An Amazon kommt niemand vorbei

Die Papiere von Amazon eignen sich auch auf aktuellem Niveau noch, um sie bis zur Pension liegenzulassen. Foto: Mark Makela (AFP/Getty)

Die Papiere von Amazon eignen sich auch auf aktuellem Niveau noch, um sie bis zur Pension liegenzulassen. Foto: Mark Makela (AFP/Getty)

Schon wieder redet alles über Amazon, und ich auch, wie vor einem Jahr: Damals knackten die Papiere des weltweit grössten Internethändlers die 1000-Dollar-Marke. Haben Sie meinen Rat befolgt und zugekauft, besitzen Sie inzwischen einen zweiten 1000-Dollar-Schein. Vor ein paar Tagen haben die Amazon-Aktien die 2000-Dollar-Grenze überschritten, wenn auch nur kurzzeitig. Damit hat das Unternehmen unter Gründer und CEO Jeff Bezos zugleich als erst zweites Unternehmen überhaupt einen Marktwert von 1000 Milliarden Dollar erreicht. Diese Marke ist rein psychologisch – und doch hat sie eine gewisse Aussagekraft. So gibt es einen Herdentrieb an der Börse, der Anleger zu den Grossen zieht. Und die Publicity rund um das Erreichen solcher Marken bringt neue Investoren. Davon abgesehen: Amazon bleibt für mich auch fundamental ein Kauf. Wer im Internet unterwegs ist als Konsument von digitalen oder physischen Waren, kommt an dem Konzern nicht vorbei. Zudem versucht sich Amazon vermehrt in der Offline-Welt und wird zur noch stärkeren Konkurrenz für traditionelle Händler. Die Papiere eignen sich auch auf aktuellem Niveau noch, um sie bis zur Pension liegenzulassen. Dosiert kaufen

Bär weckt Wachstumsfantasien

Man muss seine Meinung auch ändern können. So geht mir das gerade mit Julius Bär. Die Aktien sind mittlerweile günstig bewertet. Auf Basis der Schätzungen 2019 weisen sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 auf. Knapp 16 Prozent haben die Titel bislang eingebüsst. Dabei hat das Institut ein gutes Halbjahresergebnis abgeliefert. Mit verwalteten Kundenvermögen von 400 Milliarden Franken hat die Bank zudem die Basis für künftige stabile Erträge gelegt. Was im Moment belastet, ist das Geldwäsche-Geständnis eines ehemaligen Julius-Bär-Bankers. Der Fall steht im Zusammenhang mit der staatlichen venezolanischen Erdölgesellschaft PDVSA, es geht um 1,2 Milliarden Dollar. Das sorgt für Unsicherheit, bietet Anlegern allerdings eine attraktive Einstiegschance. Als reine Privatbank sollte Julius Bär eigentlich mit einer Prämie handeln. Zudem besitzt die Bank einen grossen Fussabdruck in Asien, was weitere Wachstumsfantasien weckt. Rund ein Viertel der Kundengelder stammt aus Asien. Die Einschätzung ist deshalb klar: Kaufen

Langfristige Beteiligung an BKW

Irgendwann werden sich die steigenden Strompreise bemerkbar machen, bin ich überzeugt. Doch das dauert, was den Energiekonzern BKW betrifft. Die Halbjahresresultate spiegeln den Einfluss der rekordtiefen Grosshandelspreise für Strom der Jahre 2015/16. Dies, weil Strom in der Regel drei Jahre im Voraus verkauft wird. Der Umsatz von Januar bis Juni wuchs nur, weil das Geschäft mit Energiedienstleistungen kräftig expandierte. Betriebsergebnis und Gewinn stiegen nur aufgrund eines positiven Sondereffekts aus dem Primatwechsel bei der Pensionskasse. BKW rechnet damit, dass die negativen Strompreiseffekte bis Ende 2019 anhalten werden. Danach zeichne sich eine Erholung ab, die sich in besseren Resultaten ausdrücken soll. So konnte der Konzern dieses Jahr die Stromproduktion für 2021 zu 5 Rappen die Kilowattstunde verkaufen – doppelt so viel wie 2016. In die Bewertung der Aktien ist diese Erholung erst teilweise eingeflossen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2019 von 18 lässt noch Raum für Kursavancen. Die Dividendenrendite ist nicht üppig, beträgt aber immerhin 2,6 Prozent. Langfristig orientierte Anleger schlagen jetzt zu und setzen darauf, dass sich die erwarteten Resultatverbesserungen auch tatsächlich einstellen. Kaufen

S+B bietet günstigen Einstieg

Nicht aufgegangen – zumindest bisher – ist meine Wette vom Mai auf Schmolz + Bickenbach. Es gilt aber weiterhin: Die Aktien des Herstellers von Speziallangstahl sind sehr günstig. Das Verhältnis des Kurses zum Gewinn, der für das laufende respektive kommende Jahr erwartet wird, beträgt jeweils gerade mal 8, bei konservativen Schätzungen. Gute Nachrichten verpuffen, so die erhöhten Prognosen für das Gesamtjahr. Über allen positiven Faktoren – höhere Verkaufspreise, sehr gute Kapazitätsauslastung, Effizienzsteigerungen, Fortschritte in der Integration der Ascometal – schwebt die Angst vor den Folgen des Handelsstreits. Das finde ich übertrieben. Übertrieben ist auch der jüngste Kursverlust von rund 5 Prozent nach der Meldung, das US-Verteidigungsministerium habe einen Auftrag über 420 Millionen Dollar storniert. Lobbyisten auf der Seite des Konkurrenten Ellwood haben erreicht, dass S+B-Tochter Finkl aus Chicago doch nicht zum Zuge kommen soll, weil vom Ausland beherrscht. Mir solls recht sein, Hersteller von Sprengköpfen im Depot machen sich ohnehin nicht gut. Dosiert kaufen

10 Kommentare zu «An Amazon kommt niemand vorbei»

  • erich schweizer sagt:

    Amazon bei diesem Kurs zu empfehlen ist mehr als gewagt und könnte für die Leser sehr teuer werden falls jemand dem glauben schenken sollte.
    Es ist eher zu erwarten dass sich die Aktie mindestens mal halbiert in den nächsten Monaten. Das KGV von Amazon steht bei über 200, normal wäre 15 – 25. Dividende wird es auf Jahre hinaus auch keine geben und falls Trump so weitermacht mit seinen Zöllen, werden andere Staaten nachziehen und Amazon eventuell besteuern oder boykottieren.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Sehr richtig. Solche KGVs wie bei Amazon sah man zuletzt in der Dotcom-Blase. Amazon müsste innerhalb von fünf Jahren seinen Gewinn verzehnfachen. Ist das möglich? Nein. Warum? Weil sich der Umsatz nicht verfünffachen lässst (ist dasselbe Dilemma wie seinerzeit mit der Telecom-Blase: die Menschen geben einfach nicht 10% ihres Einkommens fürs Telefonieren/Surfen aus, also sind Umsatz/Gewinn beschränkt). Amazon arbeitet mit ganz, ganz kleinen Margen, scheut sich auch nicht davor, Konkurrenz durch Minus-Margen zu bekämpfen. Weiten sich die Margen von Amazon aus, so steigt automatisch die Zahl der Konkurrenten um die Kuchen.
      Ich denke, wir werden Amazon in der nächsten Rezession für unter 300 $ kaufen können.

      • Chrigl sagt:

        Es wäre auch erwähnenswert das gerade die FAANG’s die grössten positionen sämtlicher nationalbanken sind allen voran bei der SNB und der BOJ. Diese kaufen die ganze liquidität auf und treiben den preis so in die höhe. Aber wenn die mal nicht mehr kaufen oder gar verkaufen dann wirds eher übel abwerts gehen. Ob man jetzt die welle noch reiten kann/soll .. ?? Im zweifelsfall eher nicht.

      • Anh Toàn sagt:

        Vielleicht soll man die Welle noch reiten, aber die Pension sollte in absehbarer Zukunft sein, wenn man die Papiere bis dahin im Depot halten will ohne Verluste, insbesondere wenn man in CHF rechnet.

      • Anh Toàn sagt:

        Vielleicht stellt sich in 20 Jahren sogar heraus, dass 2’000 heute noch immer eine gute Investition waren.

        Aber in den nächsten 10 Jahren wird man die Aktie auch mal zu einem dreistelligen Preis kaufen können, wird die Zukunft von Amazon speziell oder generell von Aktien Finanzen oder Zukunft deutlich skeptischer beurteilt werden.

  • Werner Teufel sagt:

    90% der Gewinne durch Cloud Services. Wusste nicht das man darauf Strafzölle erheben kann?😂
    Wieder einmal Kommentare ohne Fundament.

  • David sagt:

    Ok, es geht um Geld. Aber fragt sich überhaupt noch jemand welches Monopol Amazon gerade für sich beansprucht? Armselige Kommentare zum Verkauf der eigenen Seele!

    • Chrigl sagt:

      Ein nicht mehr ganz so grosses wenn man sich überlegt, dass ich schon öfter bei ali express bestelle (und viele in meinem bekanntenkreis ebenfalls) die liefern wenigstens in die schweiz. aber jetzt sind sie wohl noch wütender weil ich nicht beim schweizer detail handel einkaufe …

  • Hans Bon sagt:

    Also Amazon schaue ich zurzeit so an: Die Bewertung hat 1000 Milliarden erreicht. Wenn die Aktie um 10 % steigt, dann sind das 100 Milliarden. Das ist eine halbe Novartis. Ich glaube die Wertschöpfung von hier aus wird recht schwierig, zudem entwickelt sich der Preis der Aktie parabolisch, nicht erst seit diesem Jahr, was ich als eher ungesund empfinde.

Kommentar

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