Gold bietet Sicherheit, aber keine Stabilität

Ein massiver Einbruch an den Finanzmärkten oder eine geopolitische Krise könnten den Goldpreis plötzlich in die Höhe schiessen lassen. Foto: Keystone

Meine Bank NAB hat mir vor sieben Jahren 100 Anteile iShares Gold CHF Hedged ETF (CH), Valor 10413628, gekauft. Sie waren immer im Minus. Was raten Sie mir? B.H.

Der Gold Exchange Traded Fund (ETF) von iShares, einer Tochter des weltweit grössten Vermögensverwalters Blackrock, ist an die Entwicklung des Goldpreises gebunden und bildet diesen ab. Mit einer Gesamtkostenquote Total Expense Ratio von 0,35 Prozent ist der Fonds recht günstig. Zusätzlich sichert der Fonds die Dollar-Währung des Goldkurses in Schweizer Franken ab.

Dennoch ist dieser Fonds starken Schwankungen ausgesetzt, wie Sie selbst erfahren mussten. Leider hatten Sie das Pech, dass Ihnen Ihre Bank den Goldfonds ausgerechnet zu einem Zeitpunkt erworben hatte, als der Goldpreis praktisch auf einem historischen Höhepunkt war. 2011 erreichte der Unzenpreis für das gelbe Metall einen Kurs von über 1920 Dollar. Aktuell kostet die Unze Gold noch rund 1415 Dollar. Das sind fast 30 Prozent weniger als noch beim Höchstkurs.

Im laufenden Jahr hat sich der Goldpreis allerdings etwas erholt und hat seit Jahresbeginn rund 10 Prozent zugelegt. Dies interessanterweise, obwohl die Aktienmärkte auf Rekordkurs sind. Offensichtlich trauen einige Anleger den Finanzmärkten nicht mehr und erwarten erhebliche Rückschläge, was den Goldpreis stützen würde.

Das nützt Ihnen kurzfristig wenig, da Sie damals fast zum Höchstpreis gekauft hatten und auf hohen Buchverlusten mit Ihrem Gold-ETF sitzen. Ich weiss nicht, mit welcher Absicht Sie ursprünglich den Goldfonds erworben hatten.

Oft stelle ich fest, dass Privatanleger Gold und Goldfonds kaufen, weil sie Sicherheit suchen. Das gelbe Metall bietet zwar tatsächlich hohe Sicherheit in Phasen, in denen andere Anlageklassen wie Aktien abstürzen und das Finanzsystem in Schieflage gerät.

In solchen Phasen, wie wir sie in der Finanzkrise erlebt hatten, steigt der Goldpreis, weil die Investoren vermehrt Sicherheit suchen und daher ins Gold flüchten. Gold unterliegt dem Angebot und der Nachfrage. Im Zuge der Hausse an den Aktienmärkten in den letzten Jahren hat das Interesse für Gold bei den Anlegern indes deutlich nachgelassen.

Obschon Sie auf Buchverlusten sitzen, würde ich den Gold-ETF nicht verkaufen. Aus meiner Sicht haben die Unsicherheitsfaktoren an den Finanzmärkten stark zugenommen. Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken, riesige Schuldenberge weltweit, die sich abschwächende Konjunktur, der internationale Handelsstreit zwischen den Supermächten USA und China und zahlreiche geopolitische Krisenherde haben die Risiken für die Finanzmärkte erhöht.

Ein massiver Einbruch an den Finanzmärkten oder eine geopolitische Krise könnten den Goldpreis plötzlich wieder in die Höhe schiessen lassen. Daher würde ich den Goldfonds als Absicherung im Depot behalten. Gold ist eine Versicherung für Krisenzeiten. Eine Absicherung für den grossen Crash. Gold bietet aber nie Stabilität, sondern ist selbst massiven Kursschwankungen ausgesetzt.