Auch wer Fonds kauft, kann ausrutschen

Die höhere Rendite gibt es nie gratis: Besonders risikoscheue Anleger sollten sich bewusst sein, dass selbst vorsichtige Anlagestrategien über eine gewisse Fallhöhe verfügen. Foto: Getty Images

Meine Raiffeisen-Bank schlägt mir zur Wiederanlage meines Geldes ein Kombiangebot vor. Die Hälfte des Geldes müsste ich in Anlagefonds der Bank investieren und die andere Hälfte in ein Termingeld zum Sonderzinssatz von 0,5 Prozent mit Laufzeit zwei Jahre. Bin ich damit als risikoscheue Anlegerin gut beraten? R.B.

Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie bis jetzt nur eine sehr konservative Termingeldanlage hatten. Wenn Sie nun das Angebot Ihrer Bank annehmen und neben der Termingeldanlage auch Fonds erwerben, tragen Sie automatisch ein höheres Anlagerisiko als bisher.

Zwar können Sie unter verschiedenen Strategiefonds der Raiffeisenbanken auswählen. Diese unterscheiden sich darin, wie die verschiedenen Anlageklassen wie Obligationen, Aktien, Liquidität usw. gewichtet werden und beinhalten unterschiedlich hohe Risiken. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie, selbst wenn Sie einen Fonds mit einer konservativen Strategie nutzen, der keine Aktien aufweist und in erster Linie auf sichere Obligationen setzt, ein Anlagerisiko tragen.

Dieses Risiko ist zwar deutlich geringer als bei Fonds mit einem mehr oder weniger hohen Aktienanteil, da es bei diesen zu stärkeren Kursschwankungen kommt. Allerdings kann es auch bei Fonds mit Fokus auf Obligationen zu Kursausschlägen kommen wie viele konservative Anlegerinnen und Anleger in diesem Herbst feststellen mussten.

Viele merkten konsterniert: Selbst ein konservativer Fonds kann phasenweise ins Minus rutschen. Eine Garantie, dass Sie keine Verluste einfahren, haben Sie auch bei einem Anlagefonds mit konservativer Strategie nie.

Das Risiko ist bei einem Fonds höher, als wenn Sie das Geld einfach aufs Konto legen oder in eine Termingeldanlage investieren. Dafür haben Sie bei einem Fonds höhere Renditechancen. Allerdings halten sich diese Renditemöglichkeiten bei Fonds mit konservativer Strategie, die in erster Linie auf sehr sichere Frankenanleihen setzen, aufgrund der rekordtiefen Zinsen in der Schweiz in engen Grenzen. Wenn Sie etwas mehr Rendite wünschen, müssten Sie einen Fonds wählen, der einen höheren Anteil an Fremdwährungsanleihen oder auch Aktien enthält. Damit steigt allerdings auch Ihr Anlagerisiko deutlich an.

Das bedeutet nicht, dass das Angebot schlecht ist. Vielmehr müssen Sie sich genau bewusst sein, worauf Sie sich einlassen. Bei der Hälfte des Geldes, das in eine Termingeldanlage fliesst, offeriert Ihnen Ihre Bank immerhin einen attraktiven Sonderzins von 0,5 Prozent. Dafür aber übernehmen Sie bei der anderen Hälfte des Geldes mit dem Fonds ein höheres Risiko.

Die höhere Rendite gibt es nie gratis – auch bei dem Angebot «Fifty-Fifty» Ihrer lokalen Raiffeisenbank nicht. Gut beraten sind Sie damit nur, wenn Sie wirklich bereit und dazu in der Lage sind, ein mehr oder weniger grosses Anlagerisiko bei dem Fonds zu tragen. Ansonsten würde ich die Finger davon lassen.