Lassen Sie sich nicht von hohen Zinsen blenden!

Barrier Reverse Convertibles sind attraktive Anlageinstrumente. Der Käufer trägt jedoch ein hohes Risiko.

Stadler Rail steht zwar auf soliden Füssen, ein Einbruch des Aktienkurses ist aber nie ausgeschlossen: Werkhalle in Bussnang TG. Foto: Keystone

Die Postfinance wirbt für das Produkt Multi Barrier Reverse Convertibles auf Geberit, Lonza und Stadler Rail. Da die genannten Firmen für meinen Mann vertrauenswürdig sind, interessiert er sich für das neue Renditeoptimierungsprodukt. 5% Coupons p.a. sind verlockend. Ich verstehe die ganze Sache und vor allem das Kleingedruckte nicht ganz. Können Sie mir erklären, was es mit diesem Produkt auf sich hat, und können Sie uns empfehlen, zu zeichnen? E. B.

Multi Barrier-Reverse-Convertibles-Produkte sind Instrumente, die es Ihnen erlauben, Ihre Rendite zu optimieren. Das von der Postfinance vermarktete Instrument wird von der an der Schweizer Börse kotierten Finanzboutique Leonteq herausgegeben.

Der damit verbundene Coupon von 5 Prozent ist in der Tat verlockend – erst recht, wenn Sie sich vor Augen führen, dass Sie auf dem Sparkonto kaum mehr Zins erhalten und auch mit Franken-Obligationen von guten Schuldnern meist weniger als ein Prozent Zins selbst bei langen Laufzeiten bekommen. Vor diesem Hintergrund sind fünf Prozent Zins schon fast traumhaft.

Natürlich hat die Sache einen Haken, denn gratis gibt es an den Finanzmärkten nichts. Sie dürfen durchaus mit den 5 Prozent Zins rechnen, wenn Sie das Produkt kaufen, aber Sie gehen damit erhebliche Risiken ein. Und zwar in doppelter Hinsicht.

Zu erwähnen ist einerseits das Emittentenrisiko. Das führte bei der damaligen Lehman-Brothers-Pleite bei einigen Privatinvestoren auch in der Schweiz zu Verlusten. Im konkreten Falle des von der Postfinance herausgegebenen Multi-Barrier-Reverse-Convertibles-Produkts ist das Emittentenrisiko allerdings eher gering. Zwar ist Leonteq die Emittentin, aber Postfinance ist zugleich Garantiegeberin.

Weit höher ist anderseits das eigentliche Anlagerisiko. In der Produktebeschreibung von Postfinance steht wörtlich: «Für die Rückzahlung bei Verfall ist massgeblich, ob einer der Basiswerte während der Laufzeit die Barriere bei 65% der Anfangsfixierung berührt oder unterschritten hat.»

Konkret bedeutet das, dass Sie zwar auf jeden Fall den Coupon in der Höhe von 5 Prozent pro Jahr ausbezahlt erhalten. Falls aber eine der drei mit dem Instrument verbundenen Aktien von Geberit, Stadler Rail und Lonza während der Laufzeit massiv einbricht und die Barriere erreicht oder unterschreitet, wird Ihnen nicht mehr das angelegte Geld einfach zurückbezahlt, sondern es werden Ihnen im Wert von Ihrem Investment Aktien geliefert – und zwar ausgerechnet jene Aktie, die dann den höchsten Einbruch erlebt hat und daher auch ein ernsthaftes Problem hat.

Nun stufe ich sowohl die Aktien von Geberit und Stadler Rail als auch jene von Lonza grundsätzlich als gut ein. Dennoch sollten Sie selbst einen drastischen Einbruch von 35 Prozent nie ganz ausschliessen.

Nehmen Sie das Beispiel des bisherigen Börsenstars Lonza. Die Aktie zählt in diesem Jahr zu den am meisten gestiegenen Papieren am Schweizer Aktienmarkt. Doch zur Überraschung der Investoren kam es gerade kürzlich zu einem Abgang des CEO Marc Funk, und der Konzern muss innert eines Jahres zum zweiten Mal einen neuen CEO suchen. Möglicherweise verstecken sich hinter diesen überraschenden CEO-Veränderungen gravierendere Probleme, die wir derzeit noch nicht kennen?

Selbst wenn eine Firma gut aufgestellt ist und die Perspektiven vielversprechend sind, können sich aufgrund von überraschenden Entwicklungen die Gewinnchancen plötzlich deutlich eintrüben. Gerade wenn Aktien zuvor stark gestiegen sind, ist selbst ein massiver Einbruch durchaus möglich, zumal auch die Aktienmärkte als Ganzes angesichts der langen Hausse anfällig geworden sind für Korrekturen.

Sie sollten daher dieses Produkt nur zeichnen, wenn Sie bereit sind, eine der drei Aktien von Geberit, Stadler Rail oder Lonza auch langfristig zu halten. Falls man Ihnen eine dieser Aktien ausliefert, wäre diese nämlich im Keller und Sie müssten sich wohl länger gedulden, bis eine Erholung wieder möglich würde.

9 Kommentare zu «Lassen Sie sich nicht von hohen Zinsen blenden!»

  • Pan Flöte sagt:

    Wozu für 5% Rendite freiwillig solche Risiken eingehen? Lieber in den SPI investieren (ETF), da bekommt man langfristig 7% jährlich zurück (völlig stressfrei und bei kleinerem Risiko).

  • Markus Lüthi sagt:

    Nicht vergessen sollte man, dass die während der Laufzeit des BRC ausgeschütteten Dividenden nicht gutgeschrieben werden. Dies reduziert die Attraktivität der BRC beträchtlich.

    • Jens Egger sagt:

      Haargenau!!
      Überrascht, dass Hr.Spieler dieses gewichtige Argument unterschlagen bezw. vergessen hat. In Anbetracht erscheint der „riesige“ Coupon von 5% und den grossen Risiken geradezu als schäbig. Wir sind in der allerlängsten Aktien-Hausse, eine deutliche Korrektur ist übrfällig. Auch die täglichen Rekorde von sage und schreibe 1, 2% (täglich!) an Börsen ist ein wiederkehrendes, deutliches Zeichen welches da heisst: Achtung, Absturzgefahr!

  • Julian H. sagt:

    Wenn die Firmen für vertrauenswürdig gehalten werden, sollten direkt die Aktien davon gekauft werden. Persönlich würde ich alle drei kaufen, hätte ich Geld, natürlich unter Berücksichtigung der allgemeinen Diversifikationsregeln.
    P.S: Die für solche Produkte werbende Bank, verdient damit wohl ordentlich Retrozessionen/Kick-backs. Die Wertpapierordergebühr zahle ich jedoch viel lieber!

  • Karl Knapp sagt:

    BRC können sich lohnen, wenn die Börse „seitwärts“ läuft. Der Gewinn ist ja gedeckelt (100% + 5% jährlich), der Verlust nicht. Und ja, sollten die Kurse sogar noch oben explodieren, nützt das dem Kunden wenig, weil in der Regel eine vorzeitige Rückzahlung im Kleingedruckten vorgesehen ist.

  • Karl Knapp sagt:

    BRC können sich lohnen, wenn die Börse „seitwärts“ läuft. Der Gewinn ist ja gedeckelt (100% + 5% jährlich), der Verlust nicht. Und ja, sollten die Kurse sogar noch oben explodieren, nützt das dem Kunden wenig, weil in der Regel eine vorzeitige Rückzahlung im Kleingedruckten vorgesehen ist.

  • Nick sagt:

    Wer ein Produkt nicht versteht, sollte die Finger davon lassen. Und wer ein Produkt versteht und trotzdem eines kauft, bei dem er am möglichen Kursgewinn mit exakt 0 Prozent, am ebenfalls möglichen Verlust aber bis zu 100 Prozent beteiligt wäre, nur um läppische 5 Prozent Versicherungsprämie zu kassieren, verdient es nicht besser. Merke: die Bank gewinnt am Ende immer. Ich kenne niemanden, der als Käufer solcher Produkte reich geworden ist. Spielt lieber Lotto oder Roulette.

  • Peter Schneider sagt:

    Das Schlimme ist: die 5% entsprechen nicht einmal einer fairen Prämie. Wenn ich keyinvest (UBS), derinet (Vontobel) oder Leonteq anschaue, dann werden weitaus bessere Papiere emittiert als dieser Wisch der Postfinance. Prinzipiell die Frage ob BRCs lohnenswert sind: Jain. Was die Mitdiskutanten ausser acht lassen: die BRC-Prämien sind zu einem grossen Teil steuerfrei, und Auszahlungen erfolgen unterjährig. Wer Prämien sofort wieder anlegen kann, wird mehr als die 5% rausholen.
    Was mich an Schweizer BRC stört: das ist Wischiwaschi. Es gibt nur Papiere mit mittleren Risiken und schlechter Prämie, aber keine, wo ich mit einer noch höheren Barriere eine noch bessere Prämie erhalte, EBEN WENN ich eine Aktie auch wirklich erwerben will. Da sind Deutsche Anleger gesegneter. 18% auf SAP z.B….

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