Wann ist endlich Schluss mit Negativzinsen?

Die Nationalbank sollte die Negativzinsen langsam aufheben. Der brüske Ausstieg Schwedens ist kein Vorbild.

Der starke Franken schränkt den Handlungsspielraum ein: Verzierung am Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Bern. Foto: Getty Images

Ich ärgere mich als Sparer über die Negativzinsen. Die Nationalbank sagt, man müsse daran festhalten. Wegen des Frankens. Aber die schwedische Notenbank hat mit den Negativzinsen Schluss gemacht. Also können wir das auch. Wie sehen Sie das? C.G.

Seit fünf Jahren haben wir Negativzinsen in der Schweiz. Fast gleich lang dauerte die Phase der Negativsätze in Schweden. Das skandinavische Land hatte die Negativzinsen 2015 kurz nach der Schweizerischen Nationalbank eingeführt, aber kurz vor Weihnachten des letzten Jahres den Ausstieg gewagt und den bisher geltenden Leitzins von minus 0,25 Prozent auf 0 Prozent angehoben.

Damit hat Schweden anders als die SNB kurzerhand Schluss gemacht mit der auch im Norden umstrittenen Politik der Negativzinsen.

Die Ausgangslage zwischen den beiden Ländern ist allerdings grundverschieden. Die schwedische Krone ist schwach, der Franken indes stark. Während sich die Krone zum Euro seit Jahren abgewertet hat, hat sich der Franken zum Euro aufgewertet. Der Franken ist anders als die Krone aufgrund seiner Stabilität ein Fluchthafen der Investoren, die Sicherheit suchen in unsicheren Zeiten.

Die Schweizerische Nationalbank stuft den Franken nach wie vor als zu hoch bewertet ein und kämpft gegen eine weitere Erstarkung des Frankens. Schweden hingegen tut sich mit der schwachen Krone schwer und wünscht sich sogar eine stärkere Währung.

Die Negativseite der schwachen Währung in Schweden ist, dass über die Importe Inflation importiert wird. Die Teuerung ist denn auch in Schweden deutlich höher als in der Schweiz, wo sie mit 0,4 Prozent nach wie vor gering ist. In Schweden bewegt sich die Teuerung in Richtung 2 Prozent.

Auch sind die Negativzinsen in der Schweiz mit minus 0,75 Prozent weit stärker im Minusbereich als in Schweden, wo sie zuletzt bei minus 0,25 Prozent notierten. Wenn die Schweiz in einem Schritt von minus 0,75 Prozent auf 0 Prozent Zins gehen würde, hätte das wohl eine starke Aufwertung des Frankens zur Folge.

Ich habe mich an dieser Stelle mehrfach kritisch über die Negativzinsen und die nachteiligen Folgen dieser Politik für die Sparer und Versicherten, die Altersvorsorge und die Pensionskassen geäussert. Dennoch stufe ich Schweden nicht als Vorbild für die Schweiz ein, um brüsk aus den Negativzinsen auszusteigen. Die Voraussetzungen von Schweden und der Schweiz sind bei der Geldpolitik völlig unterschiedlich.

Nichtsdestotrotz sollte sich auch die Schweizerische Nationalbank Gedanken machen, wie sie sich langsam aus den Negativzinsen zurückziehen könnte. Ich betone dabei das Wort langsam. Hauruckübungen der Notenbanken sind für die Finanzmärkte immer gefährlich.

Aber ein langsamer, sanfter Ausstieg aus der Politik der Negativsätze wäre nach fünf Jahren längst angezeigt. Derart starke Markteingriffe wie Negativzinsen oder Mindestkurse können kurzfristig als temporäre Krisenmassnahme sinnvoll sein, dürfen meines Erachtens aber nicht zum Dauerzustand werden, da sie zu einer gefährlichen Marktverzerrung und zu hoch problematischen Fehlanreizen führen.

67 Kommentare zu «Wann ist endlich Schluss mit Negativzinsen?»

  • Dumeng Eugster sagt:

    selbst wenn die Negativzinsen aufgehoben würden, das Vertrauen in das System ist verloren.

  • Jessas Neiau sagt:

    Wer Schweden als Vorbild ansieht, der sollte sein Geld unbedingt in schwedischen Kronen anlegen. Er hat dann hübsch was zu tun, wenn er Ende des Jahres ausrechnen kann, wieviel ihm das unterm Strich gebracht hat.

    Sicher ist nur, dass alles was einem in Elternhaus und Schule die letzten 50 Jahre erzählt wurde, dass das alles Humbug war. Nichts davon ist wahr von Sparen und Kapital und Wertvermehrung und Vertrauen in Regierung und Banken. Ob es z. B. vor Aufhebung der Golddeckung anders war, das bleibt unklar. Wahr aber ist und bleibt, dass bluten muss wer hat.

  • andy sagt:

    Grübel’s Sicht erinnert an die ökonomische Ideologie der Reagan-Volcker-Ära anno 19 Hundert Ananas (Der geplünderte Staat).

    Im absoluten Ernst, die Negativzinsen sind da und haben viele Funktionen. Teilweise umstritten auch von etablierten renommierten Fachleuten und Professoren.
    Wie die genau Faktenlage bei Jordan in der SNB aussieht bzw. wo und weshalb der Klassik Musik Freund Thomas genau die Prioritäten setzt, ist kaum jemanden hier im Detail bekannt.

    Etwas Sahne zum anspruchsvollen Thema gefällig?

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Negativzins?wprov=sfla1

  • Max Bernard sagt:

    Wer auf ein Ende der Negativzinsen hofft, der hat deren Ursache nicht begriffen. Diese heisst Euro bzw. das durch dessen Einführung verschärfte wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen den Euro-Mitglieder. Dieses macht es den überschuldeten Mitgliedern unmöglich ihre Schuldenberge zu reduzieren bzw. diese zu refinanzieren, weshalb sie auf Niedrigzinsen angewiesen sind. Ohne diese würden sie Pleite gehen. Dies zu verhindern und damit den Euro zu retten, dass ist der Grund der EZB-Geld- und Anleiheaufkaufpolitik. Staaten wie der Schweiz bleibt nichts anderes übrig als dieser Politik zu folgen, da andererseits ein massiver Anstieg des Frankens droht, welcher die Exportwirtschaft ruinieren würde.

    • Claire sagt:

      Richtig Herr Bernard: Waren und Dienstleistungsexport machen mit Gold und Antiquitäten rund 65% des BIP aus und ohne 58% resp. 400 Mrd von 689.55 Mrd und da hängen mehr Arbeitsplätze dran als viele denken.
      Darum wird die SNB noch eine Weile mehr an der Negativzinspolitik festhalten, auch wenn die durch die Freigrenze von aktuell 25 x der Mindestreserve von gut 17.2 Mrd also um die 430 Mrd vom Negativzins durch einen Mindestfreibetrag ausgenommen wurde.
      Die Negativzinsen wurden in der CH weltweit erstmals schon am 4. Juli 1972 rückwirkend beschlossen, aber nur auf ausländische Kapitalien und deren Erträge. Aber wenn man das heutzutage zu offensichtlichtlich machen würde, dann wäre das bald mal ein Verstoss gegen den freien Kapitalverkehr – eines der vier EU-Grundprinzipien…

    • Anh Toàn sagt:

      Gell, darum senken auch die Amis die Zinsen auf Tiefstniveau, die können auch nichts machen gegen den Euro: Der EUR regiert die Welt und alle müssen folgen.

      Der Schwanz wedelt nicht mit dem Hund.

      • Max Bernard sagt:

        @Anh Toàn: Die FED hat den Zinsatz zuletzt von 2% auf 1,5 bis 1,75% gesenkt. Das sind 2,25%(!) über dem Leitzins der EZB. Von daher ist es Quatsch so zu tun, als ob die Zinsen der FED auf dem EZB-Niveau wären. Zudem ist es nur logisch, dass deren Zinssatz auch denjenigen der FED beeinflusst. Denn eine zu grosse Differenz würde den Dollar wegen der erhöhter Nachfrage nach oben treiben und damit die Konkurrenzfähigkeit der US-Exportwirtschaft beeinträchtigen. Zudem haben auch die USA ein Interesse daran ihre Schulden möglichst billig finanzieren zu können. Ohne die Niedrigstzinspolitik der EZB könnte die FED sich diese Tiefzinspolitik jedoch gar nicht leisten, da ansonsten eine Kapitalflucht einsetzen würde. Daher ist es ein Fakt, dass die EZB die treibende Kraft der Niedrigzinsen ist.

      • Anh Toàn sagt:

        @Max Bernhard „Das sind 2,25%(!) über dem Leitzins der EZB.“ Lassen wir mal beiseite, dass der FED Leitzins und der EZB Leitzins nicht der gleiche Zins sind:

        Der USD ist noch immer die Spitze der Nahrungskette, soll die EZB den Euro aufwerten lassen gegenüber dem USD? Also mehr aufwerten lassen, als er es ohnehin tut? Die EU hat in etwa eine ausgeglichene Handelsbilanz und Inflation ist nicht Sicht, warum sollte die EZB die Zinsen anheben? Um dem Donnie zu helfen? Oder der Schweiz? In der Schweiz wird der EUR gerne als schwach gesehen, aber der USD ist schwächer als der EUR. Die höheren Dollarzinsen sind Ausdruck des Abwertungsrisikos des USD. Welche Währung stürzt steigen mit Zinsen deutlich unter den Dollarzinsen? JPY, EUR, CHF, haben die also zu tiefe Zinsen, sollten mehr steigen.

  • Hans U. Schoch sagt:

    Offenbar leben und wohnen alle Protagonisten in Städten mit permanenter Wohnungsnot. Daher fällt ihnen auch nicht auf, dass ausserhalb der Ballungszentrenten tausende von brandneuen Wohnungen leer stehen und munter weiter drauflos gebaut wird. Was steckt da wohl dahinter ? Sind alle verrückt geworden oder gibts dazu einen Plan ? Davon kann man allerdings nur wenig hören, ausser dass es keinen Zins – oder gar einen negativen auf Guthaben bei Banken gibt !

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Der Schuldenhandel war schon immer ein Sklavenhandel, eine Versklavung von Menschen, Unternehmen und Staaten, welche auf Darlehen angewiesen waren!
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    China war 1979 das ärmste Land der Welt, das pro Kopf Bruttosozialprodukt war das tiefste, siehe Wikipedia Eintrag Armut in der Volksrepublik China.
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    China konnte in den 1980er Jahren im Westen keine Kredite aufnehmen!
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    Rong Yiren und Deng Xiaoping kopierten das Nidwaldner Unternehemssteuersystem, das 1940 in den USA als Investment Company Act für Venture Kapital und Private Equity und 1960 als REITs Act eingeführt wurde, indem sie 1980 die unternehmenssteuerfreien „Special Economic Zones“ gründeten.
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    China verschuldete sich nicht, sondern ging mit westlichen Investoren Joint Ventures ein!
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    China empowerte sich!

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Vergesst die Versklavung von Zinsen, denn Zinsen werden nie mehr steigen, vielmehr werden Zinsen noch viel tiefer ins negative Umfeld absinken und das ist für uns alle wunderbar!
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    Studiert den erfolgreichsten Mann der Welt, Laurence Douglas Fink, der Gründer, Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock ist und als „mächtigster Mann der Wall Street“ gilt!
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    Dann überlegt Euch alle, wie er mit BlackTock zum „mächtigster Mann der Wall Street“ werden konnte und die Antwort findet ihr alle im Ticker Symbol REET!
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    Niemand kennt REET, es fehlt das implizite Wissen dazu!
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    Aber REET steht für iShares Global REIT ETF, die grösste und profitabelste Anlageklasse der Welt, globale Immobilien, finanzielles EMPOWERMENT!

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Dividendenrendite von 176 US REITs im Jahr 2019 war: 5.86%
    Kurssteigerund von 176 US REITs im Jahr 2019 war: 19.66%
    Absolute Performance von 176 US RETIs im Jahr 2019 war: 25.51%
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    Marktkapitalisierung aller 176 REITs endete am 31. Dezember 2019 bei US$1’235 Milliarden oder US$1.2 Billionen
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    iShares Global REIT ETF (REET) von BlackRock enthält alle REITs der Welt in Form eines Exchange Tradsable Funds!
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    REET schloss am 1. Januar 2019 bei US$23.74 und ging am Freitag, den 3. Januar 2020 bei US27.52 aus dem Handel.
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    REET gewann somit in einem Jahr US$3.78 oder 15.92% und mit einer Dividendenrendite von 3.54% kam man mit allen REITs der Welt über ein BlackRock ETN auf eine Performance von 19.46%!
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    Fokussiert Euch auf die grösste Anlageklasse, globale Immobilien mit REITs!

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