Brennstoffzellen: Ebenso lukrativ wie riskant

In Zeiten der Klimakrise hat die Brennstoffzellentechnik grosses Potenzial. Worauf Anleger dennoch achten müssen.

Problem Verfügbarkeit: Es gibt noch viel zu wenige Tankstellen, wo man sich mit Wasserstoff versorgen kann. Foto: iStock

Man hört heute viel und oft von E-Autos, insbesondere von Tesla. Mich würde interessieren, was mit der Brennstoffzellentechnik läuft. Gibt es auch Aktien von Firmen? Was würden Sie empfehlen? G.C.

Die Brennstoffzellentechnik ist meines Erachtens ein spannendes Thema und ich wundere mich, dass man im Rahmen der intensiven Debatte über den Klimawandel in der breiten Öffentlichkeit nicht noch mehr darüber liest.

Der Einsatz von Brennstoffzellen hat viele Pluspunkte: Durch die Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle entstehen keine Schadstoffe, sondern lediglich Wasser. Schon heute kommt die umweltfreundliche Technik, die zudem über einen hohen Wirkungsgrad verfügt, erfolgreich zum Einsatz – etwa bei Autos, Schiffen, Zügen oder Lastwagen. Bei Fahrzeugen, die mittels Brennstoffzellen angetrieben werden, braucht es nicht so grosse Batterien wie bei batteriebetriebenen Elektroautos.

Schon heute sind die Reichweiten von Autos auf der Basis von Brennstoffzellen deutlich grösser als jene von Elektroautos mit Batterie und je nach Modell schon fast vergleichbar mit Reichweiten von Fahrzeugen mit Benzinmotor. Und ebenso wie bei Benzin- und Dieselautos kann man sein Brennstoffzellen-Fahrzeug an der Tankstelle innert kürzester Zeit auftanken und braucht nicht so wie Geduld wie bei batteriebetriebenen Elektroautos.

Ein Problem ist aber die Verfügbarkeit: Es gibt noch viel zu wenige Tankstellen, an denen man sich mit dem nötigen Wasserstoff versorgen kann. Solange dieses Problem nicht flächendeckend gelöst ist, kann sich die Technik nicht in der Breite durchsetzen.

Aktien, in die man investieren kann, wenn man von der Brennstoffzellentechnik überzeugt ist, gibt es einige. Zu den Bekannten zählen die Hersteller von Brennstoffzellen wie die Powercell aus dem schwedischen Göteborg, Ballard Power aus Kanada und Hydrogenics, ebenfalls aus Kanada.

Vom Brennstoffzellen-Trend profitieren kann man weiter mit Papieren des norwegischen Wasserstoffunternehmens Nel Asa und den bekannten Gasfirmen Air Liquide aus Frankreich und Linde aus Deutschland. Letztere zwei Firmen sind gut etabliert und auch in europäischen Aktenindizes enthalten.

Aktien rund um die Brennstoffzellentechnik haben aus meiner Sicht in den nächsten Jahren einiges Potenzial. Allerdings sind die meisten dieser Titel nicht mehr günstig bewertet, was ein erhebliches Korrekturrisiko beinhaltet. Wie bei jeder neuen Technik geht man bei einem Investment in Papiere von Unternehmen rund um die Brennstoffzellentechnik erhöhte Risiken ein.

Es ist keineswegs garantiert, dass sich diese Technik in der Breite voll durchsetzt und es sind auch noch nicht alle Vor- und Nachteile in der ganzen Bandbreite erforscht. Da kann noch einiges schiefgehen. Wenn man dann in einem Einzeltitel engagiert ist, droht im schlimmsten Fall ein Totalausfall, wie man es bei Firmen aus der Solarbranche erlebt hat, obwohl die Branche ebenfalls eine interessante Zukunft hat.

Leider ist mir kein Exchange Traded Fund ETF bekannt, mit dem man kostengünstig und breit diversifiziert in den Brennstoffzellen-Sektor investieren könnte. Ein Engagement in Einzeltitel aus diesem Sektor macht nur für Anleger mit einer hohen Risikobereitschaft und in sehr begrenztem Umfang als Abrundung eines sonst sehr breit diversifizierten Portfolios Sinn.