Was taugen Aktien von Stadler Rail?

Für die Aktionäre ist Peter Spuhler auch nach seinem Rückzug in den Verwaltungsrat Garant für eine Fortsetzung der klugen Strategie, die Stadler Rail weltweit wettbewerbsfähig gemacht hat. Foto: Keystone

Was halten Sie von den Stadler-Rail-Aktien? M.Z.

Bereits im letzten Frühling hatte ich in der «SonntagsZeitung» auf eine andere Leseranfrage hin geschrieben, dass ich den Börsengang von Stadler Rail als vielversprechend einstufe, und meine Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass der Kurs nach der Erstnotierung anziehen werde. Das ist, wie Sie wissen, eingetroffen: Der Börsengang von Stadler Rail war der bisher spektakulärste hierzulande und hat selbst in der breiten Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen.

Im Spätsommer indes erfolgte die Ernüchterung. Der Kurs tauchte phasenweise sogar unter den Eröffnungskurs beim Börsengang vom 12. April 2019, nachdem der Schienenfahrzeughersteller seine Halbjahreszahlen präsentiert hatte. Das Unternehmen bekam den Unmut der Anleger zu spüren und musste auch die negativen Seiten einer Börsennotierung erleben: Dass nämlich der Kurs der Aktie stark nachgibt, obwohl die Firma eine gute Leistung präsentierte.

Immerhin hat Stadler Rail für das erste Semester einen Gewinnsprung vorgelegt, von dem andere Unternehmen nur träumen können. Der Betriebsgewinn stieg um rund ein Drittel auf 46,9 Millionen Franken, und es resultierte ein Reingewinn von 27,5 Millionen Franken, nach 7,6 Millionen Franken im Vorjahr. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr gar um beachtliche 40 Prozent auf 1,12 Milliarden Franken zu.

Den Investoren genügte das indes nicht. Die Erwartungen wurden verfehlt, und die Aktie kam unter Druck. Für mich ist das ein typisches Muster bei solchen Börsengängen: Oft sind die Erwartungen an ein neues Börsenunternehmen zu hoch – da ist es nicht verwunderlich, wenn diese übersteigerten Erwartungen schliesslich nicht erfüllt werden können.

Für die Zukunft der Aktie ist weit wichtiger, wie sich die operativen Perspektiven des Unternehmens präsentieren. Diese sprechen meines Erachtens für die Aktie. Denn Stadler Rail, bei dem künftig auch Alt-Bundesrätin Doris Leuthard im Verwaltungsrat Einsitz nehmen wird, verfügt über volle Auftragsbücher.

Im ersten Semester verzeichnete der Thurgauer Konzern Aufträge von rund 2,3 Milliarden Franken, was gegenüber dem Vorjahressemester einem Plus von 1,5 Milliarden Franken entspricht. Der Auftragsbestand per Ende Juni war damit auf einen neuen Höchststand von 14,4 Milliarden Franken geklettert. Doch damit nicht genug. Laufend kommen weitere Auftragsmeldungen dazu. Die Auftragspipeline von Stadler Rail ist prall gefüllt.

Beim Börsengang war ich noch skeptisch, ob das Unternehmen das ambitionierte Ziel, in diesem Jahr einen Umsatz von 3,5 Milliarden Franken zu erwirtschaften, wirklich erreichen werde. Inzwischen zweifle ich angesichts der laufend neuen Auftragsmeldungen nicht mehr daran.

Dass das Unternehmen bei seinem Ausblick vor Euphorie warnt und etwas vorsichtiger ist, spricht eher für die Aktie, da die Erwartungen rund um den Börsengang unrealistisch hoch waren. Weiter sollte auch das Betriebsgewinnziel von 7 Prozent machbar sein, wenngleich Strafzahlungen in Grossbritannien den Gewinn belasten könnten, weil sich die Auslieferung von Zügen nach Problemen bei einem Lieferanten verzögert.

Stadler Rail selbst weist darauf hin, dass das zweite Halbjahr traditionell besser laufe als das erste Semester, da in der zweiten Jahreshälfte mehr Züge in Betrieb genommen würden als in der ersten. Wenn man davon ausgeht, dass die Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte deutlich höher ist, dürfte auch die Bewertung der Stadler-Rail-Aktien trotz der Erholung seit dem Spätsommer nicht übertrieben sein.

Weit wichtiger ist aus meiner Sicht indes der langfristige Horizont. Bei Stadler Rail sollten Sie nur einsteigen, wenn Sie die Aktie mit einem längeren Anlagehorizont von mehreren Jahren halten möchten. In diesem Fall sehe ich bei der Aktie einiges Potenzial, zumal auch der bisherige Hauptaktionär und Unternehmer Peter Spuhler, der die Firma stark geprägt und in den letzten Jahrzehnten zum Erfolg geführt hat, mit 40 Prozent beteiligt bleibt und im Herbst Aktien seines Unternehmens im Wert von rund 7 Millionen Franken zugekauft hat.

Das ist ein klares Bekenntnis, wie ich es mir bei anderen Börsenfirmen vom Management und dem Verwaltungsrat wünschen würde. Obwohl sich Spuhler aus dem operativen Geschäft ins VR-Präsidium zurückgezogen hat, unterstützt er das Management weiter tatkräftig bei der Auftragsgewinnung und bekräftigt, dass er auch über 2022 Ankeraktionär beim Unternehmen bleiben will.

Für die Aktionäre ist er damit Garant für eine Fortsetzung der klugen Strategie, die Stadler Rail weltweit wettbewerbsfähig gemacht hat.

11 Kommentare zu «Was taugen Aktien von Stadler Rail?»

  • Kurt Oehrli sagt:

    Stadler Rail, Ein Schweizer Unternehmen mit „Biss“. Ein Patron wie Peter Spuhler und weltweit die Mitarbeiter mit Herz und Verstand. Das braucht die Schweiz! Denn die Welt, liegt auch uns Schweizern vor den Füssen. Der Wille kann es Richten.

    • Thomas sagt:

      Guter Witz, Spuhler war vor 2008 auch im Verwaltungsrat der UBS und hat sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Herz und Verstand – lächerliche Aussage, Herr Oehrli.

  • Fritz Kunz sagt:

    Gratis-Werbung für einen der reichsten Schweizer, da kann man nur den Kopf schütteln.

    • Pan Flöte sagt:

      Ich glaube nicht, dass ein Blog-Eintrag den Kurs einer Aktie massiv und nachhaltig in die Höhe treiben kann. Die inneren Werte einer Aktie sind die eigentlichen Kurstreiber.

      • Anda Berisha sagt:

        @ Pan Flöte: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) heißt das Zauberwort.
        Die Kennzahl, die das Verhältnis des (geschätzten) Gewinns je Aktie zu ihrem aktuellen Marktkurs darstellt. Das KGV ist eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft und -entwicklung eines Unternehmens im Vergleich zu anderen, auch Price-Earnings-Ratio (PER) genannt. Je niedriger der KGV einer Aktie ist, desto preisgünstiger erscheint sie auf den ersten Blick. Wachstumsaktien weisen meist ein höheres KGV auf.

    • Pauline Overath sagt:

      Stadler Rail beschäftigt in der Schweiz 3000 Arbeiter. Es macht Züge die fahren und nicht schütteln. Wieviel Menschen beschäftigen Sie Herr Kunz? Herr Spuhler hat sein Geld mit Arbeit und Innovationen erwirtschaftet. Unfassbar dieser Neid.

      • Pjotr Müller sagt:

        @ Overath: Besserwisser, das sind die Klugscheißer unter dem Dummköpfen. Es gibt Besserwisser, die niemals begreifen, dass man recht haben und doch ein Idiot sein kann. Es gibt Menschen, die wissen nichts gut, aber alles besser. Vielwisserei lehrt nicht Vernunft zu haben.

      • Irina Kolova sagt:

        @ Pauline Overath; Was ist den Ihr wertvoller Beitrag an die Allgemeinheit?
        Dank Aktienbeteiligungen profitierte nicht nur Patron Peter Spuhler vom Börsengang des Zugbauers, auch 170 Kadermitglieder wurden über Nacht um Millionen reicher. Keine Aktien gab’s für die Mitarbeitenden. Mitarbeiter/innen welche vorwiegend aus Grenzgängern bestehen, welche zu Dumping Löhnen schuften.

  • Timo sagt:

    Stadler Rail wird die Erwartungen übertreffen oder eben auch nicht.

    Man muss sich bei Aktien bewusst sein das nicht der Erfolg eines Unternehmens ausschlaggebend ist, sondern in welchem Verhältnis die Erwartungen zum Erfolg stehen. Studie um Studie zeigt, dass man den Aktienkurs nicht Voraussagen kann.

  • Patrick sagt:

    Die Aktionäre bekommen doch den Hals nie voll genug.

Kommentar

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