Diese Risiken lauern bei günstigen US-Brokern

Digitale Broker locken mit tiefen Gebühren. Foto: Istock

Ich habe einen Gebührenvergleich bei Online-Handelsplattformen gemacht. Selber habe ich Swissquote, aber ich habe herausgefunden, dass Interactive Brokers bei weitem besser abschneidet. Während man bei Swissquote für eine SIX-Aktientransaktion rund 0,5 Prozent des Handelswerts berappen muss, inklusive Börsengebühren, zahlt man bei Interactive Brokers unter dem Strich nur 0,1 Prozent. Swissquote erhebt Depotgebühren, während Interactive Brokers ab einer bestimmten Summe keine berechnet. Auch hat man mit Interactive Brokers günstig Zugriff auf eine Vielzahl von Handelsplätzen. Sehen Sie Probleme bei einem Wechsel? L.B.

Interactive Brokers LLC ist ein amerikanisches Maklerunternehmen mit einer riesigen elektronischen Handelsplattform in den USA. Über die USA hinaus ist das Unternehmen in etlichen weiteren Ländern wie Japan, Russland, Kanada, Hongkong, Grossbritannien, China oder Australien aktiv. Die Gebühren sind in der Tat sehr attraktiv und deutlich günstiger als bei vergleichbaren Brokern in der Schweiz.

Auch aus der Schweiz können Sie über Interactive Brokers handeln. Mich persönlich stören würde allerdings, dass es sich um ein US-Unternehmen handelt. Sie müssen damit rechnen, dass der Eröffnungsprozess für ein Konto ziemlich kompliziert ist und Sie mit einer Vielzahl von Formularen und Disclaimern konfrontiert sind, wie man dies von US-Firmen kennt. Leider hat das auch bei vielen Schweizer Banken Einzug gehalten, aber in der Regel noch nicht in Ausmassen wie bei US-Firmen.

Wichtig sind aus meiner Sicht zwei Aspekte: Sicherheit und rechtliche Risiken. Ich würde mich vor einer Kontoöffnung fragen, was genau passiert, wenn das Unternehmen in Konkurs geht, was man bei jedem Unternehmen nie ganz ausschliessen kann – auch bei einer Schweizer Bank. Doch bei Letzterer greift die gesetzliche Schweizer Einlagensicherung. Da Interactive Brokers in der Schweiz keine Bank ist, können Sie nicht auf die Einlagensicherung vertrauen.

Weiter würde ich mich fragen, was passiert, wenn es zu einem Rechtsstreit mit der Firma käme, was auch bei jedem Unternehmen möglich ist. Ich gehe davon aus, dass der Gerichtsstand in den USA ist. Als Schweizer Anleger würde es dann für Sie nicht nur teuer, sondern auch sehr schwierig.

Positiv punkto Sicherheit finde ich aber, dass Interactive Brokers Group von Standard & Poor’s mit einem Investment-Grade-Rating bewertet wird und IBKR der strengen US-Börsenaufsicht SEC untersteht. Das gibt eine gewisse Sicherheit. Zudem wurde der Broker mehrfach vom Anlegermagazin «Barrons» ausgezeichnet.

Zwar kann man nicht nur als institutioneller Anleger, sondern auch als Privatanleger über Interactive Brokers handeln. Wie Sie wahrscheinlich auf der Website gesehen haben, gibt es aber Mindestbeträge. So seht ausdrücklich: «Wir erheben keine Kontoführungsgebühren für Konten, die die folgenden Kriterien erfüllen: Mehr als 100’000 US-Dollar an durchschnittlichem Eigenkapital in einem Kalendermonat oder 10 US-Dollar Provisionen, die in einem Kalendermonat generiert werden.»

Ich gebe Ihnen recht, dass Gebühren bei der Wahl eines Brokers natürlich wichtig sind, denn je tiefer diese sind, desto mehr Rendite bleibt bei Ihnen. Für mich wären die tiefen Gebühren aber nicht der alleinige Faktor bei der Wahl eines Brokers. Vor diesem Hintergrund würde ich angesichts des aus meiner Sicht problematischen US-Rechtssystems persönlich einen Broker aus der Schweiz bzw. mit Sitz und Gerichtsstand in der Schweiz vorziehen.

23 Kommentare zu «Diese Risiken lauern bei günstigen US-Brokern»

  • Daniel Eggenberger sagt:

    Danke für diesen Beitrag. Nun frage ich mich, wie die Situation mit Brokern in der EU, z. B. Degiro, zu beurteilen ist.

    • Rudolf Ramsauer sagt:

      Bei Degiro ist die Anmeldung sehr einfach. Ein- und Auszahlungen sind nur über vorher bestimmte Referenzkonten möglich (Schutz vor Hackern etc.). Ihre Wertschriften und Ihr Guthaben sind von Degiro getrennt, so dass Sie bei einem Konkurs Degiros keine Nachteile haben. Ausgezeichnete Kurse bei der Umwandlung von Währungen (auch wenn Sie privat Fremdwährungen brauchen). Rasend schnelle Transaktionen. Dass Wertschriftenhändler – wie bei der Schweizer Bank erlebt – ihre Stopp-Loss-Order mit Kurstreppen missbrauchen, gibt es auch nicht. Übrigens: wenn Sie ein Vermögen aufbauen wollen, ist der Einlagenschutz auf den ersten Fr. 100’000 (sowieso nur ein Maximalbetrag für den günstigsten Fall) unerheblich.

      • James sagt:

        Was man über Degiro beachten sollte, sind die MMfunds.
        Das Geld wird automatisch in jeweilige Währungen von der Firma angelegt und schwanken ziemlich stark und deswegen verliert man damit Geld. Es macht überhaupt keinen Sinn in CHF Bonds (CHF MMFunds) zu investieren, wenn das Risiko vom Kursverlust viel zu hoch ist. Man bezahlt weniger Kommission, dafür wird man mit MMFunds abgezockt. Ich würde es daher nicht empfehlen.
        Die Schweizer Banken inklusieve Swissquote sind viel zu teuer. Am besten wäre ein Konto bei einer der grossen US Onlinebroker zu eröffnen. Einige verlangen gar keine Courtage.

  • Peter Rohner sagt:

    Gute Antwort von Martin Spieler! Einen guten Vergleich von Schweizer Online-Broker findet man hier:
    https://www.justetf.com/ch/online-broker-vergleich/etfs-kaufen.html

    Für Schweizer Verhältnisse ist neben Swissquote ist unterm Strich auch PostFinance erstaunlich günstig.

    • Monokel Auf sagt:

      PostFinance setzt auf Swissquote auf…

      • J. Hofer sagt:

        Depotgebühren kann ich in der heutigen Zeit einfach nicht mehr ernst nehmen. Für mich käme daher eigentlich nur eine Kombination von ausländischen Brokern (für Basisinvestment=Aktien aus aller Welt breit gestreut und/oder ETF) und zusätzlich evtl. ein Depot bei der Cornèrbank (für einige Schweizer Einzeltitel, d.h. für Besuch der Generalversammlungen) in Frage.

      • Peter Rohner sagt:

        @Monokel
        Danke! Das wusste ich nicht.

  • Martin Arn sagt:

    Leider hat Swissquote einen grottenschlechten Kundendienst, der einem gerne auch mal falsche Auskünfte gibt.

  • Sandra Meier sagt:

    Sehr parteiisch und lausig geschrieben!

    Erstens ist für ein Wertschriftendepot die Einlagensicherung eher nicht so wichtig, da die Wertschriften in einem Konkursfall eh nicht in der Konkursmasse landen.

    Zweitens kopiere ich aus dem Internet:
    Im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz von IB sind Kundengelder sowie Finanzinstrumente durch die US Securities Investor Protection Corporation (SIPC) geschützt. Der Schutz umfasst ein Maximum von USD 500.000 pro Kunde, dies beinhaltet ein Maximum von USD 250.000 auf Bareinlagen. Zusätzlich besteht eine Police mit Lloyd’s, die einen Schutz von USD 30 Millionen pro Kunde bietet (davon USD 900.000 auf Bareinlagen), mit einem Gesamtmaximum von USD 150 Millionen pro Schadensfall

    Das ist ja wohl höher und besser als jede Schweizer Lösung!

    • I. Bissig sagt:

      Das räumt die Probleme mit dem US-Justizsystem (und anderen US-Behörden) bei Schwierigkeiten nicht aus dem Weg. Für Kleinanleger bis zu einer Million Einlage ist jeder Kontakt mit US-Behörden gleich welcher Art ein absolutes finanzielles Horrorszenario.

      • Giorgio sagt:

        bravo Sandra Meier!
        stimmt genau, und noch dies: alle kunden gelder sind in segregated accounts bei banken. nicht unwichtig. IB hat per 30.6 45 mrd usd an kundengelder. enough said.

    • Monokel Auf sagt:

      Richtig, zudem sind die 10000 einlage passe.
      Ich erwarte mehr Objektivität und Recherche. Haben sie etwa einen Influencer Vertrag mit swissquote?

    • Pjotr Müller sagt:

      Das trifft aber nur zu, wenn Sie voll in Aktien investiert sind. Es gibt aber auch immer Phasen, wo Teile des Guthabens auf den Konten des Brokers liegen.
      Gerade bei US-Brokern zieht man dieses Geld nicht so unkompliziert in die Schweiz zurück.

      • Michael sagt:

        Doch, wieso nicht!?! Da sie ja das Geld bei IB generiert haben, ist der Nachweis der Geldquelle kein Problem. Und da die USA im Gegensatz zu europäischen Staaten keine Kapitalgewinnsteuern kennen, interessiert sich der amerikanische Staat auch nicht für Ihr Vermögen (von Ausländern sowieso nicht). Daher völlig unproblematisch – im Gegensatz zu einem europäischen Broker.
        Falls aber AOC in den USA an die Macht kommt, würde ich aufpassen…

      • Olivier Fuchs sagt:

        „da die USA im Gegensatz zu europäischen Staaten keine Kapitalgewinnsteuern kennen, interessiert sich der amerikanische Staat auch nicht für Ihr Vermögen (von Ausländern sowieso nicht).“

        Bei Ableben drohen Erbschaftssteuern zu 30%. Ich war einmal bei einem Broker, der seine Filiale in der Schweiz schloss, wonach ich das Angebot eines Transfers hinüber annahm. Später dann stellte ich einmal fest, dass alles blockiert war. Ich hatte eine Aufforderung zu einer W-BEN-8-Deklaration ein einem alten e-mail-Konto nicht gesehen. Deshalb nie Geld hinüberschieben. Die Amis waren schon immer auf fremdes Vermögen aus.

      • Pjotr Müller sagt:

        @Olivier Fuchs: Es wäre mir neu, dass ausländische Bürger US-Erbschaftssteuern zahlen müssen. US-Bürger müssen dies allerdings, selbst wenn sie schon Jahrzehnte im Ausland leben – und in diesem Fall auch auf Vermögen, die sie im Ausland erworben haben.

      • Peter Rohner sagt:

        @Pjotr Müller
        Es ist tatsächlich so, dass jede in der Schweiz lebende Person USA-Erbschaftssteuern zahlen muss für Aktien, ETFs oder Fonds mit Domizil USA (denn die Schweiz hat kein gescheites Steuerabkommen mit den USA abgeschlossen). Drum haben viele ETFs oder Fonds als Steuerdomizil Irland oder Luxemburg gewählt.

        Im Todesfall müssen die betroffenen Erben ein 31-seitiges Formular ausfüllen (nach „Form 706“ googeln).

      • Peter Rohner sagt:

        Der Witz ist, dass man sogar USA-Erbschaftsteuern zahlen muss für USA-Aktien, die ein in der Schweiz lebender Schweizer auf einem Schweizer Depot liegen hat.

      • Pjotr Müller sagt:

        Danke euch für diese Informationen.

    • Peter Rohner sagt:

      Otto und Emma Normalmensch sollten sich einen Broker in der Schweiz nehmen, nicht im Ausland. Ausländische Broker sind nur was für professionelle oder fortgeschrittene, engagiert Anleger, die sich die Börse zum Hobby gemacht haben.

  • Hans Thommen sagt:

    Schwacher Bericht, da einseitig. Richtig ist: (a) Allgemein: Ja, bei ausländischen Brokern hat man Cross Border Issues wie: Einlagensicherung, Rechtssicherheit, Steuern, mehr Dokumente. Due Diligence! (b) IB im speziellen: Global tätige Firma, gross, sehr guten Ruf., technisch sehr fit, top Platform. Wer zum Beispiel algorithmisch handeln möchte, ist bei IB besser bedient als bei Swissquote. Remember: SNB-Schock: Swiss Quote und Saxo Bank verklagten ihre Kunden, die Negativsaldi hatten. Viele ausländische Broker (denke auch IB) haben die Negativsaldi der Kunden selber gedeckt und den Verlust der Firma angelastet. Soviel zum Wert der Einlagensicherung. SQ und Saxo sind zwar in der CH, ich persönlich vermute aber, dass IB vertrauenswürdiger ist. (Habs nicht im Detail angeschaut.)

  • Georg Wuitschik sagt:

    Ich selber nutze seit Jahren Interactive Brokers und habe das Depot via deren deutschen Partner Captrader eröffnet. Überhaupt kein Problem und kein Vergleich, was man in der Schweiz so für ein Bankkonto braucht.

    Die Gebühren betragen nur einen kleinen Bruchteil (Währungsumwandlung nicht vergessen…) und dadurch dass man seine Wertpapiere zur Leihe freigeben kann, kriegt man oft noch Geld raus. Würde das jedem weiterempfehlen, der ein wenig technikaffin ist und ansonsten auch zu DeGiro raten.

  • Hans Hertig sagt:

    Was sind die Erfahrungen mit etoro? Sehr benutzerfreundliche Platform und Gebuehren auch gut.
    Danke.

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