Wie Selbstständige ihre Rente sichern können

Selbstbestimmt: Wer im Berufsleben seine Brötchen selbstständig verdient, sollte auch seine Rentensituation individuell planen. Foto: Getty Images

Mein Partner ist 61-jährig, selbstständig und verfügt über keine Pensionskasse. Seine Ersparnisse betragen inklusive 3. Säule 300’000 Franken. Aus einer Erbschaft kommen 800’000 Franken und ein Haus dazu. Er überlegt, sich mit einem Teil des Geldes eine Leibrente mit Rückgewähr zu kaufen und der Rest des Geldes von einer Bank verwalten zu lassen. Ist eine Leibrente nicht ein schlechtes Geschäft? Und könnte er sich auch bei einer Pensionskasse einkaufen? J. B.

Im Prinzip können sich Selbstständigerwerbende einer Vorsorgeeinrichtung der 2. Säule anschliessen. Ich weiss nicht, in welchem Bereich Ihr Partner tätig ist. Verschiedene Berufsverbände bieten für Selbstständigerwerbende entsprechende Möglichkeiten, um einer Kasse beizutreten.

Möglich sind Lösungen im Rahmen der 2. Säule auch über Sammelstiftungen. Da Ihr Partner allerdings schon 61 ist und damit schon nahe beim ordentlichen Pensionsalter, gehe ich davon aus, dass es recht schwierig wird, eine ökonomisch sinnvolle Lösung zu erzielen.

Ich rate ihm aber, seine diesbezüglichen Möglichkeiten mit der Kasse seines Berufsverbandes oder bei der Auffangeinrichtung BVG und einem Privatversicherer auszuloten.

Eine Leibrente wird oft als Alternative gewählt. Denn solche Vehikel bieten ebenfalls eine Rente bis ans Lebensende und damit ähnlich wie im Erwerbsleben ein regelmässiges monatliches Einkommen. Der Pluspunkt einer Leibrente ist, dass man das Langlebigkeitsrisiko an die Versicherung überträgt.

Gratis gibt es das natürlich nicht. Man zahlt bei Leibrenten erheblich Gebühren und bekommt eine bescheidene Rendite fürs investierte Geld. Dazu kommt, dass Leibrenten steuerliche Nachteile mit sich bringen.

Anders als Renten aus der AHV und einer Pensionskasse muss bei einer Leibrente zwar nur 40 Prozent der jeweils monatlich ausbezahlten Rente versteuert werden, was positiv ist.

Wenn man sich aber vor Augen hält, dass das in die Leibrente investierte Geld vorher bereits einmal versteuert wurde, sieht die Steuerbilanz nicht mehr sehr gut aus.

Als Alternative möglich wäre auch, dass Ihr Partner sein Vermögen von einer Bank professionell verwalten lässt und sich davon zusätzlich zu den Erträgen aus Zinsen und Dividenden als Ergänzung zu seiner AHV-Rente monatlich im Dauerauftrag einen Betrag – ähnlich wie eine Rente – auszahlen lässt.

Der Vermögensverzehr hat den Vorteil, dass dieser monatliche Betrag aus dem eigenen Vermögen – anders als eine klassische Rente – nicht versteuert werden muss, da das Kapital bereits versteuert wurde.

Der Nachteil dieser Variante ist, dass Ihr Partner ein mehr oder weniger grosses Anlagerisiko trägt, welches von der gewählten Anlagestrategie abhängt. Und zusätzlich trägt er das Langlebigkeitsrisiko. Wenn er 90 Jahre alt wird, könnte es je nach gewähltem monatlichem Betrag im Rahmen des Vermögensverzehrs sein, dass das Geld ausgeht.

Positiv an dieser Variante ist aber, dass das nicht aufgebrauchte Geld an die Erben geht, sollte Ihr Partner frühzeitig versterben.

Vor einem Entscheid rate ich Ihrem Partner, sich von einem Vorsorgeexperten bei einer Bank oder einer Versicherung anhand seiner konkreten Bedürfnisse und Finanzverhältnisse im Detail über seine Optionen beraten zu lassen.

4 Kommentare zu «Wie Selbstständige ihre Rente sichern können»

  • Hans Hödli sagt:

    Wenn schon so viel geerbt wurde dann ist eine lediglich zu 40% versteuerbare Leibrente sehr wohl eine Option, das ist ja für den Erben vollkommen irrelevant dass die Verblichenen das schon mal versteuert haben. Der Rückkaufswert bleibt weiterhin als Vermögen steuerbar.

  • Renata Rubina Rolischo sagt:

    Es ist doch vollkommen egal, ob selber angespart oder geerbt: Das Geld hat er jetzt schon und zahlt dafür keine Einkommenssteuer. Für die Leibrente aber schon (wenn auch reduziert). Ich will aber damit nur sagen: Dass das Erbe nicht besteuert worden ist (wenn es denn überhaupt so ist), ist kein Argument für die Leibrente. Andere mag es geben.

  • Renata Rubina Rolischo sagt:

    Ein Kommentar noch zur Pensionskasse: Als Selbständiger kann er sich bei der PK des Berufsverbands anschliessen, oder bei derjenigen seiner Angestellten, wenn er solche hat. Wenn er einen guten Vorsorgeplan wählt (hohe Altersspargutschriften), hat er ein hohes Potential, sich freiwillig einzukaufen. So kann er in den verbleibenden Jahren bis zur Pensionierung die Einkäufe vom steuerbaren Einkommen abziehen (und mitunter ohne Einkommenssteuer bis zur Pensionierung leben). Das kompensiert zumindest einen Teil des Nachteils, die nachher bezogene Rente versteuern zu müssen. Ob sich das lohnt, hängt natürlich auch vom Umwandlungssatz ab, den er auf den freiwilligen Einkäufen erhält. Zudem ist diese Variante ausgeschlossen, wenn ein Kapitalbezug geplant wird (wovon hier nicht auszugehen ist).

  • A. Osborn sagt:

    „Vor einem Entscheid rate ich Ihrem Partner, sich von einem Vorsorgeexperten bei einer Bank oder einer Versicherung anhand seiner ………. im Detail über seine Optionen beraten zu lassen.“
    Ich habe beim VZ Vermögenszentrum diesbezüglich gute Erfahrungen gemacht.

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