Was tun mit dem Geld aus der 3. Säule?

Risikobereitschaft lohnt sich: Fast alles ist besser, als das Geld auf dem Konto liegen zu lassen. Foto: iStock

Meine Frau und ich haben letztes Jahr frühzeitig den Ruhestand angetreten. Gemäss Planung unseres Vorsorgeberaters wurden diverse Kontos der Säule 3a aufgelöst, und es werden in den nächsten Jahren noch mehr. Dieses Kapital liegt einfach auf diversen Kontos unterschiedlicher Banken. Einen Teil davon werden wir sicher benötigen, um zusammen mit der Rente den Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber bei weitem nicht alles. Die Aussicht, weiteres Kapital einfach auf einem Konto liegen zu lassen, gefällt uns gar nicht. Wir wissen aber auch nicht, was wir sonst damit tun sollen. Ein Rat wäre willkommen. M.W.

Zwar haben Sie Ihre ausbezahlten liquiden Mittel aus der Säule 3a auf Konten von mehreren Banken verteilt, was sinnvoll ist, da Sie so Ihr Sicherheitsrisiko im Falle eines Bankkonkurses gesenkt haben.

Dennoch gehen Sie mit dem vielen Geld, das einfach auf den Konten brachliegt, ein anderes Risiko ein: Sie verlieren auf diesem Betrag stetig ein wenig Geld. Auch wenn die Teuerung in der Schweiz momentan nach wie vor gering ist, nimmt der Wert Ihres Geldes laufend ein wenig ab, wenn es nur auf dem Konto parkiert ist.

Denn auf liquiden Mitteln bekommt man auf dem Bankkonto kaum mehr oder meist gar keinen Zins mehr und zahlt zusätzlich noch Kontogebühren. Bei sehr hohen Beträgen werden unter Umständen sogar noch Negativzinsen verrechnet, was man durch eine Verteilung auf mehrere Banken aber umgehen kann. Dennoch sind hohe Bestände an liquiden Mitteln unter dem Strich ein Negativgeschäft.

Darum rate ich Ihnen, die Gelder zu investieren. Das Problem dabei ist, dass man auf sehr sicheren, konservativen Anlagen entweder ebenfalls keine Rendite erzielt oder sogar ebenfalls Geld verliert. Offensichtlich ist das bei den Schweizer Bundesobligationen, die eine Negativrendite aufweisen. Darum sind sehr sichere Frankenanleihen von Schuldnern mit einem Top-Rating derzeit keine überzeugende Anlage.

Keine gute Alternative sind meines Erachtens Frankenanleihen von Schuldnern mit einem schlechten Kreditrating. Diese bringen zwar wenigstens etwas Zins. Dafür nehmen Sie aber ein erhöhtes Ausfallrisiko in Kauf.

Eine mögliche Alternative sind Obligationenfonds, die in verschiedene Schuldner mit unterschiedlichem Kreditrating diversifizieren können und auch Fremdwährungsanleihen enthalten, die etwas mehr Rendite versprechen. In diesem Fall tragen Sie neben dem etwas erhöhten Ausfallrisiko, aber auch ein Währungsrisiko. Letzteres wird von vielen Fonds aber abgesichert, was Sie allerdings einen Teil der Rendite kostet.

Mehr Rendite bei vertretbaren Risiken versprechen Immobilienfonds und Immobilienaktien. Hier müssen Sie aber im Falle eines Crashs am Immobilienmarkt mit Rückschlägen rechnen. Vorderhand sehe ich dafür aber keinen Anlass, da die historisch tiefen Zinsen die Immobilienpreise weiter stützen.

Attraktive Renditen versprechen auch künftig Aktien – insbesondere Dividendenperlen wie Nestlé, Swisscom, Zurich, Swiss Re, Novartis oder Roche bieten hohe Dividendenrenditen. Der Haken an der Sache ist natürlich, dass Sie starke Kursschwankungen tragen müssen und im Zuge einer Marktkorrektur über längere Zeit auf beträchtlichen Buchverlusten sitzen.

Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir in nächster Zeit angesichts der vielen Unsicherheiten wie Handelsstreit, Brexit oder Konjunkturabschwächung einige Turbulenzen an den Börsen sehen. Zudem sind Dividenden nie hundertprozentig garantiert. Auch da ist es wichtig, dass Sie eine breite Diversifikation erreichen und nicht zu hohe Klumpenrisiken eingehen.

Angesichts dieser Erwägungen empfehle ich Ihnen, einen Teil Ihrer liquiden Mittel, die Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht brauchen, breit diversifiziert in Aktien, Anleihen und Immobilienfonds zu investieren. Je nach Ihrer Risikobereitschaft kann Ihre Bank die einzelnen Anlageklassen stärker oder schwächer gewichten.

Voraussetzung ist aber, dass Sie wirklich bereit sind, die mit diesen Anlagen verbundenen erhöhten Schwankungsrisiken zu tragen. Dieses Risiko ist der Preis für eine höhere Rendite.