Neue Chance für die Privatbank Julius Bär

Bank Julius Bär: Das Institut verwaltet über 400 Milliarden Franken Kundengelder. Foto: Christian Beutler/Keystone

Am 1. September ist es so weit: Philipp Rickenbacher wird neuer Chef der Privatbank Julius Bär. Ob er die Bank wieder auf die Wachstumsschiene führen kann, ist ungewiss. Ich habe noch nicht viel von ihm gehört. Der Aktienkurs nimmt auf jeden Fall nichts vorweg. Die Titel der Privatbank haben 2018 rund 40 Prozent ver­loren und hinken dem breiten Schweizer Aktienmarkt auch dieses Jahr hinterher. Aus Anlegersicht bedeutet dies allerdings, dass die Aktien günstig bewertet sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 10, die Dividendenrendite bei knapp 4 Prozent. Sinkt der Kurs weiter, wird das Institut als Übernahmeziel etwa für eine Grossbank attraktiv. Es darf nicht vergessen werden, dass die Bank immer noch über 400 Milliarden Franken Kundengelder verwaltet und daraus einen stabilen Ertrag erwirtschaftet. Zudem verfügt die Bank über ein starkes Standbein in Asien. Immerhin hat der neue Chef die Möglichkeit, die Anleger zu überraschen, und er kennt die Bank, schliesslich arbeitet er seit 15 Jahren für das Institut. Ich gebe ihm eine Chance. Kaufen

Kaffee, Ziegenkäse und Desserts

Sie kennen sie bestimmt, die kalten Kaffees vom Emmi. Ob Cold Brew, Colombia Edition oder ein simpler Cappuccino – mein Kollege hier auf der Redaktion kann ohne seine zwei Becher am Tag die Augen nicht offen halten. Und er scheint nicht der Einzige zu sein. Die Verkaufszahlen von Emmi Caffè Latte zeigen steil nach oben. In allen Regionen wächst der Absatz stark. Für die Luzerner ist das Getränk eine Goldgrube. Das zeigte sich auch jüngst in den Halbjahreszahlen. Dank der Strategie, vermehrt hochmargige Produkte wie Ziegenkäse, italienische Desserts oder eben trinkbereiten Kaffee anzubieten, hat Emmi nicht nur den Umsatz, sondern auch die Profitabilität in den letzten Jahren stetig gesteigert. Zwar machte ihr jüngst ausgerechnet eine Nische Prob­leme: In Deutschland leidet das Unternehmen unter der Biomilchschwemme. Aber langfristig ist das Unternehmen auf Kurs – und auch finanziell sehr gut aufgestellt. Das spiegelt sich in den Aktien, die eher teuer sind. Aber Qualität hat ihren Preis, und gerade im jetzigen Börsenumfeld lohnt es sich, auf si­chere Werte zu setzen. Daher nutze ich die Kursschwäche. Kaufen

Smile läuft gut

Der Versicherer Helvetia platziert vermehrt digital nutzbare Versicherungsprodukte dort, wo Menschen Elektronikgeräte kaufen oder sich einen Gebrauchtwagen aussuchen. Das hat sich im ersten Halbjahr gezeigt. Die Einnahmen stiegen um gut 3 Prozent auf 6 Milliarden Franken. Besonders gut lief der Produkteabsatz in den europäischen Märkten und bei Kontrakten für Infrastrukturbauten. Auch die Onlinemarke Smile, die in der Schweiz Schadenversicherungen über digitale Kanäle absetzt, steigerte das Geschäftsvo­lumen. Die neue Unternehmensbesteuerung der Schweiz erlaubte zudem, Rückstellungen für la­tente Steuern aufzulösen. Deshalb weist Helvetia für das erste Halbjahr 2019 einen deutlich höheren Überschuss aus. Das wird sich so zwar nicht wiederholen. Das Unternehmen ist jedoch auf gutem Weg, die Mittelfristziele zu erreichen. Die Dynamik des Unternehmens im europäischen Ausland und die ­Kooperationen mit Onlinedienstleistern deuten für mich auf ein ­erhebliches Expansionspotenzial hin. Kaufen

Lukrative Beteiligungen im Ausland

Vielleicht ist es die zunehmende Flugscham angesichts der vielen Debatten um die Auswirkungen des Luftverkehrs aufs Klima, vielleicht war aber auch nur die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer weniger gross. Auf ­jeden Fall sind im ersten Halbjahr 2019 weniger Passagiere von Zürich aus in die Welt geflogen. Doch dem Flughafen Zürich sind diese Zahlen je länger, desto weniger wichtig. Die Strategie, ausserhalb des Kerngeschäfts Flugbetrieb zu wachsen, macht sich bezahlt. Umsatz und Ergebnis lagen in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich über der Vorjahresperiode. Neben dem Nichtfluggeschäft, zu dem neben der Vermietung der Flächen am Flughafen auch das Immobilienprojekt The Circle gehört, erfreuten die Beteiligungen im Ausland. Die internationalen Expansionspläne werden auch künftig zu einer Steigerung beitragen. Doch das ist bereits in den Aktien eingepreist. Die jüngsten Zahlen geben ihnen wohl nur kurzfristig einen Impuls. Für mich fehlt derzeit trotz guter Strategie etwas Fantasie, deshalb warte ich ab. Halten

Unabhängigere Divisionen

Zugegeben, es gibt auf den ersten Blick aufregendere Aktien als jene des deutschen Industriekonglomerats Siemens. Doch es tut sich was. Im April gab sich der Konzern eine neue Struktur, damit die einzelnen Divisionen unabhängiger und wendiger werden. Das weniger profitable Energiegeschäft wird abgespalten und an die Börse gebracht. Und auch für die Bahntechnik könnte Konzernchef Joe Käser einen alternativen Partner für Alstom suchen, nachdem der Schulterschluss mit den Franzosen im Februar scheiterte. Auch wenn nicht alles gelingt, Siemens traut sich, alte Strukturen infrage zu stellen und aufzubrechen – und ist ABB damit um einiges voraus. Die Schweizer haben sich erst Anfang Jahr vorgenommen, ihre Organisation einer Verjüngungskur zu unterziehen. Siemens bleibt zwar ein eher schwerfälliger, zyklischen Industrien ausgesetzter Konzern. Doch angesichts der technologischen Substanz, der finanziellen Stabilität und einer im Branchenvergleich niedrigen Bewertung sind die Aktien attrak­tiver, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Dosiert kaufen

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