Lausige Beratung? Wechseln Sie die Bank!

Was, wenn die Bank nicht auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen will? Die Konkurrenz fragen! Foto: iStock

Wir sind eine junge Familie mit zwei Kindern, haben ein Haus mit 700’000 Franken Hypothek. Wir haben noch Erspartes in der Höhe von 300’000 Franken. Sollen wir unser Kapital auf der Bank lassen oder langfristig mit einem Zeithorizont von 20 Jahren in Aktien, Fonds, Anleihen investieren? Die Banken möchten alle Geld machen mit ihren aktiv verwalteten Fonds mit hohen Gebühren und bieten leider keine Beratung mit ETFs an. R.L.

Eigentlich würde ich Ihnen raten, Ihre Hypothek von 700’000 Franken teilweise zu amortisieren. Denn jetzt zahlen Sie der Bank Zins, hätten aber eigentlich das nötige Kapital für die Teilamortisation. Da Sie für die Hypothek 1,2 Prozent Zins zahlen, geht für Sie die Rechnung nur auf, wenn Sie auf Ihren Anlagen klar mehr Rendite erwirtschaften, was in sehr sicheren Franken-Anleihen momentan gar nicht möglich ist. Die Rendite der sehr sicheren Bundesobligationen bewegt sich sogar im Minus.

Nun schreiben Sie mir aber, dass Sie eine Festhypothek auf 10 Jahre haben. Sie sind also gebunden und können vorderhand nicht amortisieren. In dieser Konstellation würde ich auf jeden Fall die steuerbegünstigte Säule 3a voll ausschöpfen. Da Sie und Ihre Frau berufstätig sind, können Sie immerhin pro Jahr zusammen 13’652 Franken einzahlen und dann bei den Steuern in Abzug bringen. Vor allem aber machen Sie so eine indirekte Amortisation.

Wenn Sie Ihren Sparbatzen von 300’000 Franken einfach auf dem Konto der Bank liegen lassen, verlieren Sie damit faktisch Geld. Denn Sie erhalten auf dem Kapital kaum Zins. Wenn Sie zusätzlich die Teuerung und die Gebühren mitberücksichtigen, machen Sie darauf Verlust. Darum würde ich das Geld wenigstens teilweise investieren.

Da Sie und Ihre Frau noch jung sind, würde ich in erster Linie in Aktien anlegen. Diese beinhalten zwar ein hohes Kursschwankungsrisiko, gleichzeitig haben Sie damit langfristig die besten Renditechancen. Die Langfristigkeit ist bei Ihnen gegeben, wie Sie mir schreiben, da Sie mit einem Zeithorizont von 20 Jahren investieren möchten. Auf lange Sicht verlieren die Kursschwankungen etwas an Bedeutung.

Wichtig ist, dass Sie eine breite Diversifikation sicherstellen und sich vor einer Anlage genau überlegen, wie viel Risiken Sie wirklich tragen wollen und können. Bei einem Anlagebetrag von 300’000 Franken sollten Sie alle grossen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe usw. berücksichtigen, wobei ich in Ihrem Fall aufgrund des langen Anlagehorizontes die Aktien stärker gewichten würde.

Eine breite Diversifikation erreichen Sie mit Anlagefonds oder den von Ihnen in der Frage erwähnten Exchange Traded Funds. Es ist richtig, dass Sie bei der Auswahl der Produkte auch auf die Gebühren achten. Gebühren sparen können Sie einerseits mit kostengünstigen ETFs, die an einen Basiswert gekoppelt sind, oder aber ebenso mit einem passiv verwalteten Anlagefonds, wie sie die grossen Fondsanbieter wie Swisscanto, UBS, CS oder Blackrock anbieten.

Fragen Sie bei Ihrer Bank konkret nach Indexfonds sowie ETFs und verlangen Sie einen Anlagevorschlag auf der Basis von passiv verwalteten Anlagevehikeln. Wenn Ihnen Ihre Bank das nicht bieten will, dann haben Sie die falsche Bank: Dann würde ich das Gespräch mit zwei bis drei Konkurrenzinstituten suchen und Sie werden eine Lösung finden.

Sinnvoll kann es auch sein, passiv verwaltete Produkte vereinzelt mit aktiv verwalteten Instrumenten zu kombinieren, wenn Sie dafür eine bessere Gesamtrendite erzielen. Auf dem Markt finden Sie heute eine Vielzahl von guten Indexfonds und ETFs, mit denen Sie problemlos ein auf verschiedene Anlageklassen verteiltes, breit diversifiziertes Depot aufbauen können.

Und noch ein Hinweis: Ich rate Ihnen und Ihrer Frau, auch das in der Säule 3a investierte Geld in Vorsorgefonds zu investieren. Auch hier gibt es passiv verwaltete Vorsorgefonds mit geringen Gebühren. Beim Swisscanto Vorsorge Fonds 75 passiv zum Beispiel haben Sie einen Aktienanteil von 75 Prozent, aber nur eine tiefe Kostenkennziffer Total Expense Ratio (TER) von 0,43 Prozent.