nur auf die Dividende aus sind: Was gerade billiger ist. Wenn SIe an die GV wollen: Die Inhaber

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Die Kaufempfehlungen hier in dieser Rubrik sollte man eher mit Vorsicht geniessen. Auch der Marktschreiber (Praktikus?) vermag den Weg die Kurse nicht zu beeinflussen, vorallem wenn es die Zukunft betrifft. Die vor einigen Wochen empfohlene Holcim ist schon fast wieder Schlusslicht im SMI …ca. minus 10%!!! Wenn die Börse doch nur so einfach wäre……

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