Irritierender Tanz um den Umwandlungssatz

Umhüllender oder gesplitteter Umwandlungssatz? Unter dem Strich kann es bei der Rente einiges ausmachen, welches System zur Anwendung kommt. Foto: iStock

Im August 2016 bin ich in Pension gegangen. Da mein versicherter Lohn über dem obligatorischen Teil von 84’600 Franken lag, wurde mein gesamtes Alterskapital mit einem tiefen Umwandlungssatz von 5,54 Prozent umgerechnet. Begründung der PK: Bei einem versicherten Jahreslohn von über 84’600 Franken darf die PK gemäss Reglement das gesamte Alterskapital mit einem tieferen Umwandlungssatz berechnen. Ist das richtig so? M.S.

Ob die Pensionskasse in allen Punkten korrekt gehandelt hat oder nicht, hängt davon ab, was im Reglement Ihrer Kasse steht. Denn die Vorsorgeeinrichtungen dürfen bei der Berechnung der späteren Rente der Versicherten entweder einen umhüllenden Umwandlungssatz anwenden oder einen gesplitteten Umwandlungssatz. Unter dem Strich kann es bei der Rente einiges ausmachen, welches System zur Anwendung kommt.

Dazu einige Hintergrundinformationen: Sie haben recht, dass für den obligatorischen Teil des Altersguthabens in der Pensionskasse nach wie vor ein Umwandlungssatz von 6,8 Prozent gilt. Pro 100’000 Franken Guthaben gäbe dies eine jährliche Rente von 6800 Franken.

Im überobligatorischen Teil – das betrifft die versicherten Einkommensanteile über 84’600 Franken – ist die Pensionskasse aber frei bei der Festlegung des Umwandlungssatzes. Sie muss lediglich die gesetzlichen Vorgaben im obligatorischen Teil erfüllen. Beim gesplitteten Umwandlungssatz rechnet die Pensionskasse mit zwei verschiedenen Umwandlungssätzen. Für den obligatorischen Teil mit den gesetzlich vorgeschriebenen 6,8 Prozent und für den Rest mit dem deutlich tieferen Satz gemäss ihrem Reglement. Das gibt zwei Zahlen, die dann die gesamte Rente ergeben.

Beim umhüllenden Umwandlungssatz rechnet die Pensionskasse nur mit einem Satz. Sie macht eine Mischrechnung. Es ist ein kombinierter Satz, der die vorgeschriebenen 6,8 Prozent sowie einen für das Überobligatorium deutlich reduzierten Satz beinhaltet. Dieser kombinierte Satz kann dann die 5,54 Prozent ausmachen, wie bei Ihrem Fall. Das Gesetz schreibt nur vor, dass das so zustanden gekommene Rentenresultat nicht tiefer sein darf als die 6,8 Prozent auf Ihrem obligatorischen Teil.

Die meisten Kassen haben den Umwandlungssatz im Überobligatorium bereits stark gesenkt, damit sie die Verpflichtungen im Obligatorium mit dem eigentlich zu hohen Umwandlungssatz noch erfüllen können, und haben gleichzeitig einen umhüllenden Umwandlungssatz eingeführt. Das hat zur Folge, dass viele Leute irritiert sind, wenn sie ihre Rentenberechnung anschauen und den gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent im Kopf haben, aber feststellen, dass bei der Berechnung ihrer Rente ein weit tieferer Satz zur Anwendung gelangte.

Wenn Sie Zweifel haben, ob Ihre Kasse korrekt gehandelt hat, können Sie im Reglement der Vorsorgeeinrichtung prüfen, ob sie die Renten mit einem gesplitteten Umwandlungssatz oder mit einem umhüllenden Umwandlungssatz berechnet. Ich gehe davon aus, dass Ihre Kasse mit einem umhüllenden Umwandlungssatz arbeitet. Dann hätte sie korrekt gehandelt.