Flughafen im Würgegriff der Politik

Klimadebatte, weniger Flugbewegungen, Auflagen: Sollten Flughafen-Aktien besser verkauft werden?

Klimadebatte und Regulationen trüben die Prognosen: Eine Boeing 777 der Swiss am Flughafen Zürich. Foto: Keystone

Vor geraumer Zeit hat mir die UBS die Aktien des Flughafens Zürich zum Kauf empfohlen. Mittlerweile habe ich 25 Prozent Verlust darauf. Die UBS hat die Aktie inzwischen auf «verkaufen» gesetzt. Flüssiges Geld brauche ich nicht. Soll ich zuwarten oder verkaufen? S.B.

Der Flughafen Zürich ist gleich in mehrfacher Hinsicht einem raueren Klima ausgesetzt. Einerseits hat sich das Passagierwachstum am Flughafen Zürich verlangsamt. Die Passagierzahlen legen derzeit deutlich schwächer zu als in der Vergangenheit.

Die öffentliche Debatte über den Klimawandel und die Folgen des Flugverkehrs fürs Klima sind zweifellos nicht hilfreich, auch wenn sie die effektive Passagierzahl letztlich wohl nur am Rande beeinflussen.

Stärker spürbar für den Flughafen ist die Konjunkturabschwächung, die sich auch auf die Geschäfte des Unternehmens auswirken dürfte. Im Oktober ist das Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahr sogar zurückgegangen, aufgrund von weniger Flügen von Lokalpassagieren.

Immerhin hat die Zahl der Umsteigepassagiere weiter zugenommen. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres nahm die Zahl der Passagiere gesamthaft nur noch um 1,3 Prozent auf 26,9 Millionen zu, was die Wachstumsverlangsamung verdeutlicht. Auch die Zahl der Flugbewegungen seit Jahresbeginn liegt leicht unter Vorjahr.

Schwierig präsentiert sich für den Flughafen Zürich anderseits das regulatorische Umfeld. Der Flughafen Zürich muss im kommenden Jahr mit Ertragseinbussen rechnen. Wegen zu hoher Renditen im regulierten Fluggeschäft hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) per 1. April 2020 eine Reduktion der Flugbetriebsgebühren um 15 Prozent verfügt.

Damit ist die Flughafenbetreiberin nicht einverstanden und reicht eine Beschwerde ein. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) kam zum Schluss, dass der Flughafen das Kostendeckungsprinzip bei der aktuellen Gebührenordnung verletze. Konkret habe der Flughafen Zürich in der laufenden Gebührenperiode bis und mit dem Jahr 2018 eine zu hohe Rendite aus dem regulierten Geschäftsbereich erzielt.

Nun hat das Bazl eine happige Senkung der Flugbetriebsgebühren um 15 Prozent verfügt, welche noch während der laufenden Gebührenperiode ab 1. April 2020 in Kraft treten soll. Allerdings will sich der Flughafen gegen die Verfügung wehren. Dennoch muss man damit rechnen, dass der Flughafen mit hohen Einbussen von 60 Millionen Franken konfrontiert ist.

Für die Aktionäre ist das eine negative Überraschung. Die neuste Verfügung des Bazl unterstreicht, dass der Flughafen nicht nur den Kräften der Wirtschaft ausgesetzt ist, sondern auch stark von der Politik abhängig ist. Angesichts der Klimadebatte dürfte sich das noch verstärken.

Positiv ist, dass der Flughafen nicht nur von den Flugbewegungen lebt, sondern auch ein starkes Detailhandelsgeschäft betreibt. Dieses erreichte in den ersten zehn Monaten mit 503,7 Millionen Franken fast ein Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.

Zusätzliche Erträge könnten in Zukunft das internationale Geschäft bringen, das weiter ausgebaut wird, sowie das neue Dienstleistungszentrum The Circle. Der Nicht-Flugbereich, zu dem neben dem internationalen Geschäft auch die Parkhäuser, die kommerziellen Aktivitäten und weitere Dienstleistungen gehören, wächst und macht bald die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. In diesem Bereich sehe ich Chancen.

Nachteilig ist allerdings, dass vor allem das Wachstum im Ausland sehr kapitalintensiv ist und hohe Investitionen nötig macht. Zukaufen würde ich bei den Flughafen-Zürich-Aktien angesichts des schwierigen regulatorischen Umfelds und der Wachstumsverlangsamung vorderhand sicher nicht.

Da Sie die Aktien bereits im Depot haben, müssen Sie sich überlegen, welche Ziele Sie damit verfolgen. Wenn Sie in erster Linie an schönen Dividenden interessiert sind, würde ich die Papiere behalten, zumal Sie auf das Geld derzeit nicht angewiesen sind. Denn die Aktien bringen immerhin eine interessante Dividendenrendite von über 4 Prozent.

Falls Sie aber ein Kurswachstum erwarten, wäre ich kritisch. Hier sehe ich künftig wenig Potenzial.