Trump will keinen höheren Dollar

Und weitere Faktoren, die gegen eine Erstarkung der US-Währung sprechen.

America First: Donald Trump will sich als Präsident präsentieren, der die US-Wirtschaft stärkt. Foto: Reuters

Wir planen eine längere Reise in die USA und fragen uns, was künftig beim Dollar passiert. Wenn der Dollar plötzlich auf 1 Franken 10 steigt, wäre unsere Reise um einiges teurer. Sehen Sie auch einen höheren Dollar? P.K.

Nein. Sie müssen sich bei Ihren Überlegungen die Frage stellen, was denn genau den Dollar so stark antreiben sollte. Fangen wir mit der Politik an: US-Präsident Trump hat kein Interesse daran, dass die US-Währung stark ansteigt. Denn ein festerer Dollar hat zur Folge, dass die amerikanischen Exporte im internationalen Vergleich teurer werden. Die US-Wirtschaft würde leiden.

Doch genau das kann der US-Präsident, der schon an die nächsten Wahlen denkt, ganz sicher nicht brauchen. Er will sich als Präsident präsentieren, der die US-Wirtschaft stärkt – ganz nach seinem Motto «America First».

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist bereits ein Risiko für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft, weshalb die amerikanische Notenbank die Leitzinsen in diesem Jahr wieder senken dürfte. Damit sind wir bei einem weiteren wichtigen Faktor, der gegen eine klare Erstarkung des Dollars spricht. Wenn die Zinsen in Amerika wieder sinken, werden Anlagen in US-Dollar für internationale Investoren weniger attraktiv. Gelder, die aufgrund früherer Zinserhöhungen in US-Anlagen geflossen waren, könnten teilweise wieder abfliessen. Der Zinsunterschied zu anderen Währungen nähme wieder ab.

Zwar ist der Dollar neben dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen weiterhin ein sicherer Hafen für die Investoren in unsicheren Zeiten. Sollte es zu geopolitischen Krisen kommen oder die Finanzmärkte stark korrigieren, flüchten viele Anleger gerne in den sicheren Hafen des Dollars.

Allerdings fragt man sich angesichts der rekordhohen Schuldenberge der USA, wie sicher der sichere Hafen Dollar langfristig wirklich ist. Immerhin ist die US-Notenbank in der Lage, so viel Geld zu drucken, wie sie will, was die Schuldenberge etwas relativiert. Und zweifellos wird sie auch künftig viel Geld drucken, wie sie es in den letzten Jahren schon getan hatte, als sie die Märkte mit viel billigem Geld geflutet hatte. Wenn es zu einer geopolitischen Krise käme – etwa zu einer militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran – würde das zweifellos dem Dollar phasenweise Auftrieb geben.

Dennoch rechne ich auch dann nicht mit Kursen von 1 Franken 10, wie Sie es in Ihrer Frage ansprechen, zumal viele Investoren in Krisensituationen nicht nur in den Dollar, sondern auch in den Schweizer Franken oder sogar ins Gold flüchten, das allerdings wieder an den Dollar gekoppelt ist.

Eine stärkere Wirkung sehe ich indes bei den sinkenden Zinsen und dem Wunsch der US-Politik, dass US-Exporte im internationalen Kontext seitens der Währung keine Nachteile haben. Vor diesem Hintergrund würde mich eine deutliche Erstarkung der US-Währung zum Franken in den nächsten Monaten erstaunen.

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