Freizügigkeitsgeld gehört investiert

Wer sein Freizügigkeitskapital liegen lässt, verliert Geld. Unser Geldberater verrät Alternativen.

Verlustgeschäft Freizügigkeitskonto: Es gilt, einen geeigneten Vorsorgefonds zu finden. Foto: iStock

Ich habe Ihre Empfehlung im Artikel mit dem Titel «Teure Fonds: Nutzen Sie günstigere Alternativen» gelesen: Was raten Sie bei Freizügigkeitskonti? Ist es empfehlenswert, diese in Vorsorgefonds zu investieren? Ich habe einen Anlagehorizont von 15 Jahren. Die CS wie auch die ZKB haben diese passiv verwalteten Indexfonds im Angebot – auch mit hohem Aktienanteil etc. Was ist Ihre Empfehlung? C.M.

Das Geld auf dem Freizügigkeitskonto sollte man nicht einfach brachliegen lassen. Bei den meisten Banken bekommen Sie auf diesem Geld kaum mehr Zins. Bei Raiffeisen beispielsweise werden die Guthaben auf dem Freizügigkeitskonto derzeit mit 0,1 Prozent verzinst. Bei Postfinance und der Migros-Bank gibts nur 0,05 Prozent und bei der Grossbank UBS 0,01 Prozent.

Wenn man sich vor Augen führt, dass auf den Freizügigkeitskonten oft hohe Summen liegen, ist das bei langer Dauer fatal. Selbst wenn die Kontoführung kostenlos ist, verliert man bei Berücksichtigung selbst einer tiefen Teuerung faktisch Geld. Wenn jemand weiss, dass er oder sie sicher längere Zeit keine Erwerbstätigkeit aufnimmt und das Geld somit während mehrerer Jahre auf dem Freizügigkeitskonto liegen bleiben würde, ist es besser, wenn man das Kapital investiert.

Möglich ist das unkompliziert mit speziellen Vorsorgefonds, die auf die regulatorischen Rahmenbedingungen in der 2. Säule und der steuerbegünstigten Säule 3a abgestimmt sind. Damit hat man die Chance, eine deutlich höhere Rendite zu erzielen. Gleichzeitig tragen Sie allerdings ein mehr oder weniger hohes Anlagerisiko. Wie viel Risiken Sie bereit sind zu übernehmen, hat dann einen Einfluss auf die Fondswahl.

Wenn Sie Fonds mit einem hohen Aktienanteil wählen, müssen Sie mit starken Kursschwankungen rechnen. Bei konservativen Fonds mit wenigen Aktien sind diese zwar geringer, dafür sind auch die Renditechancen klar kleiner.

Da Sie mir schreiben, dass Ihr Freizügigkeitsgeld sicher 15 Jahre parkiert ist, würde ich Vorsorgefonds mit einem hohen Aktienanteil nutzen – vorausgesetzt, dass Sie mit den damit verbundenen starken Schwankungen gut leben können. Sie haben recht, dass es je nach Art des gewählten Vorsorgefonds beträchtliche Gebührenunterschiede gibt.

Gerade bei einem langen Anlagehorizont wie man ihn in der Altersvorsorge hat, würde ich passiv geführte Vorsorgefonds vorziehen. Diese zeichnen sich durch deutlich günstigere Gebühren aus. Zwar haben aktiv geführte Fonds das Ziel, eine bessere Performance zu erzielen als passiv geführte Vehikel. Längst nicht immer gelingt das aber. Die Gebühren indes bezahlen Sie in jedem Fall. Auf die 15 Jahre, die Sie Ihr Vorsorgegeld investieren möchten, macht schon ein Gebührenunterschied von einem Prozent aufgrund des Zinseszinseffekts viel aus.

Die von Ihnen erwähnte Zürcher Kantonalbank bietet über ihre Fondstochter Swisscanto mehrere kostengünstige Indexfonds an, die sich für die Vorsorge eignen. Der Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT CHF beispielsweise bietet Ihnen wie gewünscht einen hohen Aktienanteil und mit einer Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio TER von 0,42 Prozent vergleichsweise geringe jährliche Gebühren. Etwas teuer ist der vergleichbare CSA Mixta-BVG Index 75 der Grossbank Credit Suisse.

Noch wichtiger als nur die Gebühren ist allerdings, dass Sie überhaupt investieren. Die schlechteste Variante ist aus meiner Sicht, gar nicht zu investieren und das Geld einfach brachliegen zu lassen.

19 Kommentare zu «Freizügigkeitsgeld gehört investiert»

  • Andreas Steiner sagt:

    Warten wir den grossen Crash ab, der innerhalb der nächsten 2 Jahre kommt. Dann Jammern dann alle. Haarsträubend, im 2019 noch auf Aktien zu setzen. Mag sein, dass man langfristig besser gefahren wäre, wenn man in den 80er sein Geld angelegt hätte, aber der Crash, der kommt, da wird die grosse Depression ein Klacks sein.

    • Pan Flöte sagt:

      @A. Steiner
      Schön für Sie, dass Sie das so genau wissen. An Ihrer Stelle würde ich auf fallende Märkte setzen und reich werden. Ist ja scheinbar alles so kristallklar.

      Es mag nicht nur sein, dass man in der Vergangenheit mit Aktien besser gefahren wäre, das war tatsächlich so (denn der Blick in die Vergangenheit funktioniert bestens, nicht aber der Blick die Zukunft).

      • Peter Schneider sagt:

        Ach, so lange wir hier keine japanischen Verhältnisse haben (Dividendenrenditen von 1%) sehe ich noch problemlos Gelegenheiten längerfristig zu investieren. Denn jeder „Crash“ wurde im Zeitraum von 10 Jahren ausgebügelt. Und klar: die Wette ist weiterhin, dass die Leute nicht wissen, wohin sie mit dem Geld sollen, das auf den den normalen Konti nur mit 0.00 bis 0.25% verzinst wird. Noch was: Timing ist irrelevant – die richtigen Zeitpunkte trifft man eh nie. Und Trading macht lediglich die Banken fett.

  • urs brand sagt:

    Wer im Mai 2007 in den SMI bei 9500 investierte steht heute mit 9700 minim höher als vor 12 Jahren. Auch ein langer Zeitraum ist nicht immer Garant für eine positive Rendite. Dumm wäre noch, wenn Sie gerade jetzt ihr Freizügigskeitkonto infolge Rentenalter saldieren müssten.

    • Carmen Haag sagt:

      @ urs brand: Blödsinn, bei passiven Fonds so genannten Indexfonds wird die Verwaltung auf ein Minimum reduziert und quasi dem Markt überlassen. Passive Fonds wie ETF (Exchange Traded Funds) sind so konstruiert, dass sie automatisch einen Marktindex abbilden. Bei den genannten Vorsorgefunds wird nicht nur der SMI abgebildet sondern im Miix auch der Euro Stoxx 50, MSCI GCC Index, Dow Jones Industrial Average etc.
      Auf die Diversifikation kommt es an. Haben alle hervorragend performt.

      • Franz Berger sagt:

        Ihre Anmerkungen betreffend Index, Gebühren, ETF etc. mögen richtig sein – ändern aber an der Aussage von Brand betreffend SMI eben nichts. Man kann auch in einen ETF SMI investieren und dann siehts eben nicht so goldig aus :))

      • Andrea Curiger sagt:

        @ Berger :Der Geldberater empfiehlt unter anderem
        den Der Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT CHF. Investiert wird nur zu ca. 35% in SMI Blue Chips, der große Rest ist mit den USA,Japan, UK China etc. international vertreten, der SMI ist hier definitiv kein Thema.

    • Peter Schneider sagt:

      Lieber Herr Brand:
      das „M“ steht für „Market“. Das heisst, dass die Dividenden nicht eingerechnet sind. In Gegensatz zu den „Performance“ Indizes. In 12 Jahren haben Sie also munter Dividenden erhalten, die alle nicht in den Punkten eingerechnet wurden. Hätten Sie 9500 CHF investiert und die Dividenden immer reinvestiert, hätten Sie heute keine 9700 CHF, sondern geschätzt 13 bis 14 000. Kann aber auch mehr sein.

    • I. Bissig sagt:

      Man schaue sich den Chart an und nehme ein möglichst ungünstiges Szenario. So funktioniert die Welt des ‚urs brand‘. Vergessen haben er dabei aber, dass der SMI die Dividenden im Gegensatz zu den meist anderen Indices NICHT einschliesst. Und diese Dividenden sind höher als Alles, was der ‚urs brand‘ durch Dummsparen erwirtschaften könnte.

  • Richard Engler sagt:

    Ich kann es kaum mehr hören: Chancen, Chancen Chancen !!!
    Von den realen, täglichen Risiken redet kein Mensch. Auf einem FZK liegt das Geld spesenfrei. das heisst, dass ich nach 10 oder 15 Jahren immer noch über die gleiche Summe verfügen kann, die ich ursprünglich dort deponierte.
    Investiere ich in einen Fonds, bezahle ich Gebühren. bei einem TER von günstigen 0.5% verliere ich nach 10 Jahren 5% des Vermögens, wenn der Fonds keine Performance hat. Ist diese negativ, steigen meine Verluste schnell auf 10%, oder 15%, oder mehr – wer weiss das schon.
    Uebrigens: die Inflation ist in beiden Fällen gleich, sei das Geld auf dem FZK oder in einem Fonds. Ergo darf man die Inflation bei Vergleichen auch nicht rechnen.

    • Tom Sivers sagt:

      Solange die Zinsen unterhalb der Inflationsrate von 0.90% liegen, verlieren Ersparnisse an Wert.
      Auf dem Konto bleibt zwar gleich viel Geld, die Kaufkraft wird aber kleiner. In der Inflation nicht einberechnet ist die Teuerung bei den Krankenkassenprämien: Wenn sie steigen kostet das zusätzlich Geld. Der Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT CHF finde ich persönlich eine gute und kostengünstige Alternative aber nur mit einem Anlagehorizont von mehr als 10-Jahren.

      • Peter Schneider sagt:

        Lieber Herr Engler,
        Die Inflation ist bei den Firmen übrigens auch vorhanden. Das heisst, dass die Umsätze, die Gewinne und die Bewertung des Anlagevermögens der Firmen mit der Inflation auch steigen. Das ist deutlich Inflationsgeschützter als Ihr totes Kapital bei der Bank.

    • Peter Rohner sagt:

      Das ist ja das Schöne an der freien Marktwirtschaft: Jeder kann sein Geld dort investieren, wo er will. Kein Grund, sich gleich die Haare zu raufen.

      Die Sicherheitsbedürftigen lassen ihr Geld auf dem Bankkonto liegen, die anderen lassen ihr Geld arbeiten. Jeder nach seinem Geschmack.

      • Richard Engler sagt:

        Das tönt alles super. Und wenn die ganzen tollen Anlagen den Bach runter gehen, dürfen die Sicherheitsbedürftigen via Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen den geilen Investoren den Lebensabend finanzieren.

      • Peter Rohner sagt:

        Nö, die haben ja auch kein Geld mehr, da ihnen die Inflation das ganze Kapital weggefressen hat.

        Finanzieren tun das dann die aktiven Angestellten und die reichen Bürger. Und natürlich die Roboter, die für die Menschheit fleissig schuften.

  • Christoph Mayer sagt:

    Stimmt der Text von Herrn Spieler auch für diejenigen Alleinstehenden welche den Vermögensverzehr betreiben und nichts vererben wollen ?

  • Franz Müller sagt:

    1/3 des Geldes jetzt in einen Fonds mit möglichst hohem Aktienanteil investieren, so kann man zumindest teilweise von einer weiteren Aktienhausse profitieren. Sollten die Aktienmärkte um 50% oder mehr einbrechen, was historisch gesehen durchaus nicht ungewöhnlich wäre, könnten die 2/3 des Geldes investiert werden, um von einer Aktienmarkterholung zu profitieren.

  • Anna Mayer sagt:

    Kaufe ich also wie empfohlen den Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT
    bezahle ich eine Ausgabekommission von 0.55% und bei der Rücknahme erneut 0.55% plus Depotgebühren von 0.40% plus das TER von jährlich 0.42 %.

    • J. Hofer sagt:

      Richtig. Das ist Wucher und der heutigen Zeit (ETF TER im 0.0x% Bereich und sogar zero commission Broker) nicht mehr angemessen. Wie bereits gestern diskutiert, sollte man günstigere Alternativen in Betracht ziehen.
      P.S. danke an Peter Schneider oben fürs Erläutern von Kurs- und Performance Index (=wichtiges Grundwissen).

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