Wohin geht die Reise mit den Hypozinsen?

Macht keinen Sinn mehr: Das Aufsplitten von Hypotheken wird zum Klotz am Bein, weil die Hypozinsen im 2019 eher leicht steigen werden. Foto: Shutterstock

Wir haben eine Eigentumswohnung gekauft, welche sich im Bau befindet. Geplanter Bezug ist in eineinhalb Jahren. Unsere Bank schlägt uns eine Aufsplittung der Hypothek in verschiedene Laufzeiten plus Libor vor. Darüber hinaus könnten wir ein Jahr im Voraus gegen einen kleinen Aufschlag den Zins fixieren. Wir wägen ab, ob wir die Zeit abwarten und dann später beurteilen sollen oder möglichst früh Nägel mit Köpfen machen sollen. Was würden Sie raten? R.K.

Den Ratschlag von Banken, die Hypothek aufzusplitten, höre ich oft. In Zeiten sinkender Zinsen, wie wir es früher hatten, macht dieser Ratschlag Sinn. In Zeiten stabiler oder sogar steigender Zinsen ist er längst nicht immer im Interesse der Kunden.

Bei einer Aufsplittung der Hypothek ist man als Kunde oft eng an die Bank gebunden. Wenn die eine Tranche ausläuft, ist die Laufzeit der anderen weiter am Laufen. Das hat zur Folge, dass man einen Vertrag nur schwer künden kann – etwa dann, wenn man ein besseres Angebot der Konkurrenz annehmen möchte.

Mit Hypotheken mit mehreren Tranchen und unterschiedlichen Laufzeiten versuchen einige Banken auch bewusst, die Kunden an sich zu binden. So wird der Wettbewerb erschwert. Bei steigenden Zinsen kann es indes Sinn machen, die extrem tiefen Zinsen möglichst für die ganze Hypothek zu fixieren.

In Ihrem konkreten Fall finde ich allerdings eine Aufsplittung in eine Festhypothek mit zehn Jahren Laufzeit und einer Liborhypothek keine schlechte Idee.

Ich rate Ihnen aber, zu prüfen, ob es bei Ihrer Bank möglich ist, die Liborhypothek zu einem späteren Zeitpunkt rasch und unkompliziert ebenfalls in eine Festhypothek umzuwandeln – dann nämlich, wenn die Zinsen tatsächlich steigen. Dann können Sie die Laufzeiten aufeinander abstimmen, sodass allenfalls später auch ein Wechsel problemlos möglich ist.

Momentan ist dies noch nicht der Fall. Weil die Europäische Zentralbank signalisiert hat, dass sie die Zinsen noch bis mindestens im Sommer 2019 tief lässt, bleibt auch der Schweizerischen Nationalbank nichts anderes übrig als die Zinsen in der Schweiz ebenfalls tief zu belassen, sonst gewinnt der Franken zum Euro wieder stark an Wert.

Vor diesem Hintergrund können Sie sich aus meiner Sicht mit Ihrem Hypothekenentscheid noch etwas Zeit lassen. Natürlich könnten Sie die aktuell tiefen Zinsen auch bereits heute bei Ihrer Bank fixieren. Doch dann zahlen Sie dafür eine Prämie. Ich würde mir diese momentan sparen und stattdessen die Zinsentwicklung in Europa und der Schweiz genau beobachten.

In einem halben Jahr können Sie wohl eher abschätzen, wo die Reise bei den Zinsen hingeht. Tendenziell werden diese aber 2019 eher leicht steigen, da die Konjunktur auch in Europa gut in Fahrt ist und die Teuerung sowohl in der EU als auch bei uns etwas angezogen hat. Kurzfristig bleiben die Zinsen aber noch tief.

Ende dieses Jahres und spätestens im Laufe des nächsten Jahres würde ich die Situation neu beurteilen und je nach Tendenz die tiefen Sätze anbinden. Dann können Sie immer noch entscheiden, ob Sie noch eine Liborhypothek wünschen oder die gesamte Hypothek als Festvertrag beziehen möchten.

16 Kommentare zu «Wohin geht die Reise mit den Hypozinsen?»

  • Anh Toàn sagt:

    „Bei steigenden Zinsen kann es indes Sinn machen, die extrem tiefen Zinsen möglichst für die ganze Hypothek zu fixieren.“

    Und wenn die Festhypo gerade auf dem Höhepunkt der gestiegenen Zinsen ausläuft, muss man alles im ungünstigsten Zeitpunkt refinanzieren.

    Richtig freuen über eine langfriste Hypo kann man sicht erst, wenn vor dem Auslaufen die Zinsen wieder gesunken sind.

    Übrigens, wenn nur ein Teil langfristig vereinbart wurde, ist ein vorzeitiger Ausstieg billiger, als wenn alles langfristig war. Ein Ausstieg erfolgt selten wegen einer Zinsentwicklung (eben teuer) oder Vertrauensverlust gegen die Hypobank, sondern aus persönlichen Gründen, wie Tod, Scheidung, Arbeitsplatzverlust bzw. -wechsel an einen anderen Ort der Umzug bedingt.

    • Anh Toàn sagt:

      Grundsätzlich, ohne Berücksichtigung der persönlichen Situation:

      Markowitz erhielt einen Nobelpreis für den mathematischen Beweis, dass „nicht alle Eier in einen Korb legen“ bei weniger Risiko mehr Gewinn bringt. Weder meine Mathe noch die Länge eines Kommentars reichen, um zu beweisen, dass dies auch bei der Finanzierung gilt. Aber mein „mathematisches Bauchgefühl“ ist überzeugt davon.

      • lukas sagt:

        markowitz liefert keinen beweis, aber ein modell zur linearen optimierung. hier würden so viele modellannahmen verletzt, dass mit „markowitz“ kaum ein sinnvolles portfolio berechnet werden kann. da sind sie mit einfacherer mathematik besser aufgehoben.

  • Lilo F. sagt:

    Ich frage mich, wie lange der Libor noch existiert und was danach kommen wird? Einige Banken möchten bereits heute schon keine Liborhypotheken mehr abschliessen.
    Bieten aber den gleichen Zinssatz für 2 – 3-Jahreshypotheken an. Was ist nun die beste Lösung?

  • Matthias Bosshard sagt:

    Ich habe zwar keine hohe Hypo trotzdem habe ich diese aufgeteilt genau mit dem Hintergrund in einem allfälligen hoch nicht gleich alles mit hohem Zins wieder Fixen zu müssen. Da nun die eine ausläuft werde ich auch gleich einen teil zurück zahlen den ganz ehrlich „nur keine Hypo ist eine gute Hypo“.
    Heutzutage umso mehr den dann gibt’s bei Pension kein Gequatsche bezüglich Tragbarkeit wie schon Kollegen von mir berichteten den dem wird viel Zuwenig Beachtung geschenkt also lieber weniger Sanieren und mehr Abzahlen das ist mein Tipp nicht das man dann zur Pension ausziehen darf!

  • Peter Meier sagt:

    Die Banken prophezeien den Anstieg schon lange. Richtig ist es möglichst nicht in Tranchen aufzuteilen. Denn für das Verlängern von Teilhypotheken hat man dann schlechte Voraussetzungen was die aushandelbaren Konditionen oder den Vertragspartner anbelangt.
    Für meinen Teil schliesse ich den Deal ab wie er für mich zu diesem Zeitpunkt stimmt. Das Geld was ich weniger bezahle lege ich auf die Seite für etwaige Amortisationen oder falls dann halt mal die Zinsen höher sind. Und ich rechne nicht mehr nach was gewesen wäre hätte ich doch Libor gemacht oder andere Laufzeiten etc. Ändern kann ich es ja eh nicht mehr.

  • Martin Muheim sagt:

    Ich bin nach gefühlten 20 Jahren, wo dauernd der baldige Zinsanstieg als Argument für Festhypotheken gepredigt wurde, dezidiert der Meinung, dass man alles mit Libor-Hypotheken finanzieren sollte.
    Das Geld, welches man bis heute mit dieser Methode einsparen konnte, würde noch während Jahren ausreichen, um allfällige Zinsanstiege damit auffangen zu können.
    Jedenfalls haben alle, die ich kenne, mit den aufgeschwatzten Festhypotheken zum Teil deutlich mehr an die Banken abgeliefert, als jene, die auf die teure „Sicherheit“ verzichtet haben.

    • Anh Toàn sagt:

      Kann man machen, wenn die Tragbarkeitsberechnung auch mit 15% aufgeht, sicher nicht, wenn 5% die Grenze sind.Zumindest kann es machen, wer flüssiges Geld in der Höhe der Hypo haben will, um finanzielle Flexibilität zu wahren, das ist nicht dumm: Um eine Yacht zu kaufen um ein paar Jahre zu segeln nach der Pensionierung erhöhen die Banken die Hypo nicht: Hast Du Geld übrig für eine Yacht, kannst Du eine kaufen, brauchst Du Hypo auf Eigenheim, hast Du kein Geld übrig.) Solange das Geld da ist, kann man immer die Libor Hypo ablösen, wenn einem der Erhalt der finanziellen Flexibilität zu teuer erscheint.

      • Thomas sagt:

        Konsum auf Pump ist kein sinnvoller Ratschlag.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Frage ist, ob jemand auf Pump gelebt hat, wenn seine Erben sein 1 Mio Haus statt schuldenfrei halt mit THF 300 hypo belastet bekommen.

      • Thomas sagt:

        Antwort: Ja, was den sonst.
        Ich vererbe meinen Kindern sehr gerne schuldenfreie Liegenschaften – notabene ohne Einschränkung der Lebensqualität, welche durch den Genuss der Unabhängigkeit von schmarotzenden Finanzinstituten nur zunimmt.

    • Martin Muheim sagt:

      @Anh Toàn: Was ich schreibe, hat keinen Einfluss auf die Höhe der Hypothek, sondern nur auf den abzuliefernden Zins.
      Würden die Zinsen jemals auf 15% steigen, ist es mit der Tragbarkeit auch bei den vermeintlich Glücklichen mit der Festhypothek spätesten dann vorbei, wenn dieses zur Erneuerung fällig wird. Die neue Festhypothek wird dann so viel teurer sein, dass ich mir mit meinem Ersparten noch einiges länger die auch dann günstigeren Zinsen der Geldmarkthypothek würde leisten können.
      Noch wahrscheinlicher hätte ich bis zu diesem Zeitpunkt so viel an Zinsen eingespart, dass ich die Hypothek bei gleichem Lebensstandard längs abbauen konnte.

  • Werder sagt:

    Der Experte weiss so wenig wie die Bank. Sonst würde beide ein Vermögen verdienen können. Die Vergangenheit ist nicht die Zukunft weil sich soviel im Immobilienmarkt Schweiz und auch im Kapitalmarkt geändert hat.
    War ein guter Versuch vom TA die Zeitung zu füllen.

  • groeg sagt:

    Eine Aufteilung auf Normalfest- und Libor ist vor allem dann interessant, wenn man liquide ist und bei extrem steigenden Zinsen die Libor amortisieren kann.Ich habe schon 8 1/4% Zins zahlen müssen.Da war ich aber noch nicht liquide und musste zahlen.

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