Was gegen die Erstarkung des Euro spricht

Kommt die nächste Finanzkrise aus Italien? Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren schwächen den Euro als Anlagewährung. Foto: iStock

Ich erhalte nächstens einen grösseren Betrag in Euro. Die Probleme des Euros sind meines Erachtens nicht gelöst. Was raten Sie mir? Das Geld in Euro behalten oder in Franken tauschen? B.F.

Ich teile Ihre Einschätzung, dass die EU und die Europäische Währungsunion ihre Probleme aus der Vergangenheit nicht gelöst haben. Griechenland hat zwar einige Reformen umgesetzt. Das Land sitzt aber weiter auf riesigen Schuldenbergen und ist alles andere als stabil. Die Griechenlandkrise wurde von der EU mit einer Geldschwemme überdeckt. Die Ursachen der Krise sind indes nicht behoben.

Mindestens so gefährlich für die Zukunft des Euro ist Italien, zumal die Volkswirtschaft Italiens für die EU weit wichtiger ist als jene von Griechenland. Auch unser südliches Nachbarland schiebt enorme Schuldenberge vor sich hin. Nicht nur der Staat, auch die meisten italienischen Banken sind mit Problemkrediten konfrontiert. Die schwache Wirtschaftsleistung, die hohe Arbeitslosenrate und die politische Pattsituation verhindern, dass dringend nötige Reformen umgesetzt werden und Italien wirtschaftlich bald wieder auf Touren kommt. Es ist durchaus möglich, dass von Italien aus die nächste Finanzkrise ausgeht.

Darüber hinaus sitzen auch Spanien, Portugal, Belgien und Frankreich auf hohen Schulden, die sie wohl kaum sehr schnell zurückzahlen werden. Entsprechend bleibt der Europäischen Zentralbank EZB nichts anderes übrig, als die Zinsen weiter auf einem historischen Tief zu belassen. Da sich auch die Konjunktur in Deutschland und im übrigen Europa abschwächt, dürften die Zinsen in Europa noch längere Zeit sehr tief bleiben. Für eine kräftige Erholung des Euro bräuchte es höhere Zinsen und vor allem mehr Vertrauen in die europäische Wirtschaft. Diese Voraussetzungen sind derzeit nicht gegeben.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die EU und den Euro sind der Brexit, der Austritt von Grossbritannien aus der EU, der in den Herbst verschoben wurde, sowie der internationale Handelsstreit. Sollten die USA ihre Zölle auf Autoimporte aus Deutschland stark anheben, wäre das für Europa gefährlich.

Sie hören aus meiner Argumentation heraus, dass ich nicht an eine starke Euroerholung glaube. Vorderhand rechne ich mit einer Seitwärtstendenz zum Franken. Sollte sich aber die Schulden- und Wirtschaftslage in Europa deutlich eintrüben, müssten Sie mit einer erneuten Abschwächung des Euro rechnen, obwohl die Schweizerische Nationalbank gegen eine weitere Frankenstärke ankämpft.

Angesichts der Risiken in Europa würde ich keine grossen Summen in Euro halten. Da Währungsprognosen allerdings extrem schwierig und gemäss meiner Erfahrung meist falsch sind, empfehle ich, grosse Eurobeträge, sofern man sie nicht anderweitig brauchen kann, gestaffelt in unterschiedlichen Phasen in Franken umzutauschen. So senken Sie für sich das Risiko, dass Sie den gesamten Betrag zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt umgetauscht haben.

2 Kommentare zu «Was gegen die Erstarkung des Euro spricht»

  • Hugo Maurer sagt:

    Als Schweizer soll man keine grossen Devisen (Guthaben in fremden Währungen) haben. Seit über 50 Jahren ist der Schweizer Franken die stärkste Währung auf der Welt. Also sofort alles in Sfr. tauschen wenn man in den nächsten Monaten kein Euros braucht.
    Gruss von einem alten Devisenhändler.

  • Pius Tschirky sagt:

    ja, es ist schon ein sicherer Hort. War 1997 zum erstem Mal auf den Phlippinen. Damals bekam man für einen CHF 16 Pesos. Heute sind es über 50, die man für einen Schweizer-Franken erhält.

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